Jimmy Jump: Interview Teil 2


veröffentlicht am Sonntag, 27. Januar 2013 21:45, von unserem Autor Marc Andruszko in Rund um den Ball.

Im zwei­ten Teil des gro­ßen Inter­views mit Jimmy Jump, dem berühm­tes­ten Flit­zer der Welt, spricht Jimmy über die Pla­nung sei­ner Aktio­nen, sei­nen Auf­tritt bei Mar­kus Lanz und über sei­nen Wunsch, bei sei­ner Kunst pro­fes­sio­nell unter­stützt zu wer­den. Den ers­ten Teil ver­passt? Kein Pro­blem, hier nach­le­sen.

Hast du dich schon mal ver­letzt, wenn ein Ord­ner dich einfängt?

Im Ber­li­ner Olym­pia­sta­dion, wäh­rend mei­nes letz­ten Auf­tritts als Flit­zer, hat ein Mit­ar­bei­ter des Sicher­heits­teams  fast mei­nen Dau­men gebro­chen, als er mich här­ter als not­wen­dig vom Spiel­feld schaf­fen wollte. Und danach, außer­halb des Blick­fel­des der Kame­ras, hat er ver­sucht mich zu schla­gen bevor die Poli­zei kam. Zum Glück hat er mir kei­nen Kno­chen gebro­chen, aber manch­mal pas­siert zu viel. Wir „Strea­ker“ wol­len doch nur für Unter­hal­tung sor­gen. Ges­tern ist ein Mit­ar­bei­ter vom Sicher­heits­dienst­leis­ter zu mir gekom­men, um sich zu ent­schul­di­gen. Er sagte, das sei eben ihr Job und er bat mich nicht mehr zu flitzen.

Wie planst du eine Aktion? Gehst du bis ins letzte Detail, um an den Sicher­heits­kräf­ten vor­bei zu kom­men oder wie gehst du vor?

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Jimmy hält sich fit, um den Ord­nern immer einen Schritt vor­aus zu sein.

Es ist sehr schwie­rig, du musst vor allem sehr schnell sein. Du musst dich vor­be­rei­ten und trai­nie­ren, danach das Sta­dion oder den Ort, wo du agie­ren willst, erfor­schen, denn manch­mal blei­ben dir nur wenige Sekun­den und da musst du schnell sein und alles per­fekt vor­be­rei­tet haben. Nach­dem du ver­klei­det auf das Gelände gekom­men bist, damit dich die Sicher­heits­kräfte nicht erken­nen, musst du die beste Posi­tion fin­den um los­zu­le­gen. Dann darfst du nicht ner­vös wer­den und musst dich ohne Angst vor­ar­bei­ten, um dei­nen Traum zu verwirklichen.

Du kün­digst deine Aktio­nen auch vor­her an. Ist das der beson­dere Reiz?

Ich bin an einem Punkt in mei­ner Kar­riere ange­kom­men, an dem man mich welt­weit kennt. Des­we­gen kann ich lei­der nicht mehr jede Aktion ankün­di­gen wie ich das vor­her gemacht habe. Ich bevor­zuge es mitt­ler­weile unbe­merkt rein zu kom­men und wenn ich springe nie­man­dem vor­her Bescheid zu sagen. Ich nenne nur noch ein Datum im Face­book, aber ver­rate nicht mehr den Ort, wo der „Jump“ statt­fin­den wird.

Macht dich das ner­vös, wenn man vor dem Sta­dion nach dir sucht?

Ja, du fühlst dich wie ein Mode­ra­tor, bevor die­ser auf Fern­seh­sen­dung geht. Er muss ner­vös sein und die­ses Krib­beln im Bauch spü­ren. Das ist nor­mal bei unse­rer Arbeit, wenn nicht, wären wir Außer­ir­di­sche aus Eis.

Du rennst seit lan­ger Zeit ohne Wer­bung auf dei­ner Klei­dung. Wird das auch in Zukunft so blei­ben oder gibt es schon deut­sche Unter­neh­men, die dein Spon­sor wer­den wollen?

Die Zukunft ist sehr unsi­cher. Ich kann nicht mehr allein wei­ter­ma­chen. Ich war die letz­ten zehn Jahre völ­lig frei aber jetzt muss ich mich in die Hände eines spe­zia­li­sier­ten Unter­neh­mens bege­ben, das meine Marke unter­stützt. Mein Ziel ist es, hier in Deutsch­land jeman­den zu fin­den, der mir dabei hilft, legal zu flit­zen und der eine Klei­der­marke für Kin­der und Jugend­li­che gemein­sam mit mir ent­wi­ckelt. Ich hatte mich mit Adi­das in Ver­bin­dung gesetzt, um die „schnells­ten Snea­kers der Welt“ zu kre­ie­ren, aber sie haben mir die Tür vor der Nase zu geschla­gen. Ich kann das ver­ste­hen, aber wir wer­den sehen, ob ein jün­ge­res Unter­neh­men mir bei die­sem ver­rück­ten Pro­jekt hel­fen kann. In die­sem Fall würde ich nur noch zu bestimm­ten Anläs­sen flit­zen, ganz beson­dere „Jumps“ eben.

Bei Mar­kus Lanz hat man gese­hen, wie viel Spaß dir das Fern­se­hen macht. Wie wäre es mit einer eige­nen Show? Wie würde die aussehen?

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Jimmy Jump inmit­ten von Fans in der Ber­li­ner Max-Schmeling-Halle.

Das wäre ein wei­te­rer Traum, aber erst mal hole ich einen Oscar in Hol­ly­wood (Jimmy grinst). Mar­kus Lanz war wäh­rend des gesam­ten Inter­views höf­lich und wusste wie er mei­nen „Jumps“ einen Wert geben konnte. Er machte dar­auf auf­merk­sam, dass ich ohne Spon­sor durch die Welt gereist bin und kei­nen hatte, der für mich Rech­nun­gen bezahlte. Ich war wie ein ein­sa­mer Wolf. Die Wahr­heit ist, dass ich das jetzt nicht mehr machen kann in die­ser Form und daher kann ich Mar­kus Lanz nur für das Gespräch in sei­ner Sen­dung dan­ken, denn einige Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien geben mir im Moment nicht die­sen Rück­halt. Mitt­ler­weile exis­tiert eine Rege­lung, die den Kame­ras ver­bie­tet, einen „Jump“ zu fil­men. Das ist trau­rig. Sie wol­len alle Bil­der, die ins Fern­se­hen kom­men, kon­trol­lie­ren und wer­den nur Mar­ken wie Nike oder McDo­nalds zei­gen. Diese Unter­neh­men bezah­len viel Geld dafür, Sen­de­zeit zu bekom­men und bekla­gen sich, dass Jimmy Jump und seine Kol­le­gen das nicht tun. Mein eige­nes TV-Programm wäre eine tolle Sache. Ich würde Men­schen eine Platt­form bie­ten. Sie könn­ten frei erzäh­len, was sie mit ihrem Leben machen und wie sie die Welt mit ihren ver­rück­ten Ideen ver­bes­sern wol­len. Ich will Men­schen vor­stel­len, die sich frei füh­len und tun, was ihnen gefällt und sich nicht ein­fach vom Sys­tem unter­drü­cken lassen.

Du hast den WM Pokal berührt. Fast hast du ihn in den Hän­den gehal­ten. Warst du schon mal in Brasilien?

Im Finale der Welt­meis­ter­schaft in Bra­si­lien zu sprin­gen ist ein Traum, genauso wie bei einer Oscar-Verleihung. Aber wer weiß schon, was kommt. Träume blei­ben Träume bis man sie in Rea­li­tät ver­wan­delt. Für den Moment träume ich und bereite mich mit Hilfe mei­ner Freunde dar­auf vor, wei­ter zu flit­zen und meine Bot­schaft von Frie­den, Frei­heit, Glück und Liebe zu verbreiten.

Was kön­nen die deut­schen Fans tun, um dich zu unterstützen?

Die Fans erfah­ren alles über meine Kunst auf www.jimmyjump.com. Dort kann man meine Sprünge ver­fol­gen und den lan­gen Weg, den ich bis nach Deutsch­land zurück­ge­legt habe. Ich bin nach Deutsch­land gekom­men, um zu ver­su­chen ein neuer Mensch zu wer­den und alle Schul­den­las­ten hin­ter mir zu las­sen. Ich will unbe­dingt wei­ter­hin flit­zen und immer neue Bot­schaf­ten von Frie­den und Liebe ver­kün­den. Ich hoffe auf die Hilfe von jeman­dem, der einen neuen „Jump“ spon­sern kann.

Wo wer­den dich die Fans das nächste Mal sehen?

Uff, ich weiß es nicht. Ich muss ein neues Pro­jekt ana­ly­sie­ren und pla­nen. Mir würde es gefal­len, wenn man mich jeden Tag flit­zen sehen könnte, aber das habe ich schon gemacht und ich muss einen ande­ren Weg ein­schla­gen. Ich muss einen Teil mei­ner Frei­heit auf­ge­ben und die Hilfe von ande­ren anneh­men. Mir würde es gefal­len, wenn der Künst­ler Jimmy Jump nicht ver­schwin­det. All die Jahre, die ich trotz Wider­stand und Schul­den aus vol­ler Über­zeu­gung geflitzt bin, sind Grund genug, dass ein Unter­neh­men mir in irgend­ei­ner Form Hilfe anbie­tet, um Jimmy Jump am Leben zu halten.

Vie­len Dank für das Gespräch, Jimmy! Du bist der größte „Flit­zer“ aller Zeiten!





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