Die Akte Götze und Hoffnung für den BVB


veröffentlicht am Mittwoch, 24. April 2013 12:52, von unserem Autor Marc Andruszko in Rund um den Ball. null Kommentare

Mario Götze wech­selt vom BVB zu Bay­ern Mün­chen, PUNKT. Warum, wieso, wes­halb? Das weiß nur Götze selbst. Viel­leicht lag der kleine Götz­inho einst in sei­nem Kin­der­bett im All­gäu unter einer Bay­ern Mün­chen Bett­de­cke und träumte dort seine Fußballträume.

Die liebe Moral

Über was gespro­chen wer­den muss, ist die mora­li­sche Dimen­sion des Wech­sels, der just vor dem Champions-League-Halbfinalspiel des BVB gegen Real Madrid publik wurde. Vor einem Spiel, das für den BVB von his­to­ri­scher Bedeu­tung ist, weil es das I-Tüpfelchen auf der Klopp­schen Ent­wick­lung der Borus­sia wer­den soll, eine Demons­tra­tion der gren­zen­lo­sen Spiel­freude, auch und gerade von Mario Götze, einer Sym­bol­fi­gur für den neuen BVB.

Wie wird Mario Götze selbst den Shits­torm, der in Orkan­stärke über seine Per­son hin­weg­fegte und nicht viel Gutes zurück­ließ, ver­kraf­ten? Ein 20jähriger, der sei­nem fuß­bal­le­ri­schen Genie ver­trauen kann — aber wie steht es um seine Psyche?

Die Ver­mu­tung vie­ler Fans, die öffent­li­che Bekannt­ma­chung von Göt­zes Wech­sel sei ein Schach­zug von Uli Hoeneß, um die Steu­er­hin­ter­zie­hung aus der Bericht­er­stat­tung zu rei­ßen und den Fokus wie­der auf den fuß­bal­le­ri­schen FC Bay­ern zu len­ken, ist nicht weit her­ge­holt. Jedoch erscheint frag­lich, ob Hoeneß, gegen den ein Haft­be­fehl der Staats­an­walt­schaft Mün­chen vor­lag, selbst in die­ser auf­wüh­len­den Zeit noch das Kal­kül besitzt, die Medien für sei­nen FC Bay­ern der­art zu instrumentalisieren.

Ich glaube: nein. Zumal der FC Bay­ern und der BVB in letz­ter Zeit einen äußerst respekt­vol­len Umgang mit­ein­an­der pfleg­ten. Die Fra­gen nach dem sich angeb­lich in tro­cke­nen Tüchern befin­den­den Wech­sel von Lewan­dow­ski zum FC Bay­ern wur­den immer wie­der abge­wie­gelt. Wohl auch, um die Mis­sion Cham­pi­ons Lea­gue des BVB nicht unnö­tig zu gefähr­den, keine Unruhe auf­kom­men zu las­sen und Lewan­dow­ski nicht unnö­tig psy­chisch zu belasten.

Mario Götze Natiionalmannschaft

Mario Götze: am Ball über jeden Zwei­fel erha­ben. Foto: Steindy / commons.wikimedia.org

Warum jetzt also Götze? Ist er ein media­les Bau­ern­op­fer, geld­gei­ler Fuß­bal­ler, herz­lo­ser Kicker oder ein Spie­ler mit dem fal­schen Bera­ter? Die Fans des BVB hadern mit ihm, da sie ihn als Kind des erfolg­rei­chen BVB emp­fin­den und hadern mit den Bay­ern, da das Inter­esse an Lewan­dow­ski und die Ver­pflich­tung Göt­zes als Rück­fall ins alte Konkurrenz-Schwächungs-Prinzip der Trans­fer­po­li­tik des FCB gewer­tet wer­den kann. Vor allem haben die Fans des BVB ein­fach Angst, dass mit Götze und Lewan­dow­ski die Genies von Bord gehen und vom krea­ti­ven Flagg­schiff BVB in Zukunft nur noch ein müder Kahn übrig­bleibt, der durch die Mit­tel­mä­ßig­keit des euro­päi­schen Fuß­balls düm­pelt. Sie glau­ben an die­ses Pro­jekt Klopp und wol­len nicht, dass es auf­hört. Sie glau­ben an den Champions-League-Titel. Wenn nicht die­ses Jahr, dann bald.

Es ist jedoch wich­tig, sich vor Augen zu hal­ten, dass sich auch der BVB im Wan­del befin­det. Das Gehalts­ni­veau musste nach den Meis­ter­schaf­ten deut­lich ange­ho­ben wer­den. Ein Resul­tat der Ver­pflich­tung von Marco Reus, wel­che die Gehalts­struk­tur ins Wan­ken brachte, und natür­lich dem enor­men Inter­esse ande­rer Ver­eine an den über­ra­gen­den BVB-Spielern. Ver­träge wur­den vor­zei­tig ver­län­gert. Und das nicht nur, um Spie­ler ewig an den Ver­ein zu bin­den, son­dern, weil es ein­fach not­wen­dig war, den Spie­lern über die­sen Weg saf­tige Gehalts­er­hö­hun­gen einzuräumen.

Zorc Götze Wechsel

Wann wusste Michael Zorc wirk­lich vom Götze-Wechsel? Wir kön­nen es nur erah­nen. Foto: Chris­to­pher Neun­dorf / commons.wikimedia.org

Mario Götze hat in sei­nem Arbeits­pa­pier eine Aus­stiegs­klau­sel fixie­ren las­sen. Auf 37 Mil­lio­nen soll sich die Ablö­se­summe belau­fen, bei der Götze die Wech­sel­op­tion zie­hen kann. Götze schloss die­sen Ver­trag mit dem BVB. Watzke, Zorc und Klopp waren sich immer bewusst, dass Götze mit einem Wech­sel koket­tiert. Und wahr­schein­lich wuss­ten sie oder konn­ten sich zumin­dest den­ken, dass es sich bei der Option, die sich Mario Götze vor­be­hielt, um den FC Bay­ern Mün­chen handelte.

Wenn die Infor­ma­tion über Göt­zes Wech­sel wie von Rum­me­nigge behaup­tet nicht aus den Krei­sen der Bay­ern kommt, was zu hof­fen ist, da es sicher­lich eine Ver­ein­ba­rung über Still­schwei­gen gab, muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass ein fin­di­ger Jour­na­list der BILD-Zeitung mit exzel­len­ten Kon­tak­ten, an irgend­ei­ner Stelle im Sys­tem einen Infor­mant hatte, der die Infor­ma­tion unbe­dingt los­wer­den wollte. Die­sem Jour­na­lis­ten vor­zu­wer­fen, er hätte die Infor­ma­tion für sich behal­ten und erst nach dem Halb­fi­nale oder gar Finale auf den Tisch legen sol­len, sozu­sa­gen im Sinne des BVB, Göt­zes und des deut­schen Fuß­balls, ist wirk­lich utopisch.

Als Sport­jour­na­list war­tet man viel­leicht ein Leben lang auf eine so exklu­sive Info. Wenn man sie dann nicht raus­rückt, hat man in gewis­ser Weise den Beruf ver­fehlt, denn letzt­end­lich erwar­ten wir doch gerade von Jour­na­lis­ten, dass sie die Spiel­chen der agie­ren­den Per­so­nen, seien es Poli­ti­ker oder Fuß­ball­ver­eine, nicht mit­spie­len, son­dern uns, die Fans und Bür­ger, mit rich­ti­gen Infor­ma­tio­nen belie­fern. Der Jour­na­list der BILD-Zeitung tat dies, ohne Rück­sicht auf die Emo­tio­nen der BVB-Fans. Er musste es tun.

Magi­scher Moment und Hoffnung

Hoff­nung soll­ten die Fans des BVB heute aus dem Umstand zie­hen, dass gerade diese Situa­tio­nen im Fuß­ball für den magi­schen Moment prä­des­ti­niert sind. Wie oft gab es Spie­ler, die im Moment der größ­ten Kri­tik etwas Beson­de­res auf den Rasen brachten?

Götze Lewandowski Kuba Piszczek

Pisz­c­zek und Kuba stolz mit der Meis­ter­schale. Foto: wues­ten­igel / flickr.com

Hoff­nung für die Zukunft soll­ten die Borus­sen dar­aus zie­hen, dass sie andere Hel­den haben, die mit ihrer gren­zen­lo­sen Auf­op­fe­rungs­be­reit­schaft die Wunde Götze schlie­ßen wer­den. Unter ande­rem Jakub Błasz­czy­kow­ski, der uner­müd­lich die Linie rauf und run­ter ackert und — sta­tis­tisch gese­hen mit Toren und Vor­la­gen — ähn­lich wert­voll wie Götze ist, obwohl er sicher­lich viel weni­ger ver­dient, als Götze bei einem Ver­bleib in Dort­mund ver­die­nen würde, bezie­hungs­weise müsste. Und viel­leicht gibt es ja doch noch Wun­der: 37 Mil­lio­nen Euro soll­ten rei­chen, um für Robert Lewan­dow­ski ein finan­zi­el­les Paket schnü­ren zu kön­nen, wel­ches des­sen Wech­sel­ge­dan­ken auf die Probe stel­len wird.

Der BVB wird über die Mit­tel ver­fü­gen, einen wei­te­ren Spie­ler auf Welt­klas­se­ni­veau zu ver­pflich­ten, wie er es letz­ten Som­mer mit Marco Reus getan hat. Und zusätz­lich haben die Ver­ant­wort­li­chen die letz­ten Jahre ein fei­nes Näs­chen bei der Ver­pflich­tung von Per­spek­tiv­spie­lern bewie­sen — sei es Lewan­dow­ski, Kuba Błasz­czy­kow­ski oder Pisz­c­zek -,die unter den Fit­ti­chen von Klopp zur Welt­klasse her­an­reif­ten. Die Narbe Götze wird immer da sein. Aber sie wird verblassen.





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