Winterschlussverkauf – Die letzten Transfers im Überblick II


veröffentlicht am Sonntag, 3. Februar 2013 18:49, von unserem Autor Christian Eck in Strikte Satire.

Im ers­ten Teil gab’s ges­tern bereits die “Blockbuster”-Deals im inter­na­tio­na­len Fuß­ball­zir­kus. Heute gehts wei­ter mit weni­ger spek­ta­ku­lä­ren, aber nicht unbe­gingt weni­ger wich­ti­gen Trans­fers. Den Anfang macht die gute alte Bundesliga.

Lewis Holtby, 22 Jahre
Von Schalke 04 zu Tot­ten­ham Hot­spours — Ablöse: 1.75 Mil­lio­nen

Michel Bastos, 29 Jahre
Von Olym­pi­que Lyon zu Schalke 04 — Ablöse: 2 Mil­lio­nen (Leihe)

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Da grü­belt aber einer: “Schnäpp­chen des Jahr­hun­derts? So bil­lig bin ich doch gar nicht.” (© xtranews.de / flickr.com)

Nun is‘ er also doch schon weg, der gute Lewis. Dabei hieß es vor gut 3 Wochen noch, er wech­selt nie nie nie­mals, so zumin­dest die Leier von Herrn Heldt. Nun gut, jetzt ist er eben das Schnäpp­chen des Jahr­hun­derts gewor­den. Wenn wir dann aber schon bei den Super­la­ti­ven sind, dann ist Shinji Kagawa wohl das Schnäpp­chen des Jahr­tau­sends gewe­sen (wobei…das ist ja irgend­wie das Glei­che). Als Ersatz leiht sich Schalke direkt Michel Bastos von Lyon aus. Vor eini­gen Jah­ren wurde die­ser auch bei den Bay­ern als Neu­zu­gang gehan­delt. Die Beto­nung liegt  auf “vor eini­gen Jah­ren”. Mitt­ler­weile ist Bastos auch Ende 20 und hat den Sta­tus “viel­spre­chen­des Talent” bereits lange hin­ter sich gelas­sen. Erfah­run­gen aus Champions-League und Selecao bringt er dafür zu genüge mit. Ob er aber Holtby erset­zen kann und ob die 1.75 Mil­lio­nen + Gehalt­ein­spa­rung für Holtby den vor­zei­ti­gen sport­li­chen Ver­lust wert sind — ich wage es, trotz Bastos“ spek­ta­ku­lä­ren Ein­stands­tor, zu bezwei­feln. Aber Jens Kel­ler hat mit Sicher­heit noch ein Ass im Ärmel. Go Jens, we believe!

Chris­to­pher Samba, 28 Jahre
Von Anzhi Mak­hach­kala zu Queens Park Ran­gers — Ablöse: 15 Millionen

Eigent­lich der Summe wegen ein ech­ter Block­bus­ter. Aber sind wir mal ehr­lich. Chris­to­pher Samba als Top­trans­fer zu dekla­rie­ren, das wäre wie wenn man Gerald Asa­moah als Top­tor­jä­ger ein­stuft. Immer­hin wis­sen wir jetzt, dass Anzhi auch Trans­fer­ge­winne erwirt­schaf­ten kann. Die ein­fa­che Rech­nung: Kaufe Samba für 14 und ver­kaufe ihn für 15 Mil­lio­nen – macht 1 Mil­lion Gewinn. Die wurde dann gleich in Wil­lian reinves­tiert. QPR erhält für die 15 Mil­lio­nen aber auch einen Per­spek­tiv­spie­ler ers­ter Güte. Und Samba, war da nicht mal was? Genau, 2007 ver­ab­schie­dete er sich aus der Bun­des­liga. Für schlappe 500.000 ging er von der Her­tha aus Ber­lin nach Black­burn. Das ist mal eine Wert­ent­wick­lung, da könnte sich manch ein Ban­ker eine Scheibe davon abschnei­den. Für Queens Park ist das nach Loic Remy der zweite mil­lio­nen­schwere Win­ter­neu­zu­gang. Wohl dem, der einen Inves­tor hat!

Franca, 21 Jahre
Von Esporte Club Noroeste zu Han­no­ver 96 — Ablöse: 1,3 Millionen

Der Trans­fer war bereits vor der hei­ßen Trans­fer­phase bekannt. Trotz­dem komme ich nicht drum­herum. Zu gut ist die Geschichte. Zur Aus­gangs­lage: Han­no­ver sucht einen kör­per­lich robus­ten, tech­nisch star­ken defen­si­ven Mit­tel­feld­spie­ler, der einen Gegen­part zu Schmie­de­bach und Pinto bil­det und den ver­letz­ten Andrea­sen ersetzt. Per Videoscou­ting waren sich alle Betei­lig­ten einig — Franca ist der Mann den wir such­ten. 1,90 Meter groß, robust und tech­nisch ver­siert. Dumm nur, dass Mirko Slomka auf ein­mal einem Spie­ler gegen­über­stand, den er um einen Kopf über­ragte. 1,81 Meter ist dann doch nur die Kampf­größe des guten Fran­cas. Zu allem Über­fluss hat sich der Neu­zu­gang im ers­ten Test­spiel dann gleich­mal noch die Bän­der und den Menis­kus im Knie ver­letzt. Wenn’s dumm läuft, dann eben so rich­tig. Eine Lehre wurde dar­aus gezo­gen: Das Videoscou­ting wird in Han­no­ver vor­erst ein­ge­stellt. Na, immerhin.

Des Wei­te­ren ver­lässt Zdravko Kuz­ma­no­vic die Bun­des­liga und ver­ab­schie­det sich wie­der Rich­tung Bella Ita­lia. Hin­sicht­lich sei­nes aus­lau­fen­den Ver­trags durch­aus ein sinn­vol­ler Trans­fer vom VfB. Das Geld wird auch gleich reinves­tiert und mit Alex­an­dru Maxim ein rumä­ni­scher Mit­tel­feld­dribb­ler ver­pflich­tet. Klingt erst­mal unbe­kannt, hat aber frü­her mal die Schuhe für die Jugend von Espan­yol Bar­ce­lona geschnürt. Viel­leicht wirds ja ein Tref­fer. Bei der Ablö­se­summe von 1.5 Mil­lio­nen hält sich das Risiko auch in Gren­zen. Nicht uner­wähnt blei­ben darf der Trans­fer von Mo Sis­soko. Die­ser ver­lässt das schöne Paris um Platz für den noch schö­ne­ren David zu machen und wech­selt auf Leih­ba­sis nach Flo­renz. Guter Deal, immer­hin war er mal Teil des bes­ten Mit­tel­felds der Welt!

Ansons­ten läs­tern Michel Pla­tini und Arsene Wen­ger über die Win­ter­trans­fer­pe­riode. Wett­be­werbs­ver­zer­rung und die Aus­maße wären ohne­hin nicht mehr nach­voll­zieh­bar. Dies hin­dert den fei­nen Herrn Wen­ger aber nicht daran, schnell für 10 Mil­lio­nen den Links­ver­tei­di­ger Nacho Mon­real vom FC Málaga los­zu­ei­sen. Arse­nal darf das ja, nur die ande­ren, die mit den Inves­to­ren und so, die sind die Bösen. Alles klar Arsene, alles klar.

Aber so eine Trans­fer­phase bringt natür­lich auch immer aller­lei Ver­wir­run­gen mit sich. Gerade wenn es heiß her­geht und jede Minute zählt. Nur zu gern erin­nern wir uns an defekte Fax­ge­räte und Kon­sor­ten. Und auch die­sen Win­ter waren wie­der aller­lei Kuriose Geschich­ten mit dabei.

Begin­nen wir bei der Bau­stelle Num­mer 1 in der Bun­des­liga, der TSG aus Hof­fen­heim. Dort ist es wohl mitt­ler­weile Tra­di­tion, min­des­tens 2 Spie­ler pro Sai­son zu sus­pen­die­ren und wie­der zu begna­di­gen und umge­kehrt und tra­lalala. So wurde auch diese Sai­son wie­der ver­sucht, man­gelnde Glaub­wür­dig­keit durch har­tes Durch­grei­fen zu kom­pen­sie­ren. Der sus­pen­dierte Tobias Weiß wird begna­digt, das Hin und Her mit „Pro­blem­spie­ler“ Sali­ho­vic muss man gar nicht mehr erwäh­nen und Mar­vin Comp­per wird nach Flo­renz gedisst. Dem Gan­zen noch nicht genug wird am letz­ten Tag der Trans­fer­pe­riode Tim Wiese „geschützt“ und der dritte Tor­wart von Tot­ten­ham ver­pflich­tet. Heu­relho Gomes, klasse Typ, siehste hier. Der Guar­dian aus Eng­land bringt das ganze pas­send auf den Punkt: „Erin­nert ihr euch an Gomes? Hof­fen­heim hat ihn hin­ter einer Hütte auf Tot­ten­hams altem Trai­nings­ge­lände gefun­den und zuge­stimmt, ihn nach Deutsch­land zu holen.“

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Da hat Peter Odem­win­gie noch gut lachen. Spä­ter hieß es dann wohl eher: “Ich bin ein Star, lasst mich hier rein! (© IAN KINGTON/AFP/Getty Images)

Für eine wei­tere Kurio­si­tät sorgte Peter Odem­win­gie. Auch der wollte unbe­dingt auf den Ein­kaufs­zug der Queens Park Ran­gers auf­sprin­gen. Zu Blöd, dass er von sei­nem Ver­ein West Brom­wich keine Frei­gabe erhal­ten hatte. DAS INTERESSIERT EINEN PETER ODEMWINGIE ABER NICHT! Kur­zer Hand reiste er zum Trai­nings­ge­lände der Ran­gers, nur um dort vor ver­schlos­se­nen Türen zu ste­hen und nicht ein­ge­las­sen zu wer­den. QPR wurde es ver­bo­ten, mit dem Spie­ler zu ver­han­deln, also lie­ßen sie ihn erst gar nicht rein. Dumm gelaufen.

Ähn­lich dumm gelau­fen ist es für den König unter den Fuß­ball­be­ra­tern: Mino Rai­ola. Nach­dem er bereits sei­nen Zög­ling Balo­telli unter die Haube gebracht hatte, wollte er jetzt noch Pajtim Kasani von Ful­ham nach Pes­cara trans­fe­rie­ren. Geschei­tert ist das Ganze dann nicht an einem defek­ten Fax­ge­rät, son­dern –  jetzt kommts – an einer nicht funk­tio­nie­ren­den Inter­net­ver­bin­dung. Seine Reak­tion: „Wir hat­ten keine Ver­bin­dung, um den Deal abzu­schlie­ßen. Fuck off! Man kann in die­sem scheiß Hotel keine Trans­fers abwi­ckeln.“ Viel­leicht sollte der gute Mino das nächste Mal ein­fach ein Paar der Trans­fer­mil­lio­nen für bes­sere Hotels aus­ge­ben. Ver­dient hat er ja bis­her genug!

Am bit­ters­ten ver­lief der Tag für Maar­ten Ste­kelen­burg. Die­ser wollte vom AS Rom nach Ful­ham wech­seln und war sich mit dem Ver­ein auch schon einig. Am Ende ent­schie­den sich die Römer ganz kurz­fris­tig dann doch gegen einen Trans­fer. Pro­blem an der Sache: Maar­ten Ste­kelen­burg saß zu die­sem Zeit­punkt angeb­lich bereits im Flie­ger nach Lon­don. Odem­win­gie lässt grüßen!

Tur­bu­lent ging‘s zu, und tur­bu­lent wird‘s auch wei­ter­hin blei­ben. Wir freuen uns auf die nächste Trans­fer­pe­riode und die Kurio­si­tä­ten, die diese wie­der her­vor­brin­gen wird!





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