Jimmy Jump: Interview Teil 1


veröffentlicht am Sonntag, 27. Januar 2013 21:45, von unserem Autor Marc Andruszko in Rund um den Ball.

Jimmy Jump ist der berühm­teste Flit­zer der Welt. Er hat bereits Lio­nel Messi die rote Mütze auf­ge­setzt und den WM-Pokal wäh­rend sei­nem legen­dä­ren Lauf bei der WM 2010 in Süd­afrika berührt. Jimmy hat durch die Geld­stra­fen, die er wegen sei­ner unzäh­li­gen Läufe erhielt, eine Menge Schul­den ange­häuft. Aber er möchte nicht auf­ge­ben, denn der Jump ist seine Kunst und sein Leben.

Jimmy hat mit mir über seine Jumps gespro­chen. Dar­aus wurde ein Inter­view, wel­ches ich noch lange im Gedächt­nis behal­ten werde. Ich kenne wenige Men­schen, die so für ihre Lei­den­schaft leben wie er. Doch bevor ihr mit dem Lesen los­legt – kennt ihr schon die spek­ta­ku­lärs­ten Läufe und Aktio­nen von Jimmy Jump? Hier anschauen!

Jimmy, wie fühlt es sich an über den Platz zu flitzen?

Es ist ein eigen­ar­ti­ges Gefühl, eine Mischung aus meh­re­ren Din­gen. Zum einen ist da das Adre­na­lin, das sich beim Sprin­gen ent­lädt. Du fühlst dich gleich super. Dann ist da die Frei­heit, die du spürst und das Bre­chen eines Ver­bots – du fühlst dich rebel­lisch. Und schließ­lich ist es, als ob man einen Traum lebt, denn du weißt, dass du dich eigent­lich nicht in die­sem Bereich auf­hal­ten darfst. Er ist den VIPs vor­be­hal­ten und du hast diese Grenze über­schrit­ten und für einen Moment bist du im Fern­se­hen und kannst der gan­zen Welt deine Nach­richt mit­tei­len. Für mich ist es wie auf einem ande­ren Pla­ne­ten zu sein. Ich bre­che aus der Erd­at­mo­sphäre aus und durch­bre­che die Schall­mauer, so wie Felix Baum­gart­ner, der vor kur­zem im Welt­all gesprun­gen ist. Eines Tages will ich dort auch einen „Jump“ machen. Zumin­dest auf dem Mond.

Ist es wie eine Droge für dich?

Nein, ich kann meine „Jumps“ kon­trol­lie­ren, ich bin ja kein Ver­rück­ter. Klar will ich popu­lär sein und der Welt meine Bot­schaft der Frei­heit mit­tei­len aber ich bin nicht durch­ge­knallt. Ich bin ein­fach nur ein impul­si­ver Kerl mit einem gro­ßen Herzen!

War es dein Traum Fuß­ball­profi zu wer­den? Schnell bist du ja!

Ich habe immer gut Fuß­ball gespielt. Als klei­ner Junge wollte ich mei­nen gro­ßen Ido­len nach­ei­fern. Mir hat der Fuß­ball immer gefal­len, aber als ich älter wurde, hat mir auch das Kino gefal­len. Mein aktu­el­ler Traum ist es, Schau­spie­ler zu sein und eines Tages einen Oscar zu gewin­nen. Ich weiß, das wird schwer, aber es ist mein Traum.

Du hast bei Face­book über 200.000 Fans. Mil­lio­nen Men­schen haben dich schon im TV gese­hen. Macht dich das stolz?

Jimmy Jump Flitzer beim Flexstrom Cup in Berlin Max-Schmeling-Halle

Jimmy beim Wett­lauf in der Max-Schmeling-Halle-Berlin

Im End­ef­fekt ist es meine Arbeit, die Fans auf dem Lau­fen­den zu hal­ten und ich kom­men­tiere gerne bei Face­book – auf mei­ner Seite, aber auch auf den Sei­ten mei­ner Fans. Es würde mir gefal­len, eine Mil­lion Facebook-Freunde zu haben. Als ich zuletzt in der Max-Schmeling-Halle geflitzt bin und die Men­schen nach mir, dem berühm­tes­ten Flit­zer der Welt, rie­fen, hat mich das glück­lich und wirk­lich stolz gemacht.

Andere ren­nen wegen einer ver­lo­re­nen Wette nackt über den Platz und wer­den schnell ein­ge­fan­gen. War es für dich nie ein Thema, nackt zu rennen?

Ich bin weder nackt gerannt, noch für Spon­so­ren. Jimmy Jump ist immer selbst­stän­dig geflitzt und hat für alle seine Rei­sen und „Jumps“ selbst bezahlt. Jetzt will ich für die Frei­heit der Mensch­heit ren­nen und da ich wirk­lich nicht weiß, wie das in Zukunft wei­ter­ge­hen soll, brau­che ich Unter­stüt­zung von einem Team, um mich siche­rer zu fühlen.

Wie ist das Leben in Deutschland?

Es erweist sich als schwie­rig, die Spra­che zu erler­nen, aber ich mache einen Kurs, um mir einen Job suchen zu kön­nen und ein neues Leben hier zu begin­nen. Ich möchte mich gerne hier in Deutsch­land integrieren.

Was ist für dich typisch Deutsch?

Jimmy Jump Flitzer Streaker Deutschland Winter

Jimmy fühlt sich pudel­wohl in Deutsch­land, obwohl der Win­ter här­ter ist als in Spanien.

Bis jetzt hat mir das Essen sehr gut gefal­len, Grün­kohl ist ein sehr lecke­res Gemüse und die klas­si­sche Cur­ry­wurst schmeckt mir sehr. Mir gefällt auch sehr gut, dass es viel Hilfe und Unter­stüt­zung für Immi­gran­ten und arme Men­schen gibt und zudem ist Deutsch­land ein sehr siche­rer Staat. Mir gefällt auch das Klima, ein kal­ter Win­ter mit Schnee ist schön und hier sind die Häu­ser so gebaut, dass man nicht friert. Und nicht zu ver­ges­sen das Bier: Ich bevor­zuge Ber­li­ner Kindl.

Bei St. Pauli haben sie dich ren­nen las­sen. Du hast den Ball geklaut und hast aufs Tor geschos­sen. Ist St. Pauli des­we­gen dein deut­scher Lieblingsklub?

Der FC St Pauli ist mein deut­scher Lieb­lings­ver­ein, denn als ich 2010 am Mil­l­ern­tor geflitzt bin, habe ich dort gute Freunde gefun­den. Ich habe mit der Pira­ten­flagge die Haupt­tri­büne ein­ge­weiht. Aber ich mag auch andere Ver­eine. Ich will ein­fach nur, dass die Ver­eine freund­schaft­lich mit­ein­an­der umge­hen und dass es keine Gewalt in den Sta­dien gibt. Beim Flex­strom Cup in der Max-Schmeling-Halle bin ich mit einem Schal von Union Ber­lin und einem wei­te­ren von Her­tha BSC Ber­lin geflitzt. Damit möchte ich die Klubs darum bit­ten, sich gegen­sei­tig zu respek­tie­ren, genauso wie ich es gerne bei St. Pauli und Ham­burg sehen würde. Friede, Frei­heit, Gerech­tig­keit und Liebe: Das sind die Werte, die ich ver­mit­teln will. Ich bin auch mit Kin­dern in der Max-Schmeling-Halle um die Wette gerannt, was sehr viel Spaß gemacht hat, obwohl sie gegen mich gewon­nen haben. Ich beginne ein wenig alt zu wer­den mit mei­nen 37 Jahren.

Wie bist du beim Euro­vi­sion Song Con­test auf die Bühne gekommen?

Wie immer habe ich mich ohne Ticket rein­ge­schli­chen, das ist Teil mei­ner Arbeit. Ich nutze immer eine pas­sende Gele­gen­heit und ver­su­che unbe­merkt mit Mit­ar­bei­tern vom Fern­se­hen rein­zu­kom­men oder ein­fach wie ein Fan aus­zu­se­hen, der unbe­dingt seine Idole sehen will. An die­sem Tag habe ich mich ein­fach auf einen reser­vier­ten Platz gesetzt und als dann die Spa­nier san­gen bin ich los­ge­flitzt, um mit ihnen mit­zu­sin­gen und glück­lich zu sein.

Was liebst du an Barcelona?

Bar­ce­lona gefällt mir sehr und ist meine Lieb­lings­stadt, denn sie hat alles was mir gefällt: gutes Essen, schöne Land­schaf­ten, die Stra­ßen des goti­schen Vier­tels, wo ich die letz­ten Jahre im Zen­trum der Stadt lebte, meine Fuß­ball­mann­schaft Barca, mein Land Kata­lo­nien. Ich liebe das alles, aber ich muss mei­nen neuen Platz hier in Deutsch­land fin­den und eine Ersatz­fa­mi­lie, die mich mei­nen Geburts­ort ver­ges­sen lässt. Eines Tages werde ich nach Bar­ce­lona zurück­keh­ren wie der ver­lo­rene Sohn, der nach Hause kommt.

Was denkst du dar­über, dass Pep Guar­diola bald den FC Bay­ern Mün­chen trainiert?

Pep wird ein groß­ar­ti­ger Trai­ner bei den Bay­ern sein, genauso wie er es beim FC Bar­ce­lona war. Ich kann auch ver­ste­hen, dass er woan­ders trai­nie­ren will, er ist noch jung. Als Barca-Fan wün­sche ich ihm viel Glück, denn er hat uns viele Titel und die schönste Zeit in der Klub­ge­schichte geschenkt. Viel Glück Pep! Bay­ern Mün­chen hat eine sehr starke Mann­schaft. Ich hoffe, dass Bay­ern oder Dort­mund die­ses Jahr ins Finale der Cham­pi­ons Lea­gue in Wem­bley kom­men, am bes­ten gegen Bar­ce­lona. Ich würde gerne in Wem­bley flitzen.

Wir sehen immer nur wie du über den Platz rennst und ein­ge­fan­gen wirst. Aber was pas­siert danach? Wirst du von der Poli­zei ver­hört? Kannst du uns das schildern?

Es ist sehr schwer vor­aus­zu­se­hen was nach einem Sprung pas­siert, denn als Flit­zer ist man bei der Ver­an­stal­tung nicht ein­ge­plant und wenn man dann flitzt wer­den alle ner­vös, ins­be­son­dere die Ord­nungs­hü­ter des Events. Ich will ein­fach nur meine Bot­schaft vor Kame­ras, bei Events und in Fuß­ball­sta­dien ver­kün­den. Aber die Ver­ant­wort­li­chen wer­den das nicht ver­ste­hen und immer wie­der ver­su­chen mich zu stop­pen. Nor­ma­ler­weise hal­ten sie mich eine Weile fest, bis sie mich in die Hände der Poli­zei über­ge­ben. Pro­bleme habe ich spä­ter mit der Jus­tiz. Nor­ma­ler­weise muss ich nach einem gro­ßen „Jump“ eine Nacht in der Zelle der nahe­ge­le­gens­ten Poli­zei­dienst­stelle ver­brin­gen und am nächs­ten Tag vor Gericht erschei­nen, um die Höhe der Geld­buße zu erfah­ren, die ich wegen Haus­frie­dens­bruch und Unter­bre­chung der Show oder des Spie­les zah­len muss. Aber das inter­es­siert mich nicht, denn das Ein­zige was ich möchte, ist einige Sekun­den mein T-Shirt vor der Kamera zei­gen zu kön­nen, auch wenn das von Mal zu Mal schwie­ri­ger wird auf­grund der immer stren­ger wer­den­den Sicher­heits­vor­keh­run­gen. Außer­dem fil­men die TV-Kameras Flit­zer nicht mehr so spon­tan wie früher.

Wei­ter zum zwei­ten Teil des gro­ßen Jimmy Jump Interviews.

 





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