Zurück zum Start — Neuanfang beim FCK


veröffentlicht am Freitag, 7. Juni 2013 11:27, von unserem Autor Christian Eck in Rund um den Ball. null Kommentare

Der 1. FC Kai­sers­lau­tern hat den direk­ten Wie­der­auf­stieg ver­passt. Aber ehr­lich gesagt, waren die bei­den Rele­ga­ti­ons­spiele nur der pas­sende Abschluss für eine Sai­son, die geprägt war von schwan­ken­den Leis­tun­gen der Mann­schaft. Geprägt von emo­tio­na­len und spie­le­ri­schen Höhe­punk­ten wie dem über­ra­gen­den Heim­sieg gegen den direk­ten Ver­fol­ger aus Köln. Aber auch von letzt­lich pein­li­chen Auf­trit­ten wie dem 1:1 am 29. Spiel­tag trotz dop­pel­ter Über­zahl gegen Erz­ge­birge Aue.

Das gro­ßes Ziel: direk­ter Wiederaufstieg

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Sollte als neuer Trai­ner direkt die Mis­sion Wie­der­auf­stieg per­fekt machen: Franco Foda. © steindy / commons.wikimedia.org

Dabei war die Marsch­route vor der Sai­son klar. Wie nach einem Abstieg üblich, wurde die Mann­schaft auf etli­chen Posi­tio­nen ver­än­dert. Die Ein­kaufs­po­li­tik des Ver­eins gab aber eine klare Rich­tung an: der direkte Wie­der­auf­stieg war die Vor­gabe für Neu­trai­ner Franco Foda und sein Team. Mit Marc Tor­re­jon kam ein gestan­de­ner Abwehr­spie­ler aus Santan­der, der den Abgang von Rod­nei schnell ver­ges­sen machen sollte. Mit Albert Bun­jaku und Moha­ma­dou Idris­sou wurde das wohl erfah­renste und auch tor­ge­fähr­lichste Sturm­duo der zwei­ten Liga ver­pflich­tet, das von Alex­an­der Baum­jo­hann mit Traum­päs­sen gefüt­tert wer­den sollte. Dazu tra­ten viel­ver­spre­chende Talente wie Hendrick Zuck, Willy Orban, Ste­ven Zell­ner oder Domi­ni­que Heintz nach und nach ins Ram­pen­licht. Dazu wurde im Kader ordent­lich auf­ge­räumt und etli­che – sport­lich wert­lo­sere – Spie­ler an andere Ver­eine aus­ge­lie­hen oder ver­kauft. Ste­fan Kuntz hatte seine Arbeit getan. Der Kader schien gut genug auf­ge­stellt, um die Mis­sion Wie­der­auf­stieg zu errei­chen. Eine gesunde Mischung aus Erfah­rung, Jugend und Talent. Dazu noch die Auf­stiegs­ga­ran­tie Idris­sou im Kader.

Nach einer zumeist spie­le­risch schwa­chen Hin­runde belegte der FCK den drit­ten Platz. Braun­schweig und Her­tha waren noch in Reich­weite. 4 Punkte betrug der Vor­sprung auf Platz 4. Ste­fan Kuntz aber ahnte wohl bereits, dass es in der Rück­runde noch ein­mal sehr eng wer­den würde und wollte unbe­dingt einen direk­ten Auf­stiegs­platz errei­chen. Also wurde noch ein­mal kräf­tig nach­ge­bes­sert. Mit­chel Weis­ser sollte den Abgang von Zuck adäquat erset­zen. Hof­fer, Köh­ler und Löwe brach­ten wei­tere Bun­des­li­ga­er­fah­rung in den Kader. Vor allem die bei­den erst­ge­nann­ten sind nicht gerade als Per­spek­tiv­trans­fers anzu­se­hen. Ins­ge­samt wurde noch ein­mal mehr als 1 Mil­lion Euro inves­tiert. Trotz­dem wurde das Spiel der Mann­schaft nicht krea­ti­ver. Meist war es die indi­vi­du­elle Klasse Baum­jo­hanns, die für Tor­ge­fahr sorgte. Die Waffe Idris­sou machte zwar zuver­läs­sig seine Tore, ent­puppte sich aber zugleich auch als große Schwä­che des FCKs. Beson­ders auf­fäl­lig wurde dies dann in den ent­schei­den­den Rele­ga­ti­ons­spie­len gegen die TSG Hof­fen­heim. Das Mit­tel der Wahl zum Spiel­auf­bau war stets der lange Ball auf ihren Stoß­stür­mer, der schon irgend­was mit dem Ball anfan­gen wird. Was in der zwei­ten Liga häu­fig noch mit Erfolg gekrönt war, ver­puffte gegen die Hünen Ves­ter­gaard und Abra­ham in der Hof­fen­hei­mer Abwehr oder an der Abseits­re­gel wirkungslos.

Feh­lende Spiel­idee als große Schwäche

Es war zum Haare rau­fen. Alle spie­le­ri­schen Ele­mente, die von die­ser Linie abwi­chen, lie­fen dabei stets über Baum­jo­hann, der ins­be­son­dere in der zwei­ten Halb­zeit des Rück­spiels die Mann­schaft spie­le­risch trug. Letzt­end­lich muss man aber ein­ge­ste­hen, dass der FCK dem Anspruch einer Bun­des­li­ga­mann­schaft vom Spiel­auf­bau und der Spiel­idee in kei­nem der bei­den Spiele gerecht wurde. Dies erkann­ten wohl auch die meis­ten der treuen Fans, die zwar ent­täuscht, aber kei­nes­wegs erbost auf den ver­pass­ten Auf­stieg rea­gier­ten. Ganz im Gegen­teil: Wie­der ein­mal wur­den sie ihrem Ruf gerecht und sorg­ten für einen unver­gess­li­chen Mythos-Betzenberg-Moment mit Gän­se­h­aut­ga­ran­tie. Diese Vor­stel­lung war defi­ni­tiv erstklassig!

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Kein Bock mehr auf 2.Liga. Alex­an­der Baum­jo­hann zieht es zur Her­tha aus Ber­lin. © DerHans04 / commons.wikipedia.org

Die ver­gan­gene Sai­son müs­sen nun aber  alle Spie­ler und Ver­ant­wort­li­chen mög­lichst schnell abha­ken. Denn bereits jetzt zeigt sich die nega­tive Seite der Trans­fer­po­li­tik von zu Beginn der Sai­son. Durch den ver­pass­ten Wie­der­auf­stieg wer­den wie­der einige Spie­ler den Ver­ein ver­las­sen. Mit dem Wech­sel zur Her­tha hat mit Alex­an­der Baum­jo­hann der wich­tigste Mann dies bereits getan, da sein Ver­trag ohne­hin nur noch für die erste Liga gegol­ten hätte. Ähn­li­ches droht dem FCK bei Idris­sou, der auch mit einem Trans­fer lieb­äu­gelt. Dazu kom­men die Lei­hen von Wei­ser und Hof­fer, die wie­der zu ihren Ver­ei­nen zurück­keh­ren. Was mit Albert Bun­jaku pas­siert ist auch noch nicht sicher. Und in Zei­ten des Jugend­wahns ist es nicht aus­zu­schlie­ßen, dass die viel­ver­spre­chen­den Talente aus der FCK-Schule auch bald dem Ruf der Erst­klas­sig­keit folgen.

Neu­aus­rich­tung für 2013/14

Der FCK ver­liert mit Baum­jo­hann das Herz sei­nes Spiels. Sollte sich Idris­sou auch für einen Wech­sel ent­schei­den, ver­liert der FCK fast seine ganze Offen­siv­kraft. Ste­fan Kuntz steht also wie­der vor einem Neu­an­fang. Erneut zurück zum Start heißt es. Gehen sie zurück auf Los. Zie­hen sie keine Bun­des­li­ga­prä­mien ein. Bleibt die Frage, wel­chen Weg der Ver­ein nun ein­schlägt. Finan­zi­ell kann der FCK eine wei­tere Sai­son in der zwei­ten Liga ver­kraf­ten. Wird nun aber ver­sucht, mit aller Gewalt auf­zu­stei­gen und ent­spre­chend teure und gestan­dene Spie­ler ein­ge­kauft? Oder ver­sucht man punk­tu­elle Ver­bes­se­run­gen zu set­zen, die jun­gen Spie­ler wei­ter zu för­dern und die Mann­schaft vor allem spie­le­risch nach vorne zu brin­gen? Und was geschieht mit den etli­chen Rück­keh­rern wie Itay Schech­ter oder Leon Jes­sen? Der FCK hat noch einen lan­gen Weg bis zur Erst­klas­sig­keit vor sich. Es bleibt abzu­war­ten, in wel­che Rich­tung er  in Zukunft gehen wird. Ins­be­son­dere im spie­le­ri­schen Bereich muss der Ver­ein in der nächs­ten Sai­son zule­gen, will er nicht wie­der am Ende mit lee­ren Hän­den da ste­hen. Dass die­ser Ver­ein in die Bun­des­liga gehört, sollte jedem klar sein. Jedoch braucht es hier­für lei­der mehr als treue Fans, Tra­di­tion und Lei­den­schaft. Denn über Abstieg oder Auf­stieg ent­schei­den immer noch die elf Spie­ler auf dem Platz. Deut­li­cher konn­ten dies die Rele­ga­ti­ons­spiele gegen die Retort­en­truppe aus Hof­fen­heim nicht zeigen.





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