Neues von der Resterampe: Der beste Mittelfeldspieler der Welt


veröffentlicht am Mittwoch, 16. Januar 2013 16:01, von unserem Autor Christian Eck in Schlenzer des Tages - Fußballer und Tore. null Kommentare

Knapp ein hal­bes Jahr ist es nun her. Wir schrei­ben den 19.05.2012. Roman Abra­mo­witsch hat end­lich sein lang­er­sehn­tes Baby im Vitri­nen­schrank und der FC Chel­sea ist der Nabel der west­li­chen Fuß­ball­welt. Und mit­ten­drin Frank Lam­pard, den Pokal in den Hän­den und end­lich am Ziel sei­ner Träume ange­kom­men. Als Kapi­tän führte er wenige Minu­ten zuvor seine Mann­schaft, den FC Chel­sea, gegen den FC Bay­ern Mün­chen in einem dra­ma­ti­schen Finale zum ers­ten Champions-League-Sieg in der His­to­rie des Lon­do­ner  Millionenclubs.

Knapp ein hal­bes Jahr ist es nun her. Roman Abra­mo­witsch hat im Som­mer erneut die Geld­scha­tulle geöff­net. Die Mann­schaft sei zu alt und nach dem Champions-League-Sieg müsse nun ein Umbruch her, so der all­ge­meine Tenor aus Lon­don. Spe­zi­ell das Mit­tel­feld wird gene­ral­über­holt. Weg von der kämp­fen­den Alt­her­ren­mann­schaft hin zur schön­spie­len­den Jung­spund­truppe. Final­held Didier Drogba wird ablö­se­frei nach China ver­schifft, José Bosingwa gleich­falls ablö­se­frei, zieht es zu den Queens Park Ran­gers. Raul Mei­re­les geht für stolze 10 Mil­lio­nen in die Tür­kei und Michael Essien wird nach Madrid ver­lie­hen. Es wird Platz geschaf­fen im Kader, für neue, junge und vor allem hung­rige Pro­fis. Diese wur­den dann auch in Per­son von Eden Hazard, Oscar, Cesar Azpi­li­cueta, Vic­tor Moses und auch Marko Marin ver­pflich­tet. Am Ende ste­hen 25 Mil­lio­nen Trans­fer­ein­nah­men sage und schreibe 115 Mil­lio­nen Trans­fer­aus­ga­ben entgegen.

Frank Lampard Chelsea London

Frank Lam­pard. Der große Füh­rungs­spie­ler von Chel­sea Lon­don. Foto: Ryu Sha / toks­uede auf flickr.com

Viel­ver­spre­chen­der Saisonstart

Die jun­gen Wil­den hei­zen zu Beginn der Sai­son den Geg­nern rich­tig ein, fegen alles vom Platz und der unter André Villas-Boas noch geschei­terte Umbruch scheint nun mit Ver­zö­ge­rung geglückt. Selbst Fer­nando Tor­res scheint das Fuß­ball­spie­len wie­der für sich ent­deckt zu haben. Wie es aber so häu­fig der Fall ist, unter­lie­gen junge Spie­ler Schwan­kun­gen und kön­nen nicht immer ihre Leis­tun­gen bestä­ti­gen. Roberto Di Mat­teo muss früh sei­nen Hut neh­men. Raffa Beni­tez über­nimmt das Zep­ter, wenn auch nur über­gangs­weise. Didier Drogba sollte wie­der zurück­keh­ren und Legende Frank Lam­pard führt das Team zurück in die Spur.

Keine Zukunft für Frank Lampard

Dabei ist des­sen Abschied eigent­lich seit Wochen beschlos­sene Sache. Mit 34 Jah­ren zu alt, zu lang­sam und vor allem zu teuer. Frank Lam­pard wird nach die­ser Sai­son kei­nen neuen Ver­trag mehr erhal­ten. Er sei über sei­nen Zenit lange hin­aus. Nicht nur ein­ge­fleisch­ten Chelsea-Fans stößt diese Mel­dung bit­ter auf. Frank Lam­pard ist der Mis­ter Chel­sea schlecht­hin. 2001 für 16 Mil­lio­nen Euro an die Stam­ford Bridge gewech­selt stand er gemein­sam mit sei­nem Kum­pel John Terry für die erfolg­reichste Zeit des Ver­eins. Stets loyal und auf­op­fe­rungs­voll ord­nete er alles sei­ner gro­ßen Liebe unter. Auch jetzt, wo ihm ein unwür­di­ger Abschied droht, lässt er nicht die Zügel schlei­fen. Ganz im Gegen­teil: 7 Tore ste­hen diese Sai­son bei nur 13 Liga­ein­sät­zen zu Buche. Für einen Mit­tel­feld­spie­ler ein Top­wert, der zeigt, dass Lam­pard nichts von sei­ner Tor­ge­fähr­lich­keit ein­ge­büßt hat. Er mag nicht mehr so schnell sein wie vor eini­gen Jah­ren, und auch nicht mehr so sprit­zig. Dafür kann er aber einen Erfah­rungs­schatz in die Waag­schale wer­fen, von denen viele sei­ner Team­kol­le­gen nur träu­men kön­nen. Wett­be­werbs­über­grei­fend bestritt der Mit­tel­feld­spie­ler 26 Spiele diese Sai­son. Davon ver­lor die jewei­lige Mann­schaft (Eng­land oder Chel­sea) nur sechs Stück. In der Pre­mier­lea­gue ver­lor Chel­sea diese Sai­son vier Spiele, in fünf Par­tien trenn­ten sich die Lon­do­ner unent­schie­den. Frank Lam­pard absol­vierte davon jeweils ein Spiel. Bei 13 Liga­ein­sät­zen macht das ins­ge­samt 11 Siege, ein Unent­schie­den und eine Nie­der­lage mit lamperd‘scher Betei­li­gung. Eine beein­dru­ckende Bilanz für einen Spie­ler, des­sen Leis­tun­gen nicht mehr den höchs­ten Ansprü­chen genü­gen sollen.

Ein unwür­di­ger Abschied

Zu gerne würde er sei­nen Kon­trakt bei den Blues ver­län­gern. Es wird aber keine Zukunft mehr für ihn bei Chel­sea geben. Beson­ders auf­grund der aktu­ell her­vor­ra­gen­den Leis­tun­gen schüt­telt dar­über die halbe Fuß­ball­welt den Kopf. Aber Roman Abra­mo­witsch möchte Chel­sea zum blauen Bar­ce­lona umbauen. Schnelle, kleine Dribb­ler sind die Zukunft. Da ist kein Platz mehr für die alt­ge­dien­ten Pro­fis. Auch ein Ver­bleib in Lon­don ist unwahr­schein­lich. Ein Wech­sel zu einem Stadt­ri­va­len würde sich Frank Lam­pard selbst wohl nie ver­zei­hen. Es spricht aber für Frank Lam­pard, dass er die Undank­bar­keit sei­nes lang­jäh­ri­gen Arbeit­ge­bers nicht zu einem media­len Rosen­krieg ver­kom­men lässt. Die­sen unwür­di­gen Abschied hat er nach all den Jah­ren wahr­lich nicht ver­dient. Es ist tat­säch­lich sehr bedau­erns­wert, wie der FC Chel­sea mit sei­nen ver­dien­ten Spie­lern umgeht. Aber eigent­lich auch nur eine logi­sche Kon­se­quenz in einem Ver­ein, der zum Spiel­ball eines lau­ni­schen Öl-Oligarchen ver­kom­men ist.

Frank Lam­pard fixiert sich auf sein Spiel, gibt alles für sei­nen Ver­ein und sieht dann zu, wie es für ihn wei­ter­geht. Aber eines ist sicher: Das Feuer brennt noch immer in ihm. Im Gegen­satz zu sei­nen Ex-Mannschaftskollegen Nico­las Anelka und Didier Drogba ver­zich­tet er auf das große Geld in China und möchte wei­ter­hin mög­lichst auf inter­na­tio­na­lem Top­ni­veau spie­len. Dass Frank Lam­pard immer noch das Zeug dazu hat, beweist er momen­tan Woche für Woche. Und auch die täg­li­chen Trans­fer­ge­rüchte um seine Per­son zei­gen die Wert­schät­zung für den Spie­ler. Juven­tus Turin, Man­ches­ter United und auch Los Ange­les Galaxy sind an einer Ver­pflich­tung inter­es­siert. Es wäre auch sträf­lich, nicht über einen ablö­se­freien Frank Lam­pard nach­zu­den­ken. Und dass 34 Jahre nicht das Ende der Höchst­leis­tun­gen sein müs­sen, bewie­sen bereits zuvor Ryan Giggs und Paul Scholes.

Kein Happy-End an der Stam­ford Bridge

Um seine Zukunft muss sich Frank Lam­pard also keine Sor­gen machen. Das ein­zige Pro­blem dabei: Eigent­lich will er sich auch gar keine machen müs­sen. Ein Happy-End wird es aber kei­nes geben. Weder für Lam­pard, noch für Chel­sea, wo er ein Füh­rungs­spie­ler­va­kuum hin­ter­las­sen wird. Ein­zi­ger Gewin­ner wird der auf­neh­mende Ver­ein sein. Die­ser kann sich dann über den (sta­tis­tisch) bes­ten Mit­tel­feld­spie­ler einer gan­zen Gene­ra­tion freuen.  Mei­nen Glück­wunsch hierzu. Zum Abschluss bleibt mir nur übrig, Frank Lam­pard das Beste für die Zukunft zu wün­schen. Es sei ihm gegönnt.

 





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