Die Schlenzer-Transfer Analyse Sommer 2014/15 — Teil 1


veröffentlicht am Freitag, 12. September 2014 12:42, von unserem Autor Christian Eck in Rund um den Ball, Strikte Satire. null Kommentare

Seit zwölf Tagen ist nun das Trans­fer­fens­ter für die­sen Som­mer geschlos­sen. Elf Tage, die noch immer nicht aus­rei­chen, den dies­jäh­ri­gen Trans­f­er­wahn­sinn irgend­wie zu ver­ar­bei­ten. Wäh­rend die UEFA hart durch­greift und die ers­ten sehr schmerz­haf­ten  „Stra­fen“ für Financial-Fairplay Ver­stöße aus­spricht machen die Clubs ein­fach wei­ter, als wäre nichts gewe­sen. Völ­lig unbe­ein­druckt von jeg­li­chen wirt­schaft­li­chen und recht­li­chen Vor­ga­ben schie­ben alleine die Clubs aus der Pre­mier Lea­gue die unfass­bare Trans­fer­summe von mehr als einer Mil­li­arde Euro über den Ladentisch.

Es ist mitt­ler­weile eine kleine Tra­di­tion, dass an die­ser Stelle eine Über­sicht über die wich­tigs­ten Trans­fers gelie­fert wird. Die­ses Jahr kom­men wir etwas ver­spä­tet daher, was wohl daran liegt, dass wir selbst den Über­blick ver­lo­ren haben. Letzt­end­lich haben wir uns für eine Hand­voll Trans­fers ent­schie­den, die unse­rer Mei­nung nach am bemer­kens­wer­tes­ten sind – ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit (hier­für gibt es ja den gelieb­ten Transfermarkt.de). Begin­nen wir mit der Bun­des­liga (wo sich eigent­lich alleine der FC Bay­ern eine eigene Seite ver­dient hat), bevor es im zwei­ten Teil mit dem inter­na­tio­na­len Geschäft weitergeht.

Xabi Alonso, 32 Jahre
Von Real Madrid zum FC Bay­ern Mün­chen – 10 Millionen

Xabi_Alonso_(Real_Valladolid-Real_Madrid)

Gibt ab sofort die Kom­man­dos im Bayern-Mittelfeld: Xabi Alonso.
© rubén­or­te­ga­vega / commons.wikimedia

An aller­ers­ter Stelle ein 32jähriger Mit­tel­feld­spie­ler? Gewech­selt für die mitt­ler­weile unspek­ta­ku­läre Summe von 10 Mil­lio­nen Euro – und somit noch nicht ein­mal der Rekord­trans­fer der Bun­des­liga? Dazu noch ohne gro­ßes Medi­en­ge­plän­kel im Vor­feld in einer Nacht und Nebel-Aktion ein­fach mal im Vor­bei­ge­hen ver­pflich­tet? Klingt alles wenig auf­re­gend? Mit­nich­ten! Mit Xabi Alonso kommt ein Spie­ler in die Bun­des­liga, der tat­säch­lich alles gewon­nen hat, was es zu gewin­nen gibt. Und trotz­dem hat er sich über die Jahre das Auf­tre­ten des ehr­li­chen und sym­pa­thi­schen Arbei­ters bewahrt, der das Spiel sei­ner Mann­schaft wie kein Zwei­ter len­ken kann. Fra­gen nach sei­ner Leis­tungs­fä­hig­keit wur­den bereits nach sei­nem ers­ten Ein­satz in der Bun­des­liga im Keim erstickt. Der Mann, der stets wie ein gerade auf­ge­stan­de­ner Natur­bur­sche vor der 10 Stun­den­schicht Holz­fäl­len daher­kommt, macht ein­fach immer eine gute Figur. Ob in Liver­pool, Madrid oder jetzt in Mün­chen. Unser ers­ter Kom­men­tar zum Trans­fer: „Xabi Alonso in der Bun­des­liga? Porno!“

Robert Lewan­dow­ski, 26 Jahre
Von Borus­sia Dort­mund zum FC Bay­ern Mün­chen – Ablösefrei

Wir kom­men nicht herum, direkt beim FCB wei­ter­zu­ma­chen. Seit mehr als einem Jahr hat es sich ange­deu­tet, jetzt war es dann auch end­lich so weit. Wir wol­len nicht viele Worte ver­lie­ren, es wurde schon genug gesagt. Daher kurz und knapp.  Lewan­dow­ski + Bay­ern = Titel (Fol­gen hof­fent­lich noch), The­sen (der beste Stür­mer der Welt?), Tem­pe­ra­mente (Auf Wie­der­se­hen Mario Mandzu­kic!). So, oder so ähnlich.

Mehdi Bena­tia, 27 Jahre
Von AS Rom zum FC Bay­ern Mün­chen – 26 Millionen

Wie bereits erwähnt, der FC Bay­ern war sehr aktiv die­sen Som­mer. Bedingt durch den Kreuz­bran­d­riss von Javi Mar­ti­nez wurde kurz vor Laden­schluss noch ein­mal zuge­schla­gen. Wäh­rend sich der Alonso-Transfer förm­lich aus dem Nichts ergab, war die Benatia-Posse doch etwas zäher. Nun ist er also da, der Mann, der mit 23 noch beim SC Frei­burg durch­fiel. Schlech­tes Scou­ting Frei­burgs? Unglaub­li­che Ent­wick­lung Bena­tias? Oder ist der Neu­zu­gang viel­leicht gar nicht so gut, wie er ange­kün­digt wurde? Sei’s dahin gestellt. Guar­diola hat jetzt einen wei­te­ren „super, super, super“ Spie­ler. Und Bay­ern wie­der ein wenig Hol­ly­wood mehr. Also ist doch eigent­lich alles in bes­ter Ordnung.

Adrian Ramos, 28 Jahre
Von Her­tha BSC Ber­lin zu Borus­sia Dort­mund – 9.7 Millionen

Ciro Immo­bile, 24 Jahre
Vom FC Turin zu Borus­sia Dort­mund – 19.4 Millionen

Gleich im Dop­pel­back zum Bayern-Konkurrenten Num­mer Eins. Die­ser hatte lange genug Zeit, sich auf den Abschied von Robert Lewan­dow­ski vor­zu­be­rei­ten. Nur wie berei­tet man sich auf solch einen immen­sen sport­li­chen Ver­lust vor, für den man noch nicht mal ne müde Mark erhält? Ent­we­der wird man grö­ßen­wahn­sin­nig – oder tätigt gleich zwei eher unspek­ta­ku­läre Trans­fers. „Wir kön­nen Lewan­dowksi nicht erset­zen? Wol­len wir auch gar nicht!“, so der Tenor aus Dort­mund. Nun sol­len es Ramos und Immo­bile im Dop­pel­pack rich­ten. Flan­kiert von Aub­a­meyang bil­den sie die neue Sturm­reihe der Borus­sia. Ramos Qua­li­tä­ten sind in Deutsch­land seit län­ge­rem bekannt – ob die letzte Sai­son aber ein zufäl­li­ger Aus­schlag nach oben war oder der Spie­ler einen neuen Level erreicht hat, muss er diese Sai­son bewei­sen. Immo­bile hin­ge­gen fei­erte letz­tes Sai­son sein Coming-Out und kommt mit der Emp­feh­lung von 22 Sai­son­to­ren aus der Serie A. Bis­her beweist er aber eher noch einige Anpas­sungs­schwie­rig­kei­ten. Hof­fen wir auf Bes­se­rung. Oder doch eher „Nomen est Omen?“. Dafür fünf Euro ins Phrasenschwein.

Shinji Kagawa, 25 Jahre
Von Man­ches­ter United zu Borus­sia Dort­mund – 8 Millionen

Der BVB hat sein liebs­tes Kind zurück. Kagawa kommt ohne Selbst­ver­trauen und Spiel­pra­xis zurück aus sei­nem Traum­ziel Eng­land. Die Sta­tion Man­ches­ter hat sich nun eher als Alb­traum erwie­sen. Unter drei Trai­nern konnte sich der Japa­ner nicht dau­er­haft durch­set­zen. Jür­gen Klopp freut‘s den ver­lo­re­nen Sohn wie­der begrü­ßen zu kön­nen. Eine links, eine rechts, ein­mal hef­tig durch­ge­schüt­telt und dann wird der schon wie­der der Alte wer­den. Zudem kauft sich Dort­mund auch gleich die Meis­ter­schaft mit ein: zwei Jahre Kagawa, zwei Mal deut­scher Meis­ter. So ein­fach die Rech­nung, so schön kann Fuß­ball sein.

Hakan Cal­ha­noglu, 20 Jahre
Vom Ham­bur­ger SV zu Bayer 04 Lever­ku­sen – 14.5 Millionen

Hakan-Calhanoglu

Cal­ha­noglu weiß mit sei­nen 20 Jah­ren schon ziem­lich gut, wie man ein Thema bleibt.
© Fuguito / commons.wikimedia

20 Jahre alt – und schon mit allen Was­sern gewa­schen. Cal­ha­noglu fällt ein wenig aus dem Ras­ter, der aktu­ell her­vor­kom­men­den Nach­wuchs­spie­lern. Beim KSC noch mit Bre­men einig – um letzt­lich doch beim HSV zu lan­den. Beim HSV eine neue Ära ange­kün­digt um dann doch in einem ziem­lich skur­ril anmu­ten­den Krankheits-Psychologen-Transfergeschiebe nach Lever­ku­sen abzu­wan­dern. Große Her­aus­for­de­rung, Champions-League und so wei­ter. Is‘ klar, ken­nen wir alles. Danach noch ordent­li­ches Nach­tre­ten von allen Betei­lig­ten und die Trans­fer­ko­mö­die die­ses Som­mers ist per­fekt. Nichts­des­to­trotz: sport­lich ist Cal­ha­noglu über jeden Zwei­fel erha­ben. Dies zeigt er auch bereits in die­ser jun­gen Sai­son. Jetzt wäre er gut bera­ten, erst­mal ein­fach nur Fuß­ball zu spie­len. Aber die Sterne, sie sind doch so ver­lo­ckend nah.

Piere-Michel Lasogga, 22 Jahre
Von Her­tha BSC Ber­lin zum Ham­bur­ger SV – 8.5 Millionen

Weil es so schön ist, blei­ben wir direkt beim HSV. Nach lan­gem hin und her und mit freund­li­cher Unter­stüt­zung der Calhanoglu-Millionen konnte nun doch der Wunsch­stür­mer fest ver­pflich­tet wer­den. Lasogga kommt mit der Emp­feh­lung, den HSV mit sei­nen 13 Sai­son­to­ren mehr oder weni­ger im Allein­gang letzte Sai­son über Was­ser gehal­ten zu haben. Große Hoff­nung wird in den bul­li­gen Stür­mer gesetzt. Dass die­ser letzte Sai­son nur 22 von 34 Bun­des­li­ga­spie­len zur Ver­fü­gung stand – sei’s drum. Dass er jetzt schon wie­der ange­schla­gen ist? Egal. Dass neben Lasogga mit dem unge­lieb­ten Let­ten Art­joms Rud­nevs nur noch ein ech­ter Stür­mer im Kader des HSV steht? Passt schon. Der Las­soga wird’s schon rich­ten. Im Not­fall gibt es jetzt ja auch noch den Lewis, den Julian und den Valon. Alles Super­ty­pen, mit ganz viel Spielpraxis.

Marc-André ter Ste­gen, 22 Jahre
Von Borus­sia Mön­chen­glad­bach zum FC Bar­ce­lona – 12 Millionen

Als Wunsch­tor­hü­ter bereits im Win­ter ver­pflich­tet. Die Lösung für die Zukunft. Ein Kind­heits­traum wird wahr. Alles in bes­ter Ord­nung. Bis dann Bar­ce­lona den Trai­ner gewech­selt hat. Luis Enri­que wollte näm­lich mal so gar nichts wis­sen von einer fes­ten Hack­ord­nung im Tor. Schnell wurde mit Jordi Masip der Tor­wart der zwei­ten Mann­schaft beför­dert. Enri­que, ehe­ma­li­ger Trai­ner von Bar­ce­lona B kennt die­sen sehr gut und schätzt des­sen Leis­tun­gen. Als wäre dies nicht genug wurde dann noch Clau­dio Bravo ver­pflich­tet, einer der bes­ten Tor­hü­ter der letz­ten WM – für schlappe 12 Mil­lio­nen Euro. Klingt nicht nach der Ablöse, die für einen Ersatz­tor­hü­ter gezahlt wird. Als wäre dies noch nicht genug, ver­letzte sich ter Ste­gen und fiel erst­mal eine Weile aus. Doch nicht alles in bes­ter Ord­nung. Klingt eher wie ein schlech­ter Scherz. Auf jeden Fall inter­es­sant, wie sich das wei­ter entwickelt.

Ansons­ten war wei­ter­hin noch jede Menge los in der Bun­des­liga. Über Toni Kroos‘ Trans­fer wurde hier schon genug gesagt. Mario Mandzu­kic flüch­tete vor den spanisch-polnischen Ver­hält­nis­sen in Mün­chen – direkt nach Spa­nien. Ein­falls­reich. Mit Diego Simone trifft er nun aber auf einen Trai­ner, der mit Sicher­heit auch ein Ver­ständ­nis für seine gele­gent­li­che Undis­zi­pli­niert­hei­ten hat. Die Her­tha ver­stärkt sich mit zwei gro­ßen Namen aus dem inter­na­tio­na­len Geschäft: Salo­mon Kalou und Johnny Heitinga. Julian Schie­ber hat das Tore schie­ßen wie­der für sich ent­deckt und Jos Luhu­kay trägt wei­ter­hin stolz den Porno-Balken spa­zie­ren: Micha Preetz, stell schon mal den Cham­pa­gner kalt. diese Sai­son wird ein Fest – so oder so.

Wäh­rend­des­sen macht Oli­ver Bau­mann den Wiese und wech­selt nach Hof­fen­heim. Damit hat Hof­fen­heim nun sechs Tor­hü­ter unter Ver­trag und seit 2008 ins­ge­samt elf Tor­hü­ter ver­schlis­sen. Sollte es mit Bau­mann wie­der nicht klap­pen haben wir schon ein­mal mal ein paar Namen aus­ge­sucht für etwas mehr Kon­ti­nui­tät im Tor: Gabor Király, Oka Niko­lov, Claus Reit­maier und zu guter Letzt – Tomis­lav „Pipi – Die Katze“ Pip­lica. Legen­den.

Mike_Hanke_cropped

Schnürrt jetzt seine Schuhe im fer­nen Asien: Mike Hanke.
© James Steak­ley / commons.wikimedia

Aber neben etli­chen neuen Namen, müs­sen wir auch die­ses Jahr wie­der einige schmerz­hafte Abschiede fei­ern – von gro­ßen Spie­lern, die uns etli­che große und unver­ges­sene Momente bescher­ten. Da wäre Juan Arango, der König des Fern­schus­ses, den es nun nach Tijuana zieht. Ebenso der heiß­ge­liebte Mike Hanke ver­lässt die Bun­des­liga – neues Ziel: Asien. Genauer gesagt GZ Renhe, China. Dort trifft er auf einen alten Bekann­ten. Zwetschge Misi­mo­vic hat ja dort sei­ner Kar­riere den abso­lu­ten Höhe­punkt hin­zu­ge­fügt – aus finan­zi­el­ler Sicht. Han­kes Kampf um einen Platz in der Natio­nal­mann­schaft will er nun noch ein­mal rich­tig Auf­trieb geben. Schließ­lich steht die EURO 2016 vor der Tür – und der Klose is‘ ja nun auch nicht mehr da. Für einen enor­men sport­li­chen Ver­lust sor­gen fol­gende Abgänge: Michael Man­ci­enne, Ola John, Ousam Boy und Edson Braaf­heid. Alles Spie­ler, die einen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen haben – auf gan­zer Linie.

Zum Schluss wol­len wir uns noch bei zwei Spie­lern, die seit Jah­ren zum Bun­des­li­ga­in­ven­tar gehö­ren, für die schöne Zeit bedan­ken: Daniel van Buy­ten und Clau­de­mir Jerô­nimo Bar­reto Hel­mut Cacau. Vie­len Dank für alles und macht‘s Gut!

Das war es mit der Trans­fe­r­ana­lyse für die Bun­des­liga. Mor­gen geht es wei­ter mit dem zwei­ten Teil: dem Wahn­sinn auf dem inter­na­tio­na­lem Parkett.





Diskussionskultur

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>