Wohin des Weges, Pep Guardiola?


veröffentlicht am Montag, 14. Januar 2013 12:09, von unserem Autor Marc Andruszko in Rund um den Ball. null Kommentare

Pep Guar­diola, der zur­zeit gefrag­teste Mann für die luxu­riö­sen Trai­ner­stühle die­ser Welt, lässt sich nur schwer in die Kar­ten bli­cken. Es scheint so, als könne er selbst ent­schei­den, an wel­cher Sei­ten­li­nie er bald seine Anwei­sun­gen geben wird, als halte er selbst das ent­schei­dende Ass in der Hand.

Er war der Kon­zert­meis­ter des FC Bar­ce­lona und diri­gierte die Mann­schaft mit Fuß­ball vom ande­ren Stern zu Titeln en Masse. Kein ande­rer Trai­ner der Fuß­ball­welt steht für einen solch domi­nie­ren­den und gleich­zei­tig ästhe­ti­schen Fuß­ball wie Guar­diola. Sein Name ist untrenn­bar mit der Gene­ra­tion Messi-Iniesta-Xavi ver­bun­den, obwohl deren Bril­lanz nicht allein auf den Anwei­sun­gen von Guar­diola beruht, son­dern auf der ein­zig­ar­ti­gen Kon­zep­taus­bil­dung von La Masia, der heute berühm­tes­ten Fuß­ball­schule der Welt.

Auch wenn Lio­nel Messi das Fuß­ball­spie­len sicher nicht erst unter Pep Guar­diola erlernte, ist gewiss, dass er von Guar­dio­las Ver­bis­sen­heit, das Sys­tem Barca mit sei­nem Kurz­pass­spiel bis zur Besin­nungs­lo­sig­keit durch­zu­set­zen, pro­fi­tierte. Peps Name ist untrenn­bar mit der heu­ti­gen Iden­ti­tät des FC Bar­ce­lona ver­bun­den. Die Beru­fung des Assis­tenz­trai­ners Tito Vil­a­nova zum Nach­fol­ger zeigte, wie groß der Respekt vor Guar­dio­las Arbeit im Ver­ein selbst ist. Das Sys­tem lebt auch nach sei­nem Abgang wei­ter und Vil­a­no­vas Auf­gabe scheint es zu sein, das Ver­mächt­nis von Pep wei­ter­zu­füh­ren. Dabei sind unter Vil­a­nova bereits inter­es­sante tak­ti­sche Anpas­sun­gen als Reak­tion auf die Pro­bleme der letzt­jäh­ri­gen Champions-League-Endphase zu erken­nen, die in Zukunft noch genauer unter die Lupe zu neh­men sein werden.

Zurück zu Pep. Wo wird er wohl seine Zelte auf­schla­gen? Ver­eine, die sich anbie­dern und sich einen Trai­ner wie ihn wün­schen, gibt es einige. Es sind die­je­ni­gen, denen es mög­lich ist, ein Trai­ner­ge­halt von 20 Mil­lio­nen Euro pro Jahr zu stem­men. Guar­diola dürfte mit sei­nem exor­bi­tan­ten Gehalt bald auf einer Stufe mit Jose Mourinho ste­hen, wenn nicht sogar noch eine über jenem. Guar­diola jedoch steht nicht für große Kon­flikte außer­halb des Plat­zes. An ihm schei­den sich die Geis­ter nicht, anders als an “the spe­cial one. Damit dürfte er bei eini­gen Prä­si­den­ten hoch im Kurs ste­hen. Nichts­des­to­trotz wird es span­nend, ob es ihm mög­lich ist, sei­nen gran­dio­sen Erfolg mit Barca auch an ande­rer Stelle in ähn­li­cher Form zu wie­der­ho­len, ganz ohne die Achse Messi-Xavi-Iniesta. Wel­che Ver­eine wür­den Pep mit Kuss­hand neh­men und kön­nen ihn bezah­len? Hier eine Aus­wahl und die Vor– und Nach­teile für Guardiola:

Man­ches­ter City

Zur­zeit laut eng­li­scher Presse der hei­ßeste Anwärter.

Vor­teil: Geld spielt keine Rolle, der Scheich wird Pep hofie­ren und alles dafür tun, ihm sei­nen Wunsch­ka­der zur Ver­fü­gung zu stel­len. Auch wird Guar­diola ohne Pro­bleme einen kom­plet­ten Trai­ner­stab instal­lie­ren kön­nen und wenig bis gar kei­nen Gegen­wind bekom­men. Er ver­bringt sein Sab­bat­jahr in New York und dürfte daher flie­ßend Eng­lisch spre­chen. Aus Spa­nien ist er die schwie­rige Presse gewohnt und wird sicher­lich auch mit der Yel­low Press Eng­lands umzu­ge­hen wissen.

Nach­teil: Man­ches­ter City erfreut sich kei­ner gro­ßen Beliebt­heit in der Fuß­ball­welt, gerade wegen der Maß­lo­sig­keit der Inves­to­ren. Pep braucht eine Stange Geld, um sich sei­nen Kader zusam­men­zu­stel­len aber es ist frag­lich, ob er sich mit Man­City iden­ti­fi­zie­ren will und kann. Zudem wird die spie­le­ri­sche Fall­höhe vom Tiki-Taka der spa­ni­schen Pre­mera Divi­sion zur robus­ten und kampf­be­ton­ten eng­li­schen Pre­mier Lea­gue rela­tiv hoch und es ist noch unge­wiss, ob ein Sys­tem Pep in die­ser Liga wirk­lich Sinn macht und umsetz­bar ist.

Chel­sea London

Pep Guar­diola scheint ein Ange­bot von Chel­sea bereits kon­kret vor­zu­lie­gen. Die Medien rufen in die­sem Zusam­men­hang astro­no­mi­sche Sum­men auf.

Vor­teil: Geld spielt wie­derum keine Rolle. Chel­sea Lon­don wird trotz der finan­zi­el­len Ein-Mann-Leitung von Roman Abro­mo­witsch eher als Tra­di­ti­ons­ver­ein rezi­piert als Man­ches­ter City. Außer­dem hat man bereits bewie­sen, dass man große Titel gewin­nen kann. Letz­tes Jahr schal­tete man den FC Bar­ce­lona aus. Geg­ne­ri­scher Trai­ner war Pep Guar­diola. Er dürfte beein­druckt von der Leis­tung Chel­seas gewe­sen sein. Des Wei­te­ren ist Lon­don eine Welt­stadt und es wird sich dort gut von dem Geld mit der Fami­lie leben las­sen. Eine sehr gute Atmo­sphäre im Sta­dion und meh­rere Stadt­der­bys sind garantiert.

Nach­teil: Kein ande­rer Ver­ein hat einen höhe­ren Trai­ner­ver­schleiß. Der Kader müsste für Peps Spiel­phi­lo­so­phie kom­plett neu zusam­men­ge­stellt wer­den. Chel­sea spielt einen robus­ten Fuß­ball und hat immer noch viele abge­zockte Spie­ler im Kader, die aber nicht über das Tempo und die Tech­nik ver­fü­gen, die Pep sehen will.

Man­ches­ter United

Auch United könnte wohl irgend­wie einen Guardiola-Deal stemmen.

Vor­teil: Man­ches­ter United ist für Kon­ti­nui­tät bekannt. Fer­guson hat eine ganze Epo­che geprägt und man ließe Pep sicher in Ruhe sein Kon­zept aufziehen.

Nach­teil: Das Ver­mächt­nis von Fer­guson könnte gleich­zei­tig zum Nach­teil Guar­dio­las wer­den. Irgend­wann wird man ihn an Erfol­gen mes­sen müs­sen, genau wie jeden ande­ren Trai­ner auch. Und Fer­gies Erfolge sind zahl­reich und es ist nicht selbst­ver­ständ­lich die­sen Nim­bus zu kna­cken, für kei­nen Trai­ner die­ser Welt. ManU hat einige hoch­be­zahlte Ange­stellte in ihren Rei­hen aber mit der schier gren­zen­lo­sen Finanz­kraft des Bran­chen­pri­mus Man­ches­ter City kann es nicht mit­hal­ten. Ebenso wirt­schaf­tet Bay­ern Mün­chen viel soli­der und würde mehr Wün­sche von Guar­diola erfül­len können.

Pep Guardiola FC Barcelona Manchester Unites

Man­ches­ter United hat wohl eher eine Außen­sei­ter­rolle im Ren­nen um Guar­diola. Foto: Ben Kel­ler / DC Sports Box

AC Mai­land

Was würde Ber­lus­coni nicht alles für Pep tun? Eine Villa am Comer See scheint schon für ihn reser­viert und man kann sich sicher sein, dass auch viele andere welt­li­che Wün­sche erfüllt wer­den, sollte sei­tens Guar­diola Inter­esse bestehen.

Vor­teil: In der Serie A wird Kom­bi­na­ti­ons­fuß­ball gespielt – wenn auch nicht auf dem glei­chen  Niveau wie in der Bun­des­liga oder Pre­mera Divi­sion. Pep könnte aber durch­aus auf seine Spiel­phi­lo­so­phie set­zen. Diese wäre mit der ita­lie­ni­schen Liga kom­pa­ti­bel und er könnte mit dem AC eine neue Ära prä­gen. Mai­land besitzt mit dem Milan Lab die ange­se­henste sport­me­di­zi­ni­sche Ein­rich­tung im Pro­fi­fuß­ball. Davon könnte Pep profitieren.

Nach­teil: Die Serie A befin­det sich seit eini­gen Jah­ren auf dem abstei­gen­den Ast. Inter­na­tio­nal haben die ita­lie­ni­schen Mann­schaf­ten nicht mehr die Klasse frü­he­rer Jahre. Außer­dem sind die Sta­dien nicht beson­ders gut gefüllt und neu­er­dings gibt es Dis­kus­sio­nen wegen dem Rassismus-Skandal. Alles nicht unbe­dingt Bedin­gun­gen, die ein Enga­ge­ment sport­lich inter­es­sant machen.

FC Bay­ern München

Hört Heynckes auf oder hört er nicht auf? Das scheint der­zeit die ent­schei­dende Frage. Doch ist sicher, dass die Bay­ern zumin­dest „Ideen“ mit einem von Guar­dio­las zahl­rei­chen Lega­ten aus­tau­schen, die Pep in ganz Fuß­ball­eu­ropa vertreten.

Vor­teil: Der FC Bay­ern ist der am soli­des­ten wirt­schaf­tende Spit­zen­ver­ein der Welt. Die finan­zi­el­len Wün­sche von Guar­diola sind erfüll­bar, auch Spie­ler könn­ten ohne Pro­bleme ver­pflich­tet wer­den. Man würde sich wohl auch auf wei­tere Wün­sche Peps, sei es betref­fend Trai­ner­stab, Orga­ni­sa­tion oder Scou­ting ein­las­sen. Außer­dem ist der Kader der Bay­ern bereits extrem gut besetzt und besitzt die spie­le­ri­schen Anla­gen auf deren Grund­lage Pep seine Spiel­phi­lo­so­phie rela­tiv schnell umset­zen könnte. Nir­gendwo hat sich die spie­le­ri­sche Klasse in den letz­ten Jah­ren schnel­ler ent­wi­ckelt als in der Bun­des­liga. Längst hat man die Pre­mier Lea­gue und die Serie A hin­ter sich gelas­sen und ist min­des­tens so stark wie die Pre­mera Divi­sion. Zumin­dest ist die Bun­des­liga viel aus­ge­gli­che­ner und span­nen­der, strotzt vor vol­len Sta­dien, emo­tio­na­len Fans und packen­den Duellen.

Nach­teil: Bereits van Gaal und Klins­mann waren Kon­zept­trai­ner. Van Gaal im taktisch-spielerischen Bereich, Klins­mann mehr im orga­ni­sa­to­ri­schen und men­ta­len Bereich. Jeden­falls hat­ten beide ihre Ste­cken­pferde und nut­zen sich bei den Bay­ern ab, da sie nicht bereit waren Kom­pro­misse ein­zu­ge­hen und somit auf inter­nen Gegen­wind stie­ßen. Es könnte mög­lich sein, dass Pep keine Lust dar­auf hat, seine Hand­lun­gen zu recht­fer­ti­gen son­dern größt­mög­li­che Frei­heit will. Es wäre span­nend, ob er diese bei den Bay­ern bekäme.

 

 





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