Stets zu Diensten – FCB-Stürmer Nummer X, Claudio Pizarro


veröffentlicht am Donnerstag, 30. Januar 2014 12:23, von unserem Autor Christian Eck in Schlenzer des Tages - Fußballer und Tore. null Kommentare

Cha­peau VfB Stutt­gart! Im gest­ri­gen Nach­hol­spiel hat der VfB den FC Bay­ern zeit­weise rich­tig alt aus­se­hen las­sen. Schnel­les Umschalt­spiel hat die Anfäl­lig­keit von Guar­dio­las ris­kan­ter Art des Ver­tei­di­gens offen­ge­legt. Rafinha wurde von einem auf­stre­ben­den 17 Jäh­ri­gen wie­der auf den Boden der Tat­sa­chen geholt und die „fal­sche Neun“ war an die­sem Mitt­woch tat­säch­lich die völ­lig fal­sche. Sowohl Mül­ler als auch Götze wuss­ten die Posi­tion nur in den wenigs­ten Momen­ten mit gefähr­lich aus­zu­üben. Stutt­gart ver­stand es gut, mit aggres­si­ver Ver­tei­di­gung den Bay­ern den Schwung aus den Angrif­fen zu neh­men. Dabei fehlte den Mit­tel­feld­spie­lern des Meis­ters aber auch häu­fig die ent­schei­dende Anspiel­sta­tion im Sturm­zen­trum. Zudem hat­ten Toni Kroos, der belei­digt aus­ge­wech­selt wurde, sowie seine Offen­siv­part­ner Xer­dan Shaquiri, Tho­mas Mül­ler und Mario Götze nicht ihren bes­ten Tag erwischt. Mit etwas mehr Glück und Kon­se­quenz hät­ten die Schwa­ben das Spiel erfolg­reich zu ihren Guns­ten gestal­ten können.

Und täg­lich grüßt das Murmeltier

Dass am Ende aber trotz­dem wie­der ein­mal die Münch­ner als Sie­ger vom Platz gin­gen, lag natür­lich zum einen an Thia­gos Genie­streich in der 93. Minute. Aber zu gro­ßen Tei­len auch an Guar­dio­las Kor­rek­tur der Auf­stel­lung. Dies muss dem Spa­nier ohne­hin zu Gute gehal­ten wer­den: Wenn er auch teil­weise große Ver­än­de­run­gen in einem erfolg­rei­chen Sys­tem vor­ge­nom­men hat und mit sei­ner „fal­schen Neun“ und Dreierketten-Experimenten den Unmut eini­ger Beob­ach­ter auf sich zieht, so ist er stets bereit seine Ideen, soll­ten sie nicht grei­fen, kurz­fris­tig abzu­än­dern. So gesche­hen auch ges­tern in der 60.Minute. Seine Mann­schaft ver­suchte ver­ge­bens den Rück­stand wett­zu­ma­chen ­– schei­terte aber meist an einer gut orga­ni­sier­ten Mann­schaft und dem eige­nen Unvermögen.

Mit dem Dop­pel­wech­sel Mandzukic/Pizarro wur­den die Zei­chen noch mehr auf Offen­sive gestellt. Letzt­lich war es die spiel­ent­schei­dende Maß­nahme Guar­dio­las, auch wenn Mat­thias Sam­mer die feh­lende Ord­nung nach der Ein­wechs­lung bemän­gelte. Manch­mal muss aber ein­fach etwas Ord­nung geop­fert wer­den, ins­be­son­dere bei einem Rück­stand und wenig ver­blei­ben­der Spiel­zeit. Im Fokus bei die­sem Wech­sel stand hier­bei beson­ders Mario Mandzu­kic. Mar­cel Reif erei­ferte sich über den Kroa­ten und des­sen bereits breit durch­dis­ku­tierte Trai­nings­leis­tungs­ver­wei­ge­rung und Nicht­be­rück­sich­ti­gung. Der Kom­men­ta­tor wollte spür­bar eine Reak­tion her­bei­re­den. Diese blieb in den ver­blei­ben­den 30 Minu­ten aller­dings aus. Ein­satz­wil­len und Moti­va­tion soll Mandzu­kic an die­ser Stelle nicht abge­spro­chen wer­den – trotz­dem stand er aber im Schat­ten eines Man­nes, der sonst meis­tens im Schat­ten des Kroa­ten steht.

Der beste aktive Bayern-Stürmer

Clau­dio Pizarro – bereits mit der zwei­ten Ein­wechs­lung im zwei­ten Spiel nach der Win­ter­pause – hat sei­nen unschätz­ba­ren Wert für den FCB ein­mal mehr unter­stri­chen. Sein Tor zum 1:1 war der Dosen­öff­ner. In klas­si­scher Tor­jä­ger­ma­nier bewies der Perua­ner seine Klasse und köpfte die Flanke unhalt­bar für Ulreich in die Maschen. Aber nicht nur mit sei­nem Tor recht­fer­tigte er seine Ein­wechs­lung. Viel­mehr bewies Pizarro ein­mal mehr seine Viel­sei­tig­keit und sei­nen Spiel­witz. Wäh­rend Mar­cel Reif noch von Dop­pel­spitze und Brech­stange phi­lo­so­phierte, ließ sich Pizarro immer wie­der ins Mit­tel­feld fal­len und diente Thiago und Lahm mehr als Anspiel­sta­tion im Mit­tel­feld und Ball­ver­tei­ler im letz­ten Drit­tel, denn als sture Sturm­spitze die auf Anspiele im Sech­zeh­ner lau­ert. Von dort initi­ierte er bereits vor sei­nem Aus­gleich mit meh­re­ren klu­gen Päs­sen (u.a. Dop­pel­pass mit Thiago vor des­sen Rie­sen­chance zum Aus­gleich) einige gefähr­li­che Szenen.

Claudio Pizarro

Sowohl für die Bay­ern als auch für Wer­der Bre­men schnürrte Pizarro bereits zwei Mal die Fuß­ball­schuhe. Dort gelang im in der Sai­son 99/00 der Durch­bruch.
© kochel86 / flickr.com

Nicht umsonst lobte Meh­met Scholl sei­nen ehe­ma­li­gen Mit­spie­ler in den höchs­ten Tönen. Nicht umsonst genießt Pizarro sowohl unter Guar­diola, als auch zuvor unter Heynckes gro­ßes Anse­hen. Nicht umsonst sieht Kai­ser Franz in Pizarro den Bes­ten aller Bay­ern­stür­mer. Und nicht umsonst führt er die Tor­jä­ger­liste der erfolg­reichs­ten aus­län­di­schen Stür­mer an und ist mitt­ler­weile bis auf Platz 9 der ewi­gen Tor­jä­ger­liste vor­ge­drun­gen. Clau­dio Pizarro ver­eint im Prin­zip alles, was die Trai­ner vom moder­nen Stür­mer ver­lan­gen. Er besitzt ein her­vor­ra­gen­des Spiel­ver­ständ­nis, hat eine gute Über­sicht und auch in brenz­li­gen Situa­tion eine enorme Ball­si­cher­heit. Hinzu kom­men sein aus­ge­präg­ter Tor­rie­cher und seine mitt­ler­weile immense Erfah­rung, mit wel­cher er die Ver­tei­di­ger, wie zuletzt Glad­bachs Oscar Wendt, häu­fig spie­lend leicht alt aus­se­hen lässt.

Nun ist Pizarro aber keine 22 mehr, son­dern stolze 35 Jahre alt. Umso höher sind seine Leis­tun­gen ein­zu­schät­zen, die er in regel­mä­ßi­gen Abstän­den ablie­fert. Die Ver­ant­wort­li­chen beim FCB wis­sen, was sie an dem Spie­ler mit der Num­mer 14 haben. Pizarro ist weit mehr als nur ein Lücken­fül­ler auf der Bank. Er ist der per­fekte Backup für den jewei­li­gen Stamm­stür­mer bei den Bay­ern. Nach einer Ein­wechs­lung braucht er nicht lange um auf Betriebs­tem­pe­ra­tur zu kom­men, wie er gegen den VfB wie­der ein­drucks­voll bewie­sen hat. Zudem weiß Pizarro selbst, dass es natür­lich nicht mehr reicht, um 40–50 Spiele auf Top­ni­veau jede Sai­son abzu­lie­fern. Zu anfäl­lig ist der Kör­per, beson­ders die Mus­ku­la­tur, in den letz­ten Jah­ren gewe­sen. Daher akzep­tiert er ohne grö­ßere Unmuts­be­kun­dun­gen sei­nen Platz auf der Bank und seine Rolle als Stür­mer Num­mer 2, 3 oder sogar 4. Pizarro weiß ob sei­ner Rolle beim FCB, die Geduld und Leis­tung im rich­ti­gen Moment erfor­dert. Ganz im Gegen­satz zu sei­nem aktu­el­len Pen­dant Mandzu­kic. Es ist daher nicht ver­wun­der­lich, dass wie­derum der Kai­ser mit dem Lewan­dow­ski Trans­fer das Ende des Kroa­ten bei Bay­ern sieht ­ – und nicht das Ende von Pizarro. Des­sen Ver­trag läuft zum Ende der Sai­son aus. Der Stür­mer würde sei­nen Ver­trag gerne ver­län­gern. Der FCB wäre gut bera­ten die­sem Wunsch nachzukommen.





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