Der Tag vor dem Champions League Finale


veröffentlicht am Freitag, 24. Mai 2013 15:37, von unserem Autor Marc Andruszko in Strikte Satire. null Kommentare

Die Spie­ler des BVB und der Bay­ern sind in Lon­don und berei­ten sich pro­fes­sio­nell aufs Spiel ihres Lebens vor. Die einen sind auf Ent­de­ckungs­tour durch die Stadt, die ande­ren ver­brin­gen Zeit auf dem Hotel­zim­mer. Die Ruhe vor dem Sturm. Noch ein­mal den Kopf frei bekom­men. Natür­lich alles strikt satirisch.

Tho­mas Mül­ler, der Raum­deu­ter, deu­tet mit dem Zei­ge­fin­ger Rich­tung Wem­bley.
„Dort holen wir den Titel, genau dort. Schau es dir jetzt noch mal an, weil bald ist Wem­bley nicht mehr das, was es ein­mal war, dann, wenn wir den Titel dort geholt haben, wir, die Bay­ern, mia san mia, die Größ­ten der Welt, wir, die neuen Galak­ti­schen, wer­den es schaf­fen, und obwohl Javi Mar­ti­nez abso­lute Scheiße spielt und die ganze Mann­schaft mit run­ter­zieht, wer­den wir die Dort­mun­der zer­stö­ren, weil es gibt ja noch Tho­mas Mül­ler.
„Tho­mas. Mia san mia? I didn’t under­stand the rest, sorry”, sagt Mar­ti­nez, lässt die Zähne auf­blit­zen und wid­met sich wie­der weib­li­chen Bayern-Fans, die ihn umar­men und Fotos für ihr Facebook-Profil knip­sen.
„So süß, der Javi”, sagt eine Blon­dine im Martinez-Trikot zu Mül­ler.
„Mei, so sind sie eben, die Spa­nier“, ant­wor­tet der Raum­deu­ter und lacht.

Bucking­ham Palace: Arjen Rob­ben steht fas­zi­niert vor einem ver­stei­nert daste­hen­den Bee­fea­ter und fragt sich, ob des­sen Uni­form maß­ge­schnei­dert ist. Dabei fällt ihm sie­dend heiß ein, dass es in Eng­land andere Steck­do­sen gibt. Unbe­dingt noch einen ent­spre­chen­den Adap­ter besor­gen, um mor­gen Abend vor dem Spiel das Tri­kot geschmei­dig föh­nen zu kön­nen! Sonst wird’s echt schmerz­haft, ins aero­dy­na­mi­sche XXS-Leibchen rein­zu­schlüp­fen. Am Ende wird er noch von Schmel­zer am Tri­kot fest­ge­hal­ten, sollte auch nur ein Mil­li­me­ter Platz zwi­schen Stoff und hol­län­di­scher Haut bleiben.

Big Ben schlägt 12: Franck Ribery und David Alaba lie­gen noch im Dop­pel­bett, als Uli Hoeneß mit hoch­ro­tem Kopf ins Zim­mer gestürmt kommt, ohne anzu­klop­fen. Ribery, der aus einem Alp­traum hoch­schreckt — Kevin Groß­kreutz stand grin­send vor ihm und rasierte sich eine Champions-League-Sieger-Frisur — starrt Hoeneß ver­dutzt an.
„Mon Dieu, Uli, geht’s dir gut?!“
„Ihr Zwei seid heute Nacht gese­hen wor­den. Ein Fran­zose und ein Schwar­zer. Franck, was fällt dir ein? Du kannst das ja weg­ste­cken, aber musst du den jun­gen Bur­schen mit rein zie­hen?“
„Muss ein ande­rer Schwar­zer gewe­sen sein“, stöhnt Alaba und wälzt sich vom Bauch auf den Rücken. Hoeneß lacht und klaut Ribery die Fern­be­die­nung. „Nur mal kurz die Bayern-Aktie che­cken, vor dem gro­ßen Finale.”

Wäh­rend­des­sen fragt sich Hans-Joachim Watzke, wie er Uli Hoeneß eins aus­wi­schen kann. Immer­hin hat er nach der Götze-Nummer noch einen gut. „Du bekommst 1000 BVB-Aktien zum Freund­schafts­preis, wenn wir mor­gen gewin­nen“, tippt er in sein Handy, wählt als Emp­fän­ger „Schwei­zer Brat­wurst” (seine Sim-Karte ist voll mit Geheim­na­men, nur, falls er das Handy mal vor Auf­re­gung auf einem Sta­di­on­klo ver­gisst) und klickt auf Senden.

Apro­pos hoch­ro­ter Kopf: Jupp Heynckes hat gerade kei­nen. Er medi­tiert gemein­sam mit Jür­gen Klopp an einem gehei­men Ort außer­halb Lon­dons. Jupp, weil er sich neu­er­dings so gerne ent­spannt und Klopp auf Anra­ten sei­ner Ärzte.
„Wird das nicht eine groß­ar­tige Show, Jupp? Ich meine, glaubst du, Deutsch­land und die Welt wird je wie­der so einen Zwei­kampf zu sehen bekom­men?“
„Immer mit der Ruhe, Jür­gen. Du musst dich jetzt ent­span­nen, sonst erwürgst du den vier­ten Offi­zi­el­len mor­gen”, ent­geg­net Heynckes, atmet tief ein und medi­tiert wei­ter im Schnei­der­sitz vor sich hin. „Weißt du, ich war auch ein­mal so wie du, mein Sohn.“

Auch Mario Götze erholt sich gerade von den ner­ven­auf­rei­ben­den letz­ten Wochen. End­lich mal wie­der Zeit für Son­nen­stu­dio und Kör­per­pflege. End­lich! Die­ses stän­dige Reha­bi­li­tie­ren in Mün­chen war wirk­lich nicht ein­fach. Der Fri­sör sei­nes Ver­trau­ens hun­derte Kilo­me­ter ent­fernt. Aber daran muss er sich jetzt end­lich gewöh­nen.
„Bravo war ein­mal”, sagt Mario zu sich selbst und betritt einen Fri­seur­sa­lon im exklu­si­ven Stadt­teil Chel­sea, den ihm Insi­der Kloppo emp­foh­len hat. Scho­ckiert stellt er fest, dass der Maes­tro gerade mit der unde­fi­nier­ba­ren Haar­mähne von Ana­to­liy Tymosh­chuk beschäf­tigt ist. Die Schere kreist vir­tuos und blitz­schnell um den Kopf des Ukrai­ners, der sich nicht von der Stelle rührt.
„Was glotzt du so?“, fragt Tymo, der wei­ter in den Spie­gel starrt. „Dach­test du, so eine Fri­sur wächst von selbst?“

Auch in ande­ren Zim­mern wurde aus­ge­schla­fen. Es ist ja nicht so, dass alle Bayern-Spieler an den Sehens­wür­dig­kei­ten Lon­dons inter­es­siert sind. Jerome Boa­t­eng hat ein Pro­blem. Jetzt heißt es, nach­den­ken …………………………………………………………………………………………………………………………………. Okay, schon sein Leh­rer in der fünf­ten Klasse sagte immer: Nicht so lange nach­den­ken. Machen! Also: beim Por­tier anru­fen und mit ihm spre­chen. Es gibt bestimmt eine Lösung. Aber sein Eng­lisch ist immer noch mehr schlecht als recht, trotz sei­ner Zeit in Man­ches­ter, aber bei City war sowieso alles spe­zi­ell.
„Gina-Lisa, kannst du gut Eng­lisch?”, ruft er durchs Zim­mer.
„Seh ich so aus?”, schreit Gina-Lisa ihm mit schril­ler Stimme aus dem Bad ent­ge­gen.
„Fuck, du musst gehen, Gina-Lisa, Cham­pi­ons Lea­gue, kapiert?“ Da vibriert sein Handy. Die ret­tende SMS von Wayne Roo­ney, den Jerome in einem Nacht­club in Man­ches­ter ken­nen­ge­lernt hat, nach dem Derby gegen United natür­lich: “Just call and say: Girl, back­door, like Roo­ney”. Was würde ich nur ohne meine Kum­pels machen, denkt Jerome und kann end­lich aus­schla­fen und sich pro­fes­sio­nell aufs Finale vor­be­rei­ten, nach­dem Gina-Lisa auf 20-Zentimetern durch die Hin­ter­tür aus dem Hotel direkt in ein rotes Taxi und außer Lande geschafft wurde. Und sogar noch an der BILD-Zeitung vor­bei. Thanks, Wayne!

Mat­thias Sam­mer ist der Ein­zige, der nicht zur Ruhe kommt. Lon­don lässt ihn kalt. Alles, was er will, ist die­ser ver­dammte Hen­kel­pott. Er steht mit auf­ge­ris­se­nen, rot geäder­ten Augen vorm Spie­gel. Alles fühlt sich so inten­siv an. Er meint, seine Hals­schlag­ader pochen zu sehen. Ihn macht die Ein­stel­lung der Spie­ler krank. Einen Tag vor dem gro­ßen Finale noch ein­mal den Kopf frei bekom­men? Er könnte kot­zen. Vor­sorg­lich hat er sich vom Con­cierge des direkt an der Themse gele­ge­nen 6-Sterne-Hotels ein paar Fuß­ball­schuhe besor­gen las­sen. Sie pas­sen wie ange­gos­sen. Das Knie hält ein Spiel, wäre doch gelacht! Mehr Hass, Männer!





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