Hinspiele im Champions-League Achtelfinale – Katerstimmung


veröffentlicht am Donnerstag, 27. Februar 2014 15:53, von unserem Autor Christian Eck in Rund um den Ball. null Kommentare

Nach­dem der FC Schalke 04 ges­tern die Ach­tel­fi­nal­hin­spiele der lau­fen­den Champions-League Sai­son mit einem Pau­ken­schlag been­det hat, ist es unum­gäng­lich den Ereig­nis­sen der letz­ten bei­den Wochen eine kurze Rand­be­mer­kung anzu­fü­gen. Ord­nungs­hal­ber in chro­no­lo­gi­scher Reihenfolge.

Bayer 04 Lever­ku­sen – Paris St. Ger­main 0:4

Der aktu­ell zweit­plat­zierte der Bun­des­liga durfte den Auf­takt machen in der K.O.-Runde der dies­jäh­ri­gen Champions-League. Zu Gast in der BayA­rena war kein gerin­ge­rer als das (Neu-)Fußballschwergewicht aus Paris. Die Fuß­ball­zwerge aus Lever­ku­sen sind klare Außen­sei­ter gegen die Gigan­ten aus Paris, so zumin­dest der Tenor direkt nach der Aus­lo­sung. Pas­send dazu gestal­tete SKY im Vor­feld der Par­tie eine Glo­ri­fi­zie­rung des Zla­tan I., anstatt sich um eine akzep­ta­ble Bericht­er­stat­tung zu küm­mern. Nichts­des­to­trotz zeig­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen von Bayer 04 doch recht opti­mis­tisch und glaub­ten an ihre Chance, das Spiel posi­tiv zu gestal­ten. Völ­lig zurecht und legi­tim, würde eine ver­bale Auf­gabe bereits vor der Par­tie die Bun­des­liga in ein schlech­tes Licht rücken. Immer­hin ist Lever­ku­sen die zweit­beste Mann­schaft der „wohl bes­ten Liga der Welt“ – laut aktu­el­lem Tabellenstand.

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Zer­legte die Bayer-Elf mit sei­nen Man­schafts­kol­le­gen aus Paris nach Strich und Faden: Zal­tan Ibra­hi­mo­vic © Football.ua

90. Minu­ten spä­ter weiß nun auch der Aller­letzte in Lever­ku­sen, was es bedeu­tet „zla­ta­niert“ zu wer­den. Von den Ankün­di­gun­gen vor dem Spiel war wenig zu sehen. Ängst­lich und vor allem stark limi­tiert, ver­suchte Lever­ku­sen ins Spiel zu fin­den. Die­ses war aber bereits nach 3. Minu­ten für die Elf vom Rhein been­det. Als Zuschauer mit den bes­ten Plät­zen lie­fen sie die meiste Zeit neben­her und bestaun­ten ehr­furchts­voll das Kön­nen der Gäste aus Paris. Der Zweit­plat­zierte der Bun­des­liga ver­liert 0:4 im hei­mi­schen Sta­dion, das gibt durch­aus Anlass zur Besorg­nis für die Leis­tungs­fä­hig­keit des deut­schen Fuß­balls. Aber mor­gen spie­len ja die Bay­ern, die wer­den es dann schon wie­der richten.

Arse­nal Lon­don FCFC Bay­ern Mün­chen 0:2

0:2 — Stan­des­ge­mäß und wie erwar­tet. Trotz­dem war der Spiel­ver­lauf ein kom­plett ande­rer, als das reine Ergeb­nis ver­mu­ten lässt. Mit etwas mehr Glück geht Arse­nal früh in Füh­rung und das Spiel nimmt einen völ­lig ande­ren Ver­lauf. Aber die Wenn und Abers die­ser Par­tie wurde bereits zu genüge dis­ku­tiert. Letzt­lich war es eine erneut sou­ve­räne Vor­stel­lung der Bay­ern, die gleich­zei­tig auf­zeig­ten, dass auch sie ver­wund­bar sind. Aber alles andere wäre auch fern jeder rea­lis­ti­schen Einschätzung.

Immer dann, wenn Mann­schaf­ten eine gewisse Domi­nanz aus­strah­len (Madrid mit Zidane und Co., Bar­ce­lona unter Guar­diola und die Bay­ern heute), reden Exper­ten und Fach­män­ner eine Unbe­sieg­bar­keit her­bei, die schlicht und ein­fach völ­lig fehl am Platze ist. Die Leis­tung des FC Bay­ern ist, wie Mat­thias Sam­mer nie müde wird zu beto­nen, jedes Spiel aufs Neue harte Arbeit und kei­nes­wegs eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Und jede Mann­schaft, egal wie erfolg­reich, hat seine Schwach­stel­len und Schwä­che­pha­sen. Sich nun völ­lig über­rascht zu geben, dass Arse­nal Lon­don im eige­nen Sta­dion die Bay­ern 15.Minuten lang gefor­dert und teil­weise sogar über­for­dert hat, ist im Prin­zip eine Frech­heit. Arse­nal ist ein Spit­zen­team in Europa und spielt auch in der Pre­mier Lea­gue eine gewich­tige Rolle. Ihnen nun die Eigen­schaft abzu­spre­chen, auch gegen Bay­ern Mün­chen auf gleich­wer­ti­gem Niveau anzu­tre­ten, ist nicht nur despek­tier­lich gegen­über den Lon­do­nern, son­dern schmä­lert zugleich auch die Leis­tung des FCBs, wel­che an die­sem Mitt­woch wie­der her­aus­ra­gend war und einer Wie­der­gut­ma­chung für das 0:4 von Lever­ku­sen gleichkam.

Zenit St. Peters­burg – Borus­sia Dort­mund 2:4

In Russ­land ist seit dem 08.12.2013 Win­ter­pause. Zenit absol­vierte ihre letzte Par­tie sogar schon am 06.12. des letz­ten Jah­res. Diese Tat­sa­che hat die Borus­sia aus Dort­mund eis­kalt aus­ge­nutzt. Mit aggres­si­vem Pres­sing konn­ten schon nach 5. Minu­ten die Wei­chen auf Vier­tel­fi­nale gestellt wer­den, noch bevor die Spie­ler aus Russ­land über­haupt auf Betriebs­tem­pe­ra­tur kamen. Diese erreich­ten sie dann in der zwei­ten Hälfte und konnte mit Glück und groß­zü­gi­ger Hilfe des Schieds­rich­ters noch zwei Tore erzie­len. Dort­mund hielt aber im Stile einer Spit­zen­mann­schaft dage­gen und konnte letzt­lich sou­ve­rän den Aus­wärts­sieg mit nach Hause neh­men. An die­ser Stelle ein gro­ßes Kom­pli­ment an die Borus­sen, die trotz vie­ler Aus­fälle ihr lauf­in­ten­si­ves und auf­wen­di­ges Spiel durch­zie­hen und bewie­sen haben, dass sie inter­na­tio­nal kein Leicht­ge­wicht mehr sind, wel­ches nach einem Gegen­tref­fer bereits ins Schlin­gern gerät. Spä­tes­tens Hulks Frage nach einem mög­li­chen Wech­sel zur Borus­sia zeigt die inter­na­tio­nale Wert­schät­zung des Clubs. St. Peters­burg ist ohne Zwei­fel das ein­fachste Los unter den deut­schen Geg­nern und daher wird sich wohl auch erst beim Errei­chen der nächs­ten Runde zei­gen, wie groß das Leis­tungs­ver­mö­gen der Borus­sia tat­säch­lich ist.

FC Schalke 04 – Real Madrid 1:6

Viel wurde berich­tet und gere­det vor Schal­kes Achtelfinal-Hinspiel in der Champions-League. Groß war die Vor­freude und klar der Plan. Mög­lichst zu Null aus der Par­tie gehen und in Madrid sehen was mög­lich ist. Ähn­lich wie bei Lever­ku­sen endete die­ses Vor­ha­ben in einem Fiasko. Wäh­rend man in den ers­ten Minu­ten noch gut mit­hielt und erfri­schend frech nach vorne agierte, been­dete ein Dop­pel­schlag inner­halb von 8 Minu­ten jeg­li­che Hoff­nun­gen der Schal­ker. Zuneh­mend wurde offen­sicht­lich, dass für viele der Spie­ler der Schal­ker das abso­lute Top­ni­veau der Champions-League mei­len­weit ent­fernt ist. Die Innen­ver­tei­di­gung um San­tana und Matip stellt einen soli­den Bun­des­li­ga­stan­dard da, mehr aber auch nicht. Sowohl im Spiel­auf­bau, als auch in ihrer Haupt­auf­gabe, der Ver­tei­di­gung, gerie­ten sie mehr als ein­mal an ihre Gren­zen. Dem Schal­ker Hoff­nungs­trä­ger Julian Drax­ler merkte man die feh­lende Spiel­pra­xis an. Völ­lig ener­gie­los bewegte er sich meist im Dau­er­lauf über das Feld, spielte Fehl­pass um Fehl­pass und ver­gab zudem noch die beste Mög­lich­keit der Schal­ker. So blieb vie­les im Schal­ker Spiel Stück­werk und die meis­ten Offen­siv­be­mü­hun­gen lie­fen über den agi­len, aber meist allein­ge­las­se­nen Far­fan, wel­cher als einer der weni­gen seine inter­na­tio­nale Klasse unter Beweis zu stel­len ver­mochte. Das 1:6 ist ein rie­sen­gro­ßer Rück­schritt. Nicht nur für Schalke 04, son­dern ins­be­son­dere für den deut­schen Fußball.

Die stärkste Liga der Welt?

Was bleibt nun nach die­sen Par­tien? Groß war die Freude über vier Mann­schaf­ten im Ach­tel­fi­nale der Champions-League, unter­mau­erte diese Anzahl doch die neu­ge­won­nen Stärke der Bun­des­liga. Zwei Wochen spä­ter sieht die Fuß­ball­welt in Deutsch­land völ­lig anders aus. Posi­tive Nach­rich­ten lie­fer­ten wie bereits letzte Sai­son der FC Bay­ern Mün­chen und Borus­sia Dort­mund, wel­che mitt­ler­weile beide zu den inter­na­tio­na­len Top-Teams zu zäh­len sind. Davon wurde im Vor­feld aber ohne­hin aus­ge­gan­gen und alles andere wäre einer gro­ßen Über­ra­schung gleich­ge­kom­men. Was danach kommt berei­tet aber grö­ßere Sorgen.

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Schei­det mit Ein­tracht Frank­furt heute Abend auch das letzte ver­blie­bene deut­sche Team in der Europa-League aus?

Natür­lich sind Paris St. Ger­main und Real Madrid andere Kali­ber als Schalke 04 und Bayer Lever­ku­sen. Dies war von vor­ne­her­ein klar. Den bei­den deut­schen Teams traute in die­ser Kon­stel­la­tion ledig­lich ein beken­nen­der Opti­mist ein Wei­ter­kom­men zu. Trotz­dem ist es erschre­ckend, wie sich die bei­den Mann­schaf­ten prä­sen­tier­ten. Chan­cen­los wie Schü­ler­mann­schaf­ten agier­ten sie die meiste Zeit, einer Bla­mage gleich­kom­mend. Von Kon­kur­renz­fä­hig­keit darf an die­ser Stelle nicht gespro­chen wer­den. Und so stellt sich hier auch die Frage nach der eigent­li­chen Qua­li­tät der Bun­des­liga. Gerne rühm­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen und die Medien nach dem deut­schen Finale der letzt­jäh­ri­gen Champions-League Sai­son mit der bes­ten Liga der Welt. Und gerne ver­ga­ßen sie dabei das schwa­che Abschnei­den der wei­te­ren deut­schen Mann­schaf­ten auf inter­na­tio­na­lem Par­kett. Schalke musste gegen Gala­ta­sa­ray Istan­bul – eine Mann­schaft min­des­tens auf Augen­höhe – im Ach­tel­fi­nale die Segel strei­chen. Glad­bach schei­terte bereits in der Qua­li­fi­ka­tion zur Champions-League und genauso spä­ter in der 2. Runde der Europa-League. Dort erreichte ledig­lich der VfB Stutt­gart das Ach­tel­fi­nale und schied dann auch dort sang– und klang­los gegen Miro Klo­ses Lazio Rom aus. Auch die­ses Jahr ist mit Ein­tracht Frank­furt ledig­lich eine Mann­schaft ins Ach­tel­fi­nale der Europa-League vorgestoßen.

Zwei­fel­los sind mit Bay­ern Mün­chen und Borus­sia Dort­mund zwei inter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hige Ver­eine vor­han­den, die regel­mä­ßig Wer­bung für den deut­schen Fuß­ball machen. Was danach kommt ist aber kei­nes­wegs auf inter­na­tio­na­lem Top­ni­veau. Hier­für gibt es ver­schie­dene Fak­to­ren wie Inves­to­ren, Pres­tige, Schul­den etc., es geht aber an die­ser Stelle nicht um eine Suche nach Grün­den für die feh­lende Qua­li­tät, son­dern um die Frage nach der eigent­li­chen Qua­li­tät der Bun­des­liga. Denn wenn man den Titel der stärks­ten Liga der Welt für sich bean­sprucht, wie es mitt­ler­weile viele hier­zu­lande tun, dann muss schlicht und ein­fach die­ser Anspruch auch in der Breite unter­mau­ert wer­den. Und genau die­ser Schritt fehlt der Bun­des­liga noch, um tat­säch­lich die beste Liga der Welt zu sein. Auf inter­na­tio­na­lem Niveau sind viele der deut­schen „Spit­zen­ver­eine“ immer noch nicht mehr als Mit­tel­maß – oder im Falle von Lever­ku­sen und Schalke die­ses Mal sogar nur Schieß­bu­den. Die Vor­aus­set­zun­gen sind da: neue Sta­dien, groß­ar­tige Fans, gesun­des Finanz­ma­nage­ment. Trotz­dem hat der deut­sche Fuß­ball noch eine Menge Arbeit vor sich und sollte nicht im Irr­glau­ben an die eigene Stärke Feh­ler wie die Nach­barn aus Eng­land bege­hen. Denn auch die Pre­mier Lea­gue behaup­tete lange die stärkste Liga der Welt zu sein, und steht nun mit fast allen Champions-League-Teilnehmern vor dem Aus.





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