Die Schlenzer Transfer-Analyse — Teil 2


veröffentlicht am Dienstag, 6. August 2013 14:41, von unserem Autor Christian Eck in Rund um den Ball, Strikte Satire. null Kommentare

Ges­tern gab’s bereits die Schlenzer-Analyse der bis­he­ri­gen Trans­fers in der Bun­des­liga. Hier war ja bereits schon eini­ges los. Was aber auf dem inter­na­tio­na­len Trans­fer­markt bis­her abging, über­steigt wie­der alle Vor­stel­lungs­kraft. Und das aus­ge­rech­net im Jahr der Ein­füh­rung des Finan­cial Fair-Plays. Die Trans­fer­ma­chen­schaf­ten man­cher Her­ren gehen sogar so weit, dass sich Arsene Wen­ger genö­tigt fühlt, sich als Mah­ner zu pro­fi­lie­ren. Ver­ständ­lich, denn Wunsch­stür­mer Sua­rez für 65 Mil­lio­nen und mehr frei­zu­kau­fen, das man­gelt doch jedem Bezug zur Rea­li­tät. Die von Arse­nal gebo­te­nen 40 Mil­lio­nen sind da schon eher ange­mes­sen. So viel dazu.

Aber bevor an die­ser Stelle das Thema aus den Augen ver­lo­ren geht, stei­gen wir gleich ein mit den inter­na­tio­na­len Top-Transfers.

Edi­son Cavani, 26 Jahre
Von SSC Nea­pel zu Paris St. Ger­main — 65 Millionen

Edison Cavani

Stürmt zur neuen Sai­son an der Seite von Zla­tan Ibra­hi­mo­vic — da droht nicht nur Explo­si­ons­ge­fahr im geg­ne­ri­schen Straf­raum.
© commons.wikimedia.org

Es dau­erte ein wenig, aber am Ende gab es dann doch das Happy-End. Der Uru darf nun in der Stadt der Liebe stür­men, an der Seite von König Ibra­hi­mo­vic. 2010 noch mit Zahn­spange als Ein­wech­sel­spie­ler bei der WM ein rela­tiv unbe­schrie­be­nes Blatt, jetzt 65 Mil­lio­nen schwer und der Schwarm aller Frauen. So schnell kann es gehen im Fuß­ball. Der Trans­fer wirft aber schon bereits im Vor­feld einen Schat­ten auf Paris. Denn ganz so har­mo­nisch wird es zwi­schen Cavani und Ibra­ka­da­bra wohl nicht zu gehen – denn trifft Platz­hirsch auf Platz­hirsch muss einer wohl oder übel den Kür­ze­ren zie­hen. Angeb­lich hat Ibra­hi­mo­vic gar nicht mal so große Lust auf Cavani. Aber auf die Frage, ob die bei­den denn über­haupt zusam­men pas­sen, hatte Mino Rai­ola, sei­nes Zei­chens Bera­ter von Zla­tan, gleich die pas­sende Ant­wort parat: „Mit Zla­tan könnte auch ich zusam­men­spie­len.“ Mitt­ler­weile scheint sich aber Ibra­hi­mo­vic mit dem Neu­zu­gang aran­giert und sich sogar mäch­tig für sei­nen neuen (Sturm)Partner in Schale gewor­fen zu haben. Dies blieb selbst der guten Bravo Sport nicht ver­bor­gen. Da muss sich der liebe Götze dann aber doch gewal­tig stre­cken, um die­ses Out­fit zu top­pen. Gerüch­ten zu Folge denkt Mat­thias Sam­mer bereits über einen Ibrahimovic-Deal nach – nur der Optik wegen ver­steht sich.

Fal­cao, 27 Jahre
Von Atle­tico Madrid zu AS Monaco — 60 Millionen

Two roads diver­ged in a wood, and I –
I took the one less tra­ve­led by,
And that has made all the dif­fe­rence.” – Robert Frost

Wir geben es ja zu, ganz so phi­lo­so­phisch ging es bei Fal­cao dann doch nicht zu. Nichts­des­to­trotz han­delte er nach der Maxime „Do the unex­pec­ted!“ Denn halb, ach was, ganz Fuß­ball­eu­ropa war hin­ter dem kolum­bia­ni­schen Top­stür­mer her. Jeden Tag gab es neue Voll­zugs­mel­dun­gen, die umge­hend demen­tiert wur­den. Man war­tete eigent­lich nur noch, wel­cher Top-Klub den Zuschlag erhielt. Aber Fal­cao hatte wohl gerade Robert Frost zur Hand, und dachte sich, ich nehm den unbe­schrit­te­nen Weg — und wechsle ein­fach mal nach Monaco, dem frisch­ge­ba­cke­nen Ligue 1-Aufsteiger. Klingt ver­rückt, ist es aber eigent­lich gar nicht. Denn ganz im Gegen­satz zu sei­nem dich­te­ri­schen Vor­bild macht genau die­ser Schritt nicht den Unter­schied aus, son­dern folgt den Hulks und Wil­li­ans und wie sie alle hei­ßen. Denn letzt­lich war dies ein­fach nur der Weg, der das Maxi­mum an Geld ein­brachte. Logisch, dass schnell die übli­chen Flos­keln des „tol­len Pro­jekts“, „der Her­aus­for­de­run­gen“ und „ein Teil davon sein“ nicht lange auf sich war­ten lie­ßen. Ganz ehr­lich, wir fin­den es ein­fach nur ätzend.

Ney­mar, 21 Jahre
Vom  FC San­tos zum FC Bar­ce­lona — 57 Millionen

So, da wären wir dann nun end­lich ange­kom­men, beim „Jus­tin Bie­ber des Fuß­balls“.Und ganz ehr­lich, dies war mit Sicher­heit der Trans­fer, über den wir am meis­ten geju­belt haben. Nicht, weil wir uns so freu­ten, dass Ney­mar zu Bar­ce­lona wech­selt, son­dern viel­mehr dar­über, dass er der Bun­des­liga ver­schont geblie­ben ist und nun end­lich Ruhe im Kar­ton herrscht. Zum Ende hin ver­sag­ten die Augen sogar den Dienst, sobald der Name Ney­mar auf irgend­ei­ner Sport­seite auf­ge­taucht ist. Vor­ver­trag hier, siche­rer Wech­sel da, Inter­esse dort. Was solls, Bar­ce­lona hat nun die zwei Wun­der­kin­der des Fuß­balls in ihren Rei­hen. Ob es gut geht? War­ten wir ein­fach mal ab. Zu aller­erst muss sich der lau­fende Besen­stiel auch erst mal in Europa bewei­sen. Youtube-Videos und ein guter Confed-Cup rei­chen für das Niveau eines Mes­sis noch nicht aus. Für einen unglaub­li­chen, ja nahezu hys­te­ri­schen Medi­en­hype aber schein­bar schon. Das Beste am Trans­fer: 57 Mil­lio­nen Ablöse, davon 40 Mil­lio­nen Hand­geld für Ney­mar und den lie­ben Papi, 7,5 Mil­lio­nen an Inves­to­ren und Rech­te­in­ha­ber und ganze 9,5 Mil­lio­nen blei­ben dann noch dem FC San­tos übrig. Ach, du arme, arme Fußballwelt.

Fer­n­and­inho, 28 Jahre
Von Shakhtar Donetsk zu Man­ches­ter City — 40 Millionen

Jesus Navas, 27 Jahre
Vom FC Sevilla zu Man­ches­ter City — 20 Millionen

Ste­van Jove­tic, 23 Jahre
Von AC Flo­renz zu Man­ches­ter City — 26 Millionen

Jesus Navas

Auf heiße Sprint­du­elle dür­fen sich die Ver­tei­di­ger in der Pre­mier Lea­gue zur neuen Sai­son ein­stel­len. Flü­gel­flit­zer Jesus Navas stürmt ab sofort für Man­ches­ter City.
© super­lea­gue for­mula: the­be­au­ti­ful­race / flickr.com

Ja, auch die lie­ben Scheichs aus Man­ches­ter haben es die­sen Som­mer bereits mäch­tig kra­chen las­sen. Für diese drei Neu­zu­gänge mal schlappe 86 Mil­lio­nen hin­ge­blät­tert. Der teu­erste davon, Fer­n­and­inho, ist dabei sogar ein in Europa rela­tiv unbe­kann­ter Spie­ler. Zudem noch 28 Jahre alt, unre­gel­mä­ßi­ger Natio­nal­spie­ler in der Selecao und mit einem Pres­ti­ge­fak­tor von 0 aus­ge­stat­tet. Was bringt einen Ver­ein wie Man­ches­ter dann dazu, 40 Mil­lio­nen für die­sen aus­zu­ge­ben, wäh­rend man im offen­si­ven Mit­tel­feld eigent­lich bereits unglaub­lich gut besetzt ist? Ein­fa­che Ant­wort: Weil man‘s kann. Burn, Money, Burn!
Jesus Navas wurde ja schon län­ger in regel­mä­ßi­gen Abstän­den mit inter­na­tio­na­len Top-Klubs in Ver­bin­dung gebracht, blieb aber trotz­dem immer sei­nem FC Sevilla treu. Sicher­lich auch, weil es ihm dort aus­ge­spro­chen gut gefiel. Der Haupt­grund für die Ver­eins­treue war aber ein ande­rer: chro­ni­sches Heim­weh, wes­we­gen Navas auch lange Zeit nicht ein­mal für die spa­ni­sche Natio­nal­elf auf­lau­fen konnte. Nun soll sich alles gebes­sert haben. Ob aber aus­ge­rech­net das bezau­bernde Man­ches­ter die per­fekte erste Sta­tion für einen sen­si­blen Süd­län­der ist? Naja, bei dem Vor­na­men, da ist der Ärmel­ka­nal auch wie­der schnell zurück über­quert.
Ste­van Jove­tic hin­ge­gen wirkt auf den ers­ten Blick wie ein ganz soli­der Trans­fer. Nach dem Abgang von Quäl­geist Car­los Tevez nach Turin war in der Offen­sive ein Platz frei. Die­ser wurde anstän­dig gefüllt, 26 Mil­lio­nen stel­len in der heu­ti­gen Zeit auch keine Unsumme für einen Stür­mer dar (siehe Fal­cao, Cavani, Ney­mar) und Man­City ver­fügt nun wei­ter­hin über eine Ansamm­lung von Stür­mern, die jeder Abwehr das Fürch­ten lehrt.

Andy Car­roll, 24 Jahre
Vom FC Liver­pool zu West Ham United — 17,5 Millionen

Es ver­geht keine Trans­fer­pe­riode, ohne das min­des­tens ein Andy Car­roll dabei ist. Unglaub­lich aber war, Liver­pool hat tat­säch­lich einen Dum­men gefun­den, der den „for­merly known as one of the best hea­ders in the world“ haben will. Nach­dem Car­roll bereits letzte Sai­son nach West Ham aus­ge­lie­hen war, hieß es ja zuerst, dass man sich auf­grund des Finan­cial Fair-Plays den Spie­ler nicht leis­ten könne. Da aber so ziem­lich jeder außer­halb Deutsch­lands auf die Rege­lung sch****, hat auch West Ham ihren abso­lu­ten Wunsch­spie­ler ver­pflich­tet. Durch die 17,5 Mil­lio­nen hohe Ablöse ver­rin­gert sich der Trans­fer­ver­lust Liver­pools von 41 Mil­lio­nen auf 23,5 Mil­lio­nen — ohne Gehalts­kos­ten ver­steht sich. 23,5 Mil­lio­nen für 11 Tore und 6 Assists – ich glaube, ich höre Mario Gomez gerade im Hin­ter­grund laut lachen.

Chris­to­pher Samba, 29 Jahre
Von Queens Park Ran­gers zu Anzhi Mak­hach­kala — 11,5 Millionen

I’ll be back!“ So, oder so ähn­lich muss Chris­to­pher Sam­bas Abschied aus Russ­land im Win­ter geklun­gen haben. Und mir nichts, dir nichts ist er auch schon wie­der zurück. Zurück im beschau­li­chen Matsch von Mak­hach­kala. 41 Mil­lio­nen wur­den bis­her zusam­men­ge­rech­net für den Ex-Herthaner bezahlt. Mit wenig Talent viel errei­chen – den Bera­ter möchte ich auch gerne haben. Aber nach dem Abstieg mit Queens Park aus der Pre­mier Lea­gue musste auch ein Wech­sel her. „Ein Chris­to­pher Samba spielt keine zweite Liga!“ Eigent­lich wollte er ja unbe­dingt weg aus Russ­land, da seine Fami­lie noch in Lon­don weilt. Ob er die nun mit­ge­nom­men hat? Frag­lich. Aber wenn er es erneut so lange in Russ­land aus­hält wie bei sei­nem vor­he­ri­gen Auf­ent­halt, dann gibt es ja bald wie­der ein gro­ßes Fami­li­en­fest. Und wir wer­den wie­der Neues von Chris­to­pher berich­ten kön­nen. To be con­ti­nued — Win­ter 2014.

Dmitry Rybolovlev

Was kos­tet die Welt? Der Russe Dmitry Rybo­lov­lev mischt mit sei­nem AS Monaco die inter­na­tio­nale Fuß­ball­welt mäch­tig auf — Finan­cial Fair-Play hin oder her. © commons.wikimedia.org

Ansons­ten gab es noch viele wei­tere teils inter­es­sante, teils vogel­wilde und teils sehr skur­rile Trans­fers zu begut­ach­ten. Fal­cao war bei Monaco nicht der ein­zige Neu­zu­gang. Zuvor hat­ten sich bereits James Rod­ri­guez für stolze 42 Mil­lio­nen und Joao Mou­tinho für 25 Mil­lio­nen Ablöse den Mone­gas­sen ange­schlos­sen. Den FC Porto freuts – schnell mal 70 Mil­lio­nen gut gemacht, und gleich beim unglaub­li­chen Hulk zwecks einer Rück­kehr nach Por­tu­gal ange­fragt. Aus­gang offen. Monaco und Paris haben der­weil zusam­men mehr aus­ge­ge­ben als die ganze Bun­des­liga zusam­men — ohne nen­nens­werte Spie­ler­ver­käufe vor­zu­wei­sen. „Wie gut das nie­mand weiß, dass ich Mil­lio­nen sch***!“ Kurios geht’s auch in den unte­ren Ligen Eng­lands zu. Hier ver­pflich­tet Swin­don Town gleich 6 Spie­ler von den Tot­ten­ham Hot­spur — Men­gen­ra­batt inklusive.

Die König­li­chen aus Madrid haben bis­her gezielt junge, talen­tierte Spie­ler ver­pflich­tet. So wech­seln das spa­ni­sche Topta­lent Isco von Malaga und Asier Illar­ra­mendi von San Sebas­tian in die Haupt­stadt. Am ganz gro­ßen Coup wird ja aber bereits den gan­zen Som­mer gefeilt. Ganz genau, der täg­li­che Gareth. Heute Bale, mor­gen Bale — immer Bale. 120 Mil­lio­nen Ablöse sind mitt­ler­weile im Gespräch. In Wor­ten: EINHUNDERTUNDZWANZIG Mil­lio­nen Euro, für einen Spie­ler. Da bleibt mir nichts ande­res übrig, als die abge­dro­schene Phrase zu brin­gen: Dort ver­hun­gern wel­che, und die geben 120 Mil­lio­nen für einen ein­zi­gen Men­schen aus. Spa­nien geht wirt­schaft­lich am Krück­stock, die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit beträgt über 50% und ein Fuß­ball­ver­ein schleu­dert 120 Mil­lio­nen hin­aus. Und das Trau­rige an der Geschichte: Sollte die­ser Trans­fer wirk­lich zu Stande kom­men, wer­den die Mas­sen ins Sta­dion strö­men und den Neu­zu­gang fre­ne­tisch beju­beln. Liebe Welt, ver­stehe das wer will — wir sind raus!

Nach all den unglaub­li­chen Sum­men, die bis­her bezahlt wur­den und mit Sicher­heit noch bezahlt wer­den, bleibt letzt­lich eine trau­rige Gewiss­heit. Wer jetzt noch an das Fin­can­cial Fair-Play glaubt, der glaubt auch noch an den Weih­nachts­mann, an die Wie­der­ge­burt Fred­die Mer­cu­rys, der glaubt, dass 2pac noch lebt und Ralf Möl­ler wirk­lich ein guter Schau­spie­ler ist.  Aber an die­ser Stelle genug gejam­mert. Das Trans­fer­ka­rus­sel wird sich wei­ter dre­hen — viel­leicht fliegt ja noch der eine oder andere Bale oder Sua­rez dabei her­un­ter. Und was macht eigent­lich Cris­ti­ano, wenn er dann wirk­lich nicht mehr der teu­erste Spie­ler der Welt ist? Viel­leicht den hier? Oder doch eher die­sen? War­ten wir es ein­fach ab!





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