Die Schlenzer Transfer-Analyse — Teil 1


veröffentlicht am Montag, 5. August 2013 14:59, von unserem Autor Christian Eck in Rund um den Ball, Strikte Satire. null Kommentare

Warum bin ich so reich, so reich, so reich? Bin aus­ge­spro­chen reich. So reich war ich noch nie!“

So oder so ähnlich muss sich die­sen Som­mer der ein oder andere Fuß­ball­ma­na­ger im inter­na­tio­na­len Fuß­ball­zir­kus jeden Mor­gen beim Blick in den Spie­gel füh­len. Die­sen Ein­druck erhält man zumin­dest, wenn man sich die hor­ren­den Geld­sum­men anschaut, wel­che in die­ser Som­mer­pause wie­der den Besit­zer gewech­selt haben.

Geld macht Frei

Sel­ten trifft das Kunst­werk von Jacek Weso­low­ski den Kern so gut, wie in der Phase der gro­ßen Trans­fers.
© commons.wikimedia

Wie jedes Jahr zieht sie auf, die dunkle Wolke, vor der sich alle Fuß­bal­ler und Fans das ganze Jahr über fürch­ten und der sie doch nicht ent­kom­men kön­nen: die Som­mer­pause. Was für uns 0815-Kicker und Fuß­ball­kon­su­men­ten eine harte Fol­ter und kal­ter Ent­zug der liebs­ten Droge dar­stellt, ist für die Macher im Fuß­ball­ge­schäft aber die wich­tigste Zeit der Sai­son. Hier gilt es sein Team zu ver­bes­sern, Bank­drü­cker los­zu­wer­den, Schwarz­geld an den Mann zu brin­gen oder ein­fach nur ein paar Scheine zu ver­bren­nen. Kurzum, die Trans­fer­phase ist in vol­lem Gange.

Noch bis zum 31. August dür­fen und wer­den die Ver­eine sich mit neuem Spie­ler­ma­te­rial ein­de­cken um die neue Sai­son erfolg­reich zu gestal­ten. Knapp einen Monat vor Schlie­ßung des Trans­fer­fens­ters hat sich bereits schon eini­ges getan. Grund genug für uns, bei all dem Trans­f­er­wirr­warr und den Voll­zugs­mel­dun­gen eine erste Reka­pi­tu­la­tion der Dinge anzu­stre­ben. Vorab gilt es aber anzu­mer­ken, dass bei wei­tem nicht alle Trans­fers erwähnt wer­den kön­nen. Dies wäre in kei­nem Falle ziel­füh­rend und eine Sisyphus-Arbeit vor dem Herrn. Diese Über­sicht nimmt nur eine Aus­wahl der, unse­rer Mei­nung nach, bemer­kens­wer­tes­ten Trans­fers aufs Korn. Der Ein­fach­heit wegen begin­nen wir zuerst mit den Trans­fers der Bun­des­liga, bevor wir uns in das Chaos der inter­na­tio­na­len Trans­fer­szene wagen.

Mario Götze, 21 Jahre
Von Borus­sia Dort­mund zum FC Bay­ern Mün­chen — 37 Millionen

Viel Worte gibt es zur sport­li­chen Facette die­ses Trans­fers eigent­lich nicht mehr zu ver­lie­ren. Früh­zei­tig bekannt gege­ben und bereits tau­send­fach ana­ly­siert. Daher kurz und  knapp: Nach­dem ja bekann­ter­ma­ßen alles gewon­nen wurde, suchen die Bay­ern nach neuen Titeln. Das neue Liebespaar…äh, die neuen bes­ten Freunde Josef und Matze haben schnell erkannt, wo noch die letz­ten Pro­zent­punkte raus­zu­kit­zeln sind. Denn seit Meh­met Scholl und Schweini haben die Bay­ern zuneh­mend die Vor­macht­stel­lung bei Bravo Sport an den ver­hass­ten BVB ver­lo­ren, wo Mario und Marco die Her­zen der Fans im Sturm erg­rins­ten. Pro­blem erkannt und gekonnt zurück­ge­schla­gen. Nun löst der eine schöne Mario den ande­ren schö­nen Mario beim FCB ab — die Bravo Zukunft ist gesi­chert, der nächste Titel ein­ge­heimst. Und wer weiß, viel­leicht lässt sich Götze ja mal was neues ein­fal­len. Klickste hier. Aber wie sagte schon ein wei­ßer Pro­phet aus dem Mor­gen­land: „Eier, wir brau­chen Eier.“ In die­sem Sinne: Chapeau!

Mario Gomez, 28 Jahre
Vom FC Bay­ern Mün­chen zu AC Flo­renz — 15,5 Millionen

Vom Super-Mario zum Torero, was ein Übergang. Und wir blei­ben wei­ter­hin ganz geschmei­dig bei den Bay­ern, schließ­lich haben die die­sen Som­mer mal wie­der so rich­tig einen auf dicke Hose gemacht. Die Anzei­chen auf einen Gomez-Wechsel ver­dich­te­ten sich ja bereits letzte Sai­son zuneh­mend. Die ein­ge­baute Tor­ga­ran­tie fand sich ver­mehrt auf der Bank wie­der, weil Arbeits­tier Mandzu­kic den Vor­zug erhielt. Der Erfolg gab dem Trai­ner recht. Da nun mit Pep Guar­diola ein Fan der klei­nen wuse­li­gen Spie­ler an die Isar kommt, war nicht zu erwar­ten, dass die neue Sai­son für Gomez bes­ser lau­fen würde. Schwupps di Wupps, ab nach Bella Ita­lia, den Bauch pin­seln las­sen und neben­bei ein paar Tore schie­ßen. Nichts leich­ter als das. Nichts­des­to­trotz ver­hed­dert sich die lebende Tor­ma­schine in klei­nen Wider­sprü­chen. Sei­nen Wech­sel begrün­det er mit dem Wunsch nach mehr Spiel­zeit, eine Flucht vor der Bank sozu­sa­gen — um kurz dar­auf nach­zu­schie­ben, dass er sich unter Guar­diola sei­nen Stamm­platz wie­der zurück­er­kämpft hätte. Ja was denn nu? Hätte wäre wenn und aber…viel wich­ti­ger war doch die Ansage an sei­nen Nach­fol­ger: „Ey Mario, was du kannst kann ich schon lange!“ Chapeau²!

Thiago Alcán­tara, 22 Jahre
Vom FC Bar­ce­lona zum FC Bay­ern Mün­chen — 25 Millionen

Der letzte Bayern-Transfer in die­ser Liste, ver­spro­chen! Aber auch an die­sem kommt man nicht kom­men­tar­los vor­bei. Wäh­rend Iniesta und ins­be­son­dere Xavi zuneh­mend vor sich hin altern, ver­kauft Bar­ce­lona eines der viel­ver­spre­chends­ten Fuß­ball­ta­lente der Welt — für „mick­rige“ 25 Mil­lio­nen. Unglaub­lich, aber wahr. Schein­bar ist man in der kata­lo­ni­schen Haupt­stadt durch die Ver­pflich­tung Ney­mars in Rausch­zu­stände ers­ter Güte ver­setzt wor­den. Nun denn, Bay­ern macht mit die­ser Ver­pflich­tung eines der „Schnäpp­chen“ des Som­mers — und wenn Thiago die viel­ver­spre­chen­den Ansätze wäh­rend der Sai­son bestä­tigt ist er alle­mal eine Ver­stär­kung für den FCB. Bleibt die Frage, ob man diese auf­grund der Fülle an Mit­tel­feld­spie­lern über­haupt gebraucht hat? Aber nach der offen­si­ven For­de­rung Guar­dio­las wollte man den neuen Coach nicht gleich vor den Kopf sto­ßen. König Louis hat damals ja auch seine Wunsch­spie­ler Braaf­heid und Pran­jic zum Ein­stand geschenkt bekom­men. Und die sind schließ­lich in etwa die glei­che Kra­gen­weite wie Götze und Thiago — so in etwa… fast… ganz bestimmt, in irgend­ei­ner ande­ren Sportart.

Hen­rikh Mkhi­ta­ryan, 24 Jahre
Von Shakhtar Donetsk zu Borus­sia Dort­mund — 27,5 Millionen

Die Dort­mun­der haben durch den Götze-Transfer jetzt einen gro­ßen und gut gefüll­ten Geld­kof­fer.” (Rudi Völ­ler)

Und die­sen Geld­kof­fer leg­ten die Bosse von Dort­mund nicht unter ihr Kopf­kis­sen. Nein, sie woll­ten die Scheine mög­lichst schnell wie­der unter die Leute brin­gen, die Kon­junk­tur ankur­beln und die Wirt­schaft stär­ken. Sehr löb­lich. Nach Inves­ti­tio­nen von 50 Mil­lio­nen Euro sollte das ewige Understatement-Palaber der Dort­mun­der nun end­gül­tig ins Reich der Fabeln ver­wie­sen wer­den. Mkhi­ta­ryan, ein­fach­heits­hal­ber vom Bou­le­vard bereits Mücke getauft, stellt hier­bei den Königs­trans­fer der Borus­sia für diese Sai­son dar. Ein Arme­nier, der sich in der Ukraine seine Spo­ren ver­dient hat und inter­na­tio­nal ein rela­tiv unbe­schrie­be­nes Blatt ist. Dafür ist die Ablöse ein stol­zer Preis. Zwei­fel über die sport­li­chen Fähig­kei­ten der Mücke haben sich aber in der Vor­be­rei­tung schnell gelegt — trotz ver­let­zungs­be­ding­tem Aus­fall. Und auch die Inte­gra­tion gelingt dank Gesangs­stun­den mit dem lie­ben „Kävin aus der Nach­bar­schaft“ auch spie­lend. Fragt sich nur, wer hier wem was bei­bringt? Schaust du hier rein.

Pierre-Emerick Aub­a­meyang, 24 Jahre
Von AS Saint-Étienne zu Borus­sia Dort­mund — 13 Millionen

Aubameyang

Schnell, Schnel­ler, Aub­a­meyang. Der neue Flü­gel­flit­zer ver­spricht eini­ges an Spek­ta­kel für die Bun­des­liga — nicht nur optisch. © commons.wikimedia.org

Die Dort­mun­der machen es den Fuß­ball­mo­de­ra­to­ren echt nicht leicht. Schade, dass Wer­ner Hansch nicht mehr ans Mikro darf. Bei den bei­den Neu­zu­gän­gen würde mit Sicher­heit ein neues Level der Krea­ti­vi­tät erreicht: „Mech­ki­tar­üan mit dem lan­gen Ball auf Bjer-Emmarigg Owb­amöschang. Wahn­sinn, der Junge geht ab wie eine Rakete. Schuss, oh, da hätte nicht ein­mal eine Zei­tung dazwi­schen gepasst…“ Ok, ok. Genug in Erin­ne­run­gen geschwelgt. Aber schnell soll der Mann aus Gabun wirk­lich sein — sogar schnel­ler als der „Blitz“ Usain Bolt höchst­per­sön­lich. Zumin­dest auf den ers­ten 30 Metern. Dass er dies wirk­lich ist, hat er bereits im Super-Cup ange­deu­tet. Aber wenn ich etwas zurück­denke und mich recht erin­nere, gab es da nicht schon mal einen Roa­d­run­ner beim BVB? Und war der nicht an einem der für mich per­sön­lich emo­tio­nals­ten Fuß­ball­mo­mente betei­ligt? Sachen gibt‘s, die gibt‘s gar nicht!

André Schürrle, 22 Jahre
Von Bayer 04 Lever­ku­sen zum FC Chel­sea Lon­don — 22 Millionen

Heung-Ming Son, 21 Jahre
Vom Ham­bur­ger SV zu Bayer 04 Lever­ku­sen — 10 Millionen

Ohne den einen, gäbe es den ande­ren nicht. Daher packen wir diese Trans­fers ein­fach mal zusam­men. Schürrle hat es also end­lich geschafft: Nach­dem ein Jahr zuvor einem mög­li­chen Wech­sel ein Rie­gel vor­ge­scho­ben wurde, darf der liebe Junge aus dem schö­nen Lud­wigs­ha­fen am Rhein nun end­lich ins große Lon­don zie­hen. Dort kann der Spröss­ling dann auch gleich so eini­ges ler­nen. Kurs 1: Verbal-Prügel für den Schieds­rich­ter,  Kurs 2: Tore schie­ßen leicht gemacht  und zu guter Letzt Kurs 3: Denn zum Tre­ten sind sie da! Aber viel­leicht hegt Schürrle ja auch ein­fach nur die Hoff­nung, end­lich sei­nen ers­ten inter­na­tio­na­len Titel zu gewin­nen. Ein gewis­ser Herr hat hier mit Sicher­heit aus dem Näh­käst­chen geplaudert.

Samson

Dem­nächst die neue Flü­gel­zange bei Bayer 04 — Sam­son von der Sesam­straße.
© muppet.wikia.com

Im Gegen­satz zur Schürrle-de Bruyne-Leverkusen-Chelsea-Posse, war der Wech­sel von Heung-Min Son rela­tiv schnell geklärt. Lever­ku­sen hat die Kohle, HSV braucht die Kohle. Ange­bot / Nach­frage, die Gesetze des Mark­tes. Natür­lich noch die bes­sere sport­li­che Per­spek­tive und alles was dazu gehört. Durch­aus ein Trans­fer der sport­lich Sinn ergibt. Ins­ge­heim beab­sich­ti­gen die Lever­ku­se­ner dann aber doch was ganz ande­res. Ver­mehrt war in letz­ter Zeit man­gelnde Akzep­tanz der bis­her erbrach­ten Leis­tun­gen  moniert wor­den. Die Öffent­lich­keit ließe doch die nötige Wert­schät­zung für Lever­ku­sen ver­mis­sen. Schluss mit dem Kin­der­gar­ten, dachte sich da Tante Käthe. Wir haben den Sam, ich will den Son. Und dann haben wir…(Achtung Füße hoch, der kommt flach) Sam­son. Und dann wer­den wir auch mal von allen Sei­ten so rich­tig geliebt. Na wenn das mal nicht geziel­tes Trans­fer­ma­nage­ment ist.

Wei­ter­hin legt Dort­mund noch­mal 9,5 Mil­lio­nen für einen falsch geschrie­be­nen Phi­lo­so­phen hin. Lucien Favre holt sich sei­nen Zieh­sohn Raf­fael zurück unter seine Fit­ti­che und lässt sich den Spaß ganze 5 Mil­lio­nen kos­ten. Die glei­che Summe hat mitt­ler­weile die Her­tha für den Personal-Trainer von Raf­fa­els hung­ri­gem Bru­der hin­ge­blät­tert. Ein teu­rer Spaß, Herr Preetz. Bayer Lever­ku­sen macht neben Son noch zwei ver­rückte Schnäpp­chen und sichert sich die Dienste von Roberto „Ich-trag-die-Oberlippe-dick“ Hil­bert und dem Oldie Andrés Palop. Phil­ipp Lahm spürt bereits Hil­berts hei­ßen Atem im Nacken um den Start­platz in der DFB-Elf. Viel­leicht sollte er ja Kevin-Prince Boa­t­eng noch ein­mal bezah­len, damit er die Grätsche…aber halt, las­sen wir das an die­ser Stelle.

In Frei­burg hieß es hin­ge­gen „Gut und Güns­tig — Alles muss raus! Der Som­mer­schluss­ver­kauf im Breis­gau.“ Und alle kamen und sicher­ten sich die Schnäpp­chen. Dabei ging es aber nicht immer ganz so fried­lich und zivi­li­siert zu wie gewohnt. Auf Schalke hat man auf die Tor-Krise des Hun­ters rea­giert und mit Adam Sza­lai den Stür­mer der Hin­runde ver­pflich­tet. Stoß­stür­mer & Stoß­stür­mer — klingt nach klas­si­schem 4–4-2, lan­ger Ball und einer wird die Pille dann schon reinhaun.

Bunt gings zu bis­her in der Bun­des­liga. Ein Trans­fer­de­fi­zit von 45 Mil­lio­nen steht zu Buche. Nun gilt es abzu­war­ten, wen es in den nächs­ten Tagen und Wochen noch in die Bun­des­liga zieht. Und wer noch schnell die Flucht ergreift. Die Gerüch­te­kü­che wird noch wei­ter bro­deln. Wir hal­ten natür­lich Augen und Ohren offen. (Es gab natür­lich noch diverse Trans­fers, die hier uner­wähnt blie­ben. Wer es ganz genau haben will: Transfermarkt.de hilft weiter.)

Und wer immer­noch nicht genug hat, der kann gleich hier wei­ter­le­sen. Die Schlen­zer Transfer-Analyse — Teil 2: Das inter­na­tio­nale Geschäft!





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