Bier und Werbung


veröffentlicht am Mittwoch, 2. Januar 2013 14:32, von unserem Autor Marc Andruszko in Rund um den Ball.

Bier gehört zum Fuß­ball dazu. Nach dem Trai­ning oder einem Spiel gön­nen sich selbst Pro­fi­sport­ler gerne ein Hel­les. Nach einer gewon­ne­nen Meis­ter­schaft folgt die obli­ga­to­ri­sche Bier­du­sche. Kaum vor­stell­bar, dass die Bay­ern jemals das über­di­men­sio­nale Wei­zenglas gegen ein Sekt­glas aus­tau­schen und dem Trai­ner eine Rot­käpp­chen­du­sche auf dem Rasen der Alli­anz Arena ver­pas­sen wer­den. Rich­tige Män­ner trin­ken Bier:

Bier ist auf der gan­zen Welt als Volks­ge­tränk der Deut­schen bekannt, eines vie­ler Kli­schees über Deut­sche, aber es ist kei­nes­wegs aus der Luft gegrif­fen. Kaum ein Land der Welt ist der­art ange­se­hen, wenn es um die Brau­kunst geht. Dafür steht das Rein­heits­ge­bot, wel­ches ein wei­te­res Kli­schee befeu­ert: die typisch deut­sche Gründ­lich­keit. Warum jedoch wird Bier­wer­bung von den Brau­kon­zer­nen der­art stief­müt­ter­lich behan­delt? Sind „Bitte ein Bit“ und „Eine Perle der Natur“ alles, was den Brau­meis­tern der Nation in den letz­ten zehn Jah­ren zwi­schen ihren damp­fen­den Bier­kes­seln ein­ge­fal­len ist?

Selbst Wirt­schafts­ma­ga­zine wun­dern sich dar­über. Viele andere alt­ein­ge­ses­se­nen Mar­ken gären seit Jah­ren in ihrem eige­nen Sud vor sich hin und hal­ten die Mar­ken­prä­senz durch Braue­rei­ver­träge mit Gast­stät­ten und Spon­so­ring von Fuß­ball­clubs am Leben. Man kommt in eine Kneipe und sieht am Auf­druck auf dem Zapf­hahn, was die Stunde geschla­gen hat. Dass es anders geht und selbst schlechte Biere plötz­lich attrak­tiv sein kön­nen, zei­gen wit­zige Wer­be­clips von inter­na­tio­na­len Biermarken.

Bud­wei­ser drehte den Klas­si­ker der moder­nen Bier­wer­bung in den USA, der eine Marke nicht nur in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten bekannt machte, son­dern ebenso in ganz Europa — obwohl das Bier der ame­ri­ka­ni­schen Braue­rei Anheuser-Busch bis­her nicht unter dem Namen Bud­wei­ser in Europa zu erwer­ben ist, dem auf­op­fe­rungs­vol­len Wider­stand einer alten Braue­rei in Bud­var, Tsche­chi­sche Repu­blik, sei Dank.

Bud light, der kleine Bru­der von Bud­wei­ser, pro­du­zierte eine Wer­bung für den Super­bowl 2011, die lei­der nicht zuge­las­sen wurde. Sie war angeb­lich zu kon­tro­vers. Einer der wit­zigs­ten nie gesen­de­ten Wer­be­clips aller Zeiten:

Bud light pro­du­zierte glück­li­cher­weise nicht nur einen Kult­clip, son­dern ließ bis heute unzäh­lige geniale Kurz­filme fol­gen. Dass die­ses dünn­flüs­sige Etwas für den deut­schen Bier­gau­men eines der wider­wär­tigs­ten Gebräue der Brau­ge­schichte sein dürfte, sei dahin­ge­stellt: War man schon in den USA, dann hat man sicher schon die Erfah­rung gemacht, dass man an Bud­wei­ser und dem selt­sa­men Bud light im Super­markt­re­gal nur schwer vor­bei­kommt. Immerzu klin­gelt das Tele­fon im Kopf: „… was­sup, was­sup, was­sup …“. Ein wei­te­res High­light aus der Budweiser-Videothek:

Gui­ness, die beliebte Bier­marke aus Irland, lie­fert mit sei­ner Wer­bung einen sen­sa­tio­nel­len wis­sen­schaft­li­chen Bei­trag zur Evo­lu­ti­ons­ge­schichte von Män­nern, die in die Kneipe gehen. Die Wer­bung könnte von Frauen gemacht sein. Zu ver­übeln ist es ihnen nicht. Groß­ar­tige, preis­ge­krönte Arbeit:

Diese Bei­spiele zei­gen: Bier­wer­bung kann einen hohen Unter­hal­tungs­wert haben. Hät­ten die gro­ßen Bier­kon­zerne ein wenig mehr Inspi­ra­tion und Mut, wür­den Halb­zeit­pau­sen vor dem TV sicher­lich auch in Deutsch­land bald ertrag­ba­rer werden.





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