Training verpasst? — Die besten Ausreden


veröffentlicht am Mittwoch, 13. Februar 2013 15:32, von unserem Autor Christian Eck in Strikte Satire.

Stets pünktlich und zuverlässig - Emmanuel Adebayor!

Der Storch “Ade­bar” ist gelan­det! © Ron­nie Mac­do­nald / flickr.com

Emma­nuel Ade­ba­yor, sei­nes Zei­chens Stür­mer bei Tot­ten­ham Hot­spur, weilte die letz­ten Wochen mit der togo­le­si­schen Natio­nal­mann­schaft beim Afrika-Cup in Süd­afrika. Dort schei­terte er bereits am Sonn­tag (03.Februar) im Vier­tel­fi­nale mit 1:0 am spä­te­ren Fina­lis­ten Bur­kina Faso. Groß­zü­gig wie die Spurs aber sind, erwar­te­ten sie ihren Stür­mer erst zum Frei­tags­trai­ning wie­der zurück.

Ade­ba­yor wollte sich aber in der Hei­mat noch ein biss­chen län­ger den Bauch pin­seln las­sen und inter­es­sierte sich wenig für die gesetzte Frist. Als es sich abzu­zeich­nen drohte, dass Ade­ba­yor nicht zur Trai­nings­ein­heit erschei­nen wird und sein Ein­satz am Wochen­ende in Gefahr geriet, schickte Tot­ten­ham einen Privat-Jet los, um den letz­ten gesun­den Stür­mer im Kader recht­zei­tig ein­zu­flie­gen. Zusätz­lich wurde der Togo­lese mit einer Strafe von umge­rech­net 190.000 Euro belegt — durch­aus ein teu­rer Heim­flug im Privatjet.

Und (halb-)jährlich grüßt das Murmeltier

Irgend­wie kommt uns diese Geschichte doch sehr bekannt vor. Mitt­ler­weile gehört es schließ­lich zum guten Ton, den Trai­nings­auf­takt sei­ner Mann­schaft zu ver­pas­sen und eigen­mäch­tig den Urlaub zu ver­län­gern. Der Fall Ade­ba­yor kommt aber in der His­to­rie der Fußballer-Verspätungen rela­tiv harm­los daher. Viel fan­tas­ti­schere Geschich­ten haben sich da in der Ver­gan­gen­heit ereig­net. Ein Grund für uns, auf einige der kurio­ses­ten Aus­re­den zum ver­pass­ten Trai­nings­auf­takt zurückzublicken.

Begin­nen wir mit einem alten Bekann­ten aus der Bun­des­liga. Julio Cesar, mitt­ler­weile stolze 47 Jahre alt,  Bra­si­lia­ner, und zu sei­ner akti­ven Zeit fes­ter Bestand­teil der Erfolgs­elf von Borus­sia Dort­mund. Der Ver­tei­di­ger ist mit ein Grund, warum den süd­ame­ri­ka­ni­schen Spie­lern der Ruf der Ter­min­un­treue anhaf­tet — wenn er auch nicht der ein­zige ist, der das ein oder andere Mal den Trai­nings­auf­takt ver­schla­fen hat. Dafür tat er dies aber in schö­ner Regel­mä­ßig­keit. In den Jah­ren 1995, ‘96 und ’97 ver­passte Julio Cesar zuver­läs­sig wie ein schwei­zer Uhr­werk den Trai­nings­be­ginn der Rück­runde. Die pas­sen­den Aus­re­den hatte er bei der Rück­kehr dann auch immer mit im Gepäck. Das eine Mal sei sein Groß­va­ter krank gewe­sen. Ärger­lich nur, dass er zu die­sem Zeit­punkt gar kei­nen Groß­va­ter mehr hatte. Und auch der 65. Geburts­tag der Groß­mut­ter musste gebüh­rend began­gen wer­den – im Mil­lio­nen­ge­schäft Bun­des­liga hat man dafür natür­lich größ­tes Verständnis.

Ähn­lich krea­tiv, aber um eini­ges wort­ge­wand­ter kam unser gelieb­ter Kugel­blitz daher. Ail­ton, der lebende Beweis dafür, dass phy­si­ka­li­sche Gesetze durch­aus außer Kraft gesetzt wer­den kön­nen, ist so ziem­lich in jedem sei­ner unzäh­li­gen Ver­eine zu spät gekom­men oder zu früh gegan­gen. In der Sai­son 2007/08 gas­tierte er beim MSV Duis­burg in der zwei­ten Liga und ver­passte – welch Über­ra­schung — den Trai­nings­auf­takt zur Rück­runde. In einem Bild-Interview erklärte Toni Ail­ton die ganze Situa­tion: „Was ist eine Minute, was ist ein Tag? Die Leute ken­nen Ail­ton, Toni kommt immer zu spät. Außer­dem war ich krank, hatte Fie­ber. Nix Pferde, Beach oder Party in Bra­si­lien.“ Aus­rede: Angeb­li­che Ohren­schmer­zen hat­ten ihn zwei Tage ans Bett gefes­selt und sei­nen Flug ver­pas­sen las­sen. Aber mal ehr­lich, wür­dest Du an der Ehr­lich­keit die­ses Typs zweifeln?

Ein wei­te­rer Bra­si­lia­ner sorgte sei­ner Zeit in der Haupt­stadt für ordent­lich Wir­bel – sowohl auf, als auch außer­halb des Plat­zes. Mar­cel­inho, ehe­ma­li­ger Mit­tel­feld­stra­tege, bei dem Genie und Wahn­sinn lei­der viel zu oft zu nah bei­ein­an­der lagen. Gleich mehr­fach ver­passte er den Trai­nings­auf­takt der Her­tha. Das eine Mal war ein schlim­mes Unwet­ter der Grund für die Ver­spä­tung –  wel­ches gleich­zei­tig das Han­dy­netz lahm­legte und es somit nicht zuließ, dass Mar­cel­inho sich beim Trai­ner abmel­den konnte. Das Fass zum Über­lau­fen brachte der Spie­ler dann in der Sai­son 2006/07. Ganze acht Tage ließ er den Ver­ein war­ten. Aus­rede: „Die Flug­ge­sell­schaft Varig hat Kon­kurs ange­mel­det. Es gab Chaos am Flug­ha­fen, Poli­zei sperrte Stra­ßen ab — wir kamen nicht durch.“ Wir kön­nen es uns bild­lich vor­stel­len, die stra­ßen­kamp­fähn­li­chen Zustände vor dem Flug­ha­fen. Über­all Mili­tär und Waf­fen und mit­ten­drin der arme, ver­störte Mar­cel­inho. Sowas aber auch! Die­ter Hoeneß fand dies damals gar nicht lus­tig, ver­passte dem Bra­si­lia­ner eine 10.000 Euro hohe Geld­strafe und einen ver­ba­len Denk­zet­tel: „Dass Mar­celo zu spät kommt, ist lei­der nichts Neues! Da muss er eben drei Tage frü­her am Flug­ha­fen über­nach­ten.“ Aber Die­ter, wenn doch die Stra­ßen gesperrt sind…

Der Winter - Grund für das Fernbleiben vieler Spieler

Die­ser fiese, fiese Win­ter aber auch. Unter sol­chen Bedin­gun­gen kann ja kein Mensch arbei­ten! © guil­ler­mogg / flickr.com

Blei­ben wir bra­si­lia­nisch. Nach­dem Jetzt-Bayer Rafinha in der Sai­son 2009/10 erneut den Trai­nings­auf­takt sei­nes dama­li­gen Arbeit­ge­bers Schalke 04 ver­passte, ver­suchte er sich gar nicht in große Aus­re­den zu flüch­ten: „40 Grad zu Hause, in Gel­sen­kir­chen minus sie­ben Grad. Das tut weh!“. Klingt ein­leuch­tend — wes­we­gen wir einen sofor­ti­gen Win­ter­ur­laub inklu­sive Arbeits­stopp in Deutsch­land von den Mona­ten Okto­ber bis März for­dern. Zum Zwangs­ur­laub nach Bra­si­lien, selbst­ver­ständ­lich mit fort­lau­fen­der Gehalts­zah­lung. Sonst nüt­zen uns die 40 Grad auch nicht viel. Rafinha for Pre­si­dent! Knip­ser Gio­vane Elber hielt sich da eher in der ailton’schen Tra­di­tion der Aus­re­den: „Der Trai­ner weiß doch, dass es für einen Bra­si­lia­ner nor­mal ist, dass er zu spät kommt!“ Moral von der Geschicht‘: Bin ich als Bra­si­lia­ner zu spät, dann bin ich nicht zu spät, weil das ist nor­mal. Dann bin ich ja eigent­lich pünkt­lich. Bin ich pünkt­lich, bin ich aber zu früh — und zu früh kommt man nicht. Also komme ich zu spät, dann bin ich theo­re­tisch so früh, wie ein Deut­scher, der pünkt­lich ist. Ist ein Deut­scher so spät wie ich, ist er zu spät — aber ich bin pünkt­lich. Klingt logisch, is‘ es aber nicht!

Ent­führte Bra­si­lia­ner und der geläu­terte Guerrero

Bevor wir das bra­si­lia­ni­sche Kapi­tel der Aus­re­den schlie­ßen aber ein wei­te­res High­light  — wenn nicht viel­leicht sogar die beste Aus­rede aller Zei­ten: „Hilfe, ich wurde ent­führt!“, dachte sich Somá­lia (zum ent­spre­chen­den Zeit­punkt Spie­ler von Bota­fogo Rio de Janeiro) eines Tages und suchte das ört­li­che Poli­zei­re­vier auf um eine Anzeige gegen Unbe­kannt auf­zu­ge­ben. Er wurde in der letz­ten Nacht für zwei Stun­den ent­führt. Dabei hatte Somá­lia die Ent­füh­rung nur vor­ge­täuscht um das Feh­len bei einer Trai­nings­ein­heit recht­fer­ti­gen zu kön­nen, wel­che er auf­grund hef­ti­ger Par­ty­nacht inklu­sive eines nicht zu ver­ach­ten­den Alko­hol­rau­sches ver­passt hatte. Der Haken an der Geschichte: Die Poli­zei kon­trol­lierte zu aller­erst die Über­wa­chungs­ka­me­ras sei­nes Hau­ses. Dar­auf gab es aber keine Ent­füh­rungs­sze­nen zu  sehen, son­dern ledig­lich den Spie­ler Somá­lia, der fünf Stun­den nach der Party schwan­kend aber unver­sehrt sein Haus ver­ließ. Ziel des Aus­flugs war nicht der Trai­nings­platz, son­dern eben die Poli­zei­wa­che sei­nes Ver­trau­ens. Dabei war das Alibi doch hieb– und stichfest.

Paolo Guerrero - Um keine Ausrede verlegen!

In sei­ner neuen Hei­mat hat Paolo Guer­rero wie­der gut Lachen. Schließ­lich sind die Bra­si­lia­ner im Umgang mit Trai­nings­schwän­zern echte Pro­fis.
© Glo­bo­vi­sión / flickr.com

Eben­falls nicht auf den Mund gefal­len ist ein aktu­el­ler Welt­po­kal­sie­ger aus Peru, Paolo Guer­rero. Zu sei­ner Zeit beim HSV kos­tete er seine Bosse Armin Veh und Bernd Hoff­mann auch den ein oder ande­ren Nerv. Nach sei­nem Kreuz­band­riss bekam der sen­si­ble Stür­mer vom Ver­ein Hei­mat­ur­laub inklu­sive inten­si­ver Reha-Arbeit ver­schrie­ben. Nach drei Mona­ten sollte der Spie­ler dann zur Win­ter­vor­be­rei­tung wie­der in Deutsch­land ein­tref­fen. Lei­der hatte der HSV die Rech­nung aber nicht mit sei­nem eigen­wil­li­gen Stür­mer gemacht. Die­sen befiel aus mys­te­riö­sen Grün­den kurz vor der Rück­kehr eine pani­sche Flug­angst, die zu meh­re­ren ver­scho­be­nen Rück­flug­ver­su­chen führte. Aber der HSV wäre nicht der “H S V”, wenn er nicht auch hier­für eine Lösung parat hätte. Kur­zer Hand schickte man einen The­ra­peu­ten nach Peru, der dem ver­ängs­tig­ten Hasen aus sei­nem Bau hel­fen sollte. Gesagt getan – mit zwei­mo­na­ti­ger Ver­spä­tung traf der Stür­mer freu­den­strah­lend in der Hei­mat ein, nicht ohne vor­her noch stolz zu behaup­ten: „Das ist alles Blöd­sinn. Ich habe keine Angst. Das haben die Medien erfun­den.“ Angst hin oder her, die zwei Monate Zusatz­ur­laub hat sich Guer­rero mit die­ser oscar­wür­di­gen Vor­stel­lung auf alle Fälle ver­dient. Und da sein Ver­ein so viel Geduld mit ihm bewie­sen hatte, bedankte sich der reuige Stür­mer direkt auf seine Art: Fla­sche neh­men, ordent­lich zie­len, Tref­fer – uuuuuuund gesperrt! Wenig spä­ter wurde Guer­rero wie­der von der mys­te­riö­sen Flug­angst befal­len, ver­krampfte wäh­rend eines Flu­ges der­ma­ßen, dass eine alte Ober­schen­kel­ver­let­zung wie­der auf­brach und er ein Test­spiel ver­passte — sowas aber auch!

Aber an sich ist der Mensch ja ein lern­fä­hi­ges Wesen. Lei­der trifft dies wohl aber nicht auf alle zu. Denn anstatt nun geläu­tert den abso­lu­ten Vor­zei­ge­profi zu geben und dem Ver­ein für den – trotz aller vor­an­ge­gan­ge­ner Que­re­len – neuen Mil­lio­nen­ver­trag dank­bar zu sein, lässt der liebe Paolo den HSV zum Auf­takt in die neue Sai­son 2010/11 erneut war­ten. Die Aus­rede kam die­ses Mal per Tele­fon. Ein Ver­kehrs­un­fall habe ihn auf­ge­hal­ten und er daher den Flug ver­passt. Das waren mit Sicher­heit die bösen Stra­ßen­schlach­ten, die bereits Mar­cel­inho vor Jah­ren auf­ge­hal­ten hat­ten. Bestimmt haben es diese mitt­ler­weile von Bra­si­lien nach Peru geschafft. Armin Veh nahm die Ent­schul­di­gung gelas­sen: „Er hat mich ja immer­hin ange­ru­fen, das tun einige Süd­ame­ri­ka­ner nicht. Die ste­cken dann in Schnee­ver­we­hun­gen und sind ver­schol­len.“ Armin Veh ist ein­fach ein wei­ser Mann!

High­way to the Dan­ger Zone

Der Flug­ha­fen in Lima scheint ohne­hin ein gefähr­li­ches Pflas­ter zu sein. Auch Guer­re­ros Lands­mann Jef­fer­son Far­fan kam wegen angeb­li­cher Aus­rei­se­pro­bleme aus Peru über eine Woche zu spät zum Trai­nings­auf­takt der Schal­ker im Jahr 2010/11. „Tref­fen sich zwei am Flug­ha­fen in Lima!“ — ein Schelm wer Böses denkt. Wahr­schein­lich gab Guer­rero Far­fan in den Tagen dann noch Unter­richt im Trai­nings­schwän­zen, was Far­fan im dar­auf­fol­gen­den Win­ter dann auch gleich aus­pro­bierte. Natür­lich nicht, ohne das obli­ga­to­ri­sche Inter­view vom Flug­ha­fen zu sen­den: „Ich ver­lasse Schalke. Ich kehre nur nach Deutsch­land zurück, um mich bei ‚Pro­fes­sor‘ Felix Magath abzu­mel­den. Ich habe ein kon­kre­tes Ange­bot eines ande­ren Klubs, bei dem ich mich ver­bes­sern kann!“ Nun, auch diese Aus­sage kann man mitt­ler­weile ins Reich der Fabeln und Aus­re­den schie­ben. Schade Jeff, aber ein Ver­such war’s auf alle Fälle wert. Aber immer dran den­ken: Irgend­wann holen dich die Sün­den der Ver­gan­gen­heit wie­der ein.

Aus­re­den, Aus­re­den, Aus­re­den! Auch wenn wir die Liste noch ewig so wei­ter­füh­ren könn­ten, haben wir an die­ser Stelle genug von Aus­re­den und Ver­spä­tun­gen. Mit gro­ßer Freude bli­cken wir aber in die Zukunft und seh­nen bereits den nächs­ten Trai­nings­auf­takt her­bei, dass er uns Fuß­ball­ver­rück­ten wie­der mit vie­len skur­ri­len Geschich­ten und Schmunz­lern ver­sorgt. Wel­che Uhr ist dann noch nicht umge­stellt? Und wel­cher Groß­on­kel fei­ert die­ses Mal sei­nen 82. Geburts­tag? Wir blei­ben am Ball!





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