Das satirische Transferkarussell. Sommerschlussverkauf.


veröffentlicht am Dienstag, 3. September 2013 10:10, von unserem Autor Marc Andruszko in Strikte Satire. null Kommentare

Som­mer­schluss­ver­kauf im Welt­fuß­ball, dies­mal in der Ver­kaufs­vi­trine: Ver­kaufs­schla­ger und Wech­sel­rou­ti­nier Chris­to­pher Samba, Gareth Bale, Demba Ba, Mesut Özil, Marouane Fel­laini und Wayne Roo­ney.  Das Trans­fer­ka­rus­sell drehte sich wie ver­rückt und wir stan­den wie Kin­der auf der Kir­mes glub­schäu­gig davor und beob­ach­te­ten fas­zi­niert den sto­isch drein­bli­cken­den Karus­sell­brem­ser. Welch ein Job!

Chris­to­pher Samba

Er kann’s ein­fach nicht las­sen! „Wen juckt’s?“, fragt ihr? Uns, und zwar gewal­tig, weil Chrisse Samba der Fußball-Odysseus ist: ein Rast­lo­ser , ein Rei­sen­der, der immer noch auf der Suche nach sei­ner fuß­bal­le­ri­schen Hei­mat ist und dafür bis ans Ende der Welt gehen würde.

Feu­er­land, die son­nige Süd­seite Islands oder die Kap­ver­di­schen Inseln: bei Chrisse Samba ist jede Trans­fer­pe­riode alles drin. Und für die Kar­riere nach der Kar­riere ist auch schon gesorgt: Er unter­schrieb gerade einen lebens­lan­gen (ein­sei­tig wider­ruf­ba­ren) Ver­trag als ADAC-Hoteltester. Die geniale Idee dahin­ter: Chrisse Samba spart dem ADAC einen Hau­fen Geld, wel­ches sonst für Spe­sen ver­schwen­de­ri­scher Hotel­tes­ter im Vor­ru­he­stand drauf­geht, weil Chrisse schon über­all war und die Test­be­richte ja im Home-Office schrei­ben (oder sei­ner Sekre­tä­rin dik­tie­ren) kann.

Auf sei­ner Tripadvisor-Karte bei Face­book sieht man vor lau­ter Steck­na­deln kei­nen Heu­hau­fen mehr, nur noch Was­ser, keine Kon­ti­nente. Die Gren­zen ver­schwim­men. Und meine Gehirn­zel­len auch. Chrisse tanzt wei­ter Samba: mit den Fax­ge­rä­ten die­ser Welt!

Sorry, kleine Rand­no­tiz: Dynamo Mos­kau heißt der neue Arbeit­ge­ber Sam­bas. Aber ich hafte nicht dafür!

Gareth Bale

Eigent­lich ist jedes Wort zu die­sem Trans­fer Ver­schwen­dung, das hat auch schon unser Chef­sa­ti­ri­ker Chris­tian Eck vor eini­gen Wochen fest­ge­stellt. Aber da die­ser Trans­fer sich bis zum Sankt Nim­mer­leins­tag hin­zog und die aller­größte Ver­schwen­dung ist, nehme ich mir auch einige ver­schwen­de­ri­sche Wör­ter raus: Glück­wunsch, Gareth, du bist teu­rer als Cris­ti­ano Ronaldo.

In die­ser finan­zi­ell unsi­che­ren Zeit ist es doch noch gut zu wis­sen, dass man selbst die Geld­an­lage ver­kör­pert. Warum in teure Autos inves­tie­ren, wenn man selbst die beste Kapi­tal­an­lage ist? Jetzt aber nicht ver­ges­sen, dass du ab sofort ein Real Madrid Tri­kot trägst! Ab heute kann es jeder­zeit pas­sie­ren, dass die alternde Heu­schre­cke Puyol lockig flo­ckig von der Seite ange­hüpft kommt und dich auf­fres­sen will. Gegen so ein gna­den­lo­ses Insekt hilft kein Autan. Da heißt es: Schien­bein­scho­ner gera­de­rü­cken, Kopf aus­ge­schal­tet las­sen (hierzu Cris­ti­ano Ronaldo kon­sul­tie­ren) und durch!

Und wenn’s mal juckt: Lilian Thuram emp­fiehlt Knob­lauchöl vor dem Spiel. Am bes­ten eine ganze Pulle auf den Astral­kör­per klat­schen! Wenn‘s glänzt, dann riecht’s!     

Demba Ba

Demba Ba von Chel­sea zu Arse­nal? Babalabab!

Mesut Özil

Ja, wo is‘ er denn? Noch am spä­ten Mon­tag­abend erreichte mich die Nach­richt vom Kol­le­gen Luczak, sei­nes Zei­chens Premier-League-Verehrer: „Özil ist wie vom Erd­bo­den ver­schluckt! Arse­nal wird nervös.“

Mesut Özil Real Madrid Arsenal

Der Autor die­ses Arti­kels hat sich vor allem für die­ses Bild ent­schie­den, weil Cla­rence See­dorf dar­auf zeigt, wie man ein Fuß­ball­tri­kot klas­sisch trägt. Foto: Jan SOLO / flickr.com

Meine Augen­li­der waren bereits ver­dammt schwer und ich dachte mir: Wo ist Mino Rai­ola, wenn man ihn braucht? Denn mal ehr­lich: Ohne ein pro­fes­sio­nel­les Fax­ge­rät läuft die Kom­mu­ni­ka­tion im Welt­fuß­ball heut­zu­tage ein­fach nicht mehr rund. Da sollte Fami­lie Özil sich wirk­lich ein­mal fach­kun­dig im Media-Markt Gel­sen­kir­chen (Anmer­kung der Redak­tion: für diese Schleich­wer­bung gibt es kein Geld, nur 0-Prozent-Finanzierungen umsonst!) bera­ten las­sen und sich für die neu­este Tech­nik ent­schei­den.  

Ein paar Stun­den spä­ter, ich träumte schon längst von der WM 2014, war „Fin­det Nemo, Teil 2 in 2D“ dann end­lich fer­tig (Kol­lege Luczak bear­bei­tete vol­ler Ekstase Whats­app, konnte mich aber nicht wecken — der Anblick von Lukas Podol­ski beim Kar­ne­val von Rio, mit dem WM-Pokal in Hän­den, war ein­fach zu schön), die Arse­nal Fans pack­ten die Pop­corn­reste zusam­men, um diese für den Win­ter­schluss­ver­kauf ein­zu­frie­ren, und in der United-Kneipe wurde für fünf Minu­ten die Sperr­stunde aufgehoben,um ein Tur­b­o­frustsau­fen vom Zaun zu bre­chen. Im Rausch ver­passte man fast den Trans­fer der Transfers!

Marouane Fel­laini

Noch einer, der die Haare schön hat! Wür­den sich Wella und Loreal unter der stra­te­gi­schen Bera­tung Dan­tes zusam­men­tun, würde genau die­ser Fri­suren­trend dabei her­aus­kom­men. Wobei: Trend ist das fal­sche Wort. Die Matte Fel­lai­nis ist eine Insti­tu­tion der Pre­mier Lea­gue und darf jetzt auch im Old Traf­ford auf und ab wip­pen. Und hat das ganze Sta­dion erst ein­mal Perü­cken im ver­eins­ei­ge­nen Merchandising-Shop gekauft, kann man ihn auch wie­der schweiß­frei auf die Bank set­zen, was in der Mann­schafts­ka­bine geruch­s­tech­nisch sehr gut ankommt, denn Fel­laini kann sich nicht täg­lich die Haare waschen. Total schlecht für die Haar­struk­tur (sagt Puyol, sei­nes Zei­chens Chefberater-auf-Lebenszeit von Wella)!

Wayne Roo­ney

Der Marlboro-Mann Man­ches­ters ist der Leid­tra­gende die­ser Trans­fer­pe­riode. Weil Fel­laini kommt, darf er nicht gehen. End­lich ist Sir Alex Fer­guson in Rente. Doch Roo­ney merkt, dass ihm seine Hass­liebe fehlt und er kei­nem mehr etwas bewei­sen muss. Beck­hams 6-Sterne-Suite in Paris war bereits grob gefegt, die Bier-Untersetzer waren auf Hoch­glanz poliert, die Aschen­be­cher aus­ge­klopft und der Ziga­ret­ten­au­to­mat (nimmt nur Hun­der­ter) logis­tisch klug auf dem Hotel­gang instal­liert, da kommt ihm die bel­gi­sche Kampf­lo­cke in die Quere und blo­ckiert den Ärmelkanal.

Fellaini Everton United ManU

Fel­laini noch im Tri­kot Ever­tons. Foto: Gor­don Flood / flickr.com

Mit sei­ner Lei­den­schaft für Haare muss Roo­ney näm­lich als Inte­gra­ti­ons­be­auf­trag­ter her­hal­ten. Der Weg an die Champs-Élysées bleibt ihm daher, zumin­dest bis zum Win­ter, wenn es so rich­tig schön gemüt­lich in Man­ches­ter vor dem Kamin wird, ver­sperrt. Aber mal ehr­lich: Roo­ney mit Baguette unterm Arm und einer schräg sit­zen­den Schie­ber­mütze auf dem Kopf? Das nenne ich Hollywood-Kino von Mor­gen, da ist „Fin­det Nemo, Teil 2 in 2D“ nur noch Schnee von gestern.

Wir lesen uns in der nächs­ten Trans­fer­pe­riode. In die­sem Sinne: Bleibt wechselwillig!





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