Post für Lorenz-Günther Köstner


veröffentlicht am Mittwoch, 26. Dezember 2012 18:18, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. null Kommentare

Sehr geehr­ter Lorenz-Günther Köst­ner, gön­nen Sie sich nach den anstren­gen­den letz­ten Wochen ein wenig Urlaub? Ich hoffe, VW hat sich ange­sichts Ihrer bemer­kens­wer­ten Leis­tung für den VFL Wolfs­burg ent­spre­chend erkennt­lich gezeigt und Ihnen einen Flug ins Warme, weit weg vom kal­ten Wolfs­burg, spen­diert. Natür­lich in der First-Class. 

Herr Köst­ner, Sie sind ein Mann aus der zwei­ten Reihe des VFL Wolfs­burg. Dort haben Sie sich nach eini­gen Sta­tio­nen als Trai­ner im Ram­pen­licht (Stutt­gart, Unter­ha­ching, Köln, Karls­ruhe, Essen) brav unter­ge­ord­net und gedul­dig auf Ihre zweite Chance gewar­tet. Manch einer, der Sie noch aus frü­he­ren Zei­ten kannte, mag gedacht haben: Der Köst­ner trai­niert gemüt­lich die U23 vom VFL in der Regio­nal­liga Nord und kas­siert dafür gutes Geld. Dabei muss er nicht mehr mit dem gro­ßen media­len Druck klar kom­men und kann ganz ent­spannt sei­ner Arbeit nachgehen.

Als Sie jedoch aus dem gro­ßen Schat­ten von Felix Magath tra­ten wurde klar, dass in Ihnen noch immer Lei­den­schaft brennt. In Ihren Augen hat es gelo­dert. Sie wur­den in weni­gen Tagen zum neuen Leit­wolf der Wölfe, einem davor noch zer­split­ter­ten und völ­lig dys­funk­tio­na­len Wolfs­ru­del. Ein Pro­zess, der ganz allein auf Ihrer natür­li­chen Auto­ri­tät beruht. 

Kaum im Amt, wur­den Sie von Diego per­sön­lich in den höchs­ten Tönen gelobt. Von dem Diego, den man getrost zu einem der indi­vi­du­ell bes­ten Bun­des­li­ga­spie­ler der letz­ten zehn Jahre zäh­len kann und der wäh­rend sei­ner Zeit bei Wer­der Bre­men ganz Deutsch­land mit sei­ner Spiel­weise ver­zau­berte. Der Diego, der oft genug als geld­gie­rige und ego­is­ti­sche Diva her­hal­ten musste, wenn es beim VFL Wolfs­burg nicht lief. 

Ein Trai­ner, der Aus­nah­me­fuß­bal­ler der Marke Diego dazu bringt zur Höchst­leis­tung auf­zu­lau­fen, besitzt ein beson­de­res Talent. Schon viele außer­or­dent­lich qua­li­fi­zierte Trai­ner sind am Umgang und der Kom­mu­ni­ka­tion mit arri­vier­ten Stars der Bun­des­liga geschei­tert. Als jüngs­tes Bei­spiel fällt mir Robin Dutt ein, der mitt­ler­weile eine respek­ta­ble Posi­tion beim DFB ein­nimmt und sicher­lich ein her­vor­ra­gen­der Fuß­ball­leh­rer ist, der aber bei Bayer Lever­ku­sen ein ganz ande­res Spie­ler­pro­fil vor­fand als beim SC Frei­burg und sich nicht schnell genug umzu­stel­len wusste. 

Fuß­bal­ler sind genauso ver­schie­den wie es Men­schen nun ein­mal sind. Sie, Herr Köst­ner, haben schein­bar eine sel­tene Gabe: Die Stars, egal wie ver­schie­den und eigen­ar­tig Sie sein mögen, ver­trauen Ihnen. Und des­we­gen sind Sie dazu prä­des­ti­niert, Trai­ner in der Bun­des­liga zu sein. Sie wären mein ers­ter Mann auf dem grü­nen Trai­ner­ses­sel in Wolfs­burg und ich glaube, dass Klaus All­ofs Sie ins­ge­heim genau so gerne als ers­ten Mann sähe, wäre er als gerade erst ein­ge­stell­ter Mana­ger nicht in der Zwick­mühle, Taten spre­chen las­sen zu müs­sen. 

Da zählt es lei­der nicht mehr, dass Sie den bes­ten Punk­te­schnitt pro Spiel aller Trai­ner in der Geschichte des VFL Wolfs­burg haben. Als Sie 2010 das erste Mal Inte­rims­trai­ner nach der Amts­zeit von Armin Veh wur­den, haben Sie aus 15 Spie­len 8 Siege und 2 Unent­schie­den mit der Mann­schaft geholt. Sie haben 2012 das Husa­ren­stück voll­bracht, 3 Punkte aus dem Hexen­kes­sel von Borus­sia Dort­mund und den sich am Rande des Wahn­sinns bewe­gen­den Jür­gen Klopp zu ent­füh­ren. Die erste Amts­hand­lung eines neuen Mana­gers im Pro­fi­fuß­ball wird nun ein­mal natur­ge­mäß am Trai­ner­pos­ten voll­zo­gen, um der Unter­neh­mung ein neues Gesicht zu ver­lei­hen und die­sem sei­nen eige­nen Stem­pel auf­zu­drü­cken. Ob das rich­tig oder falsch ist, ist eine andere Geschichte. 

Ich denke gerade nur über Ihre Geschichte nach. Wie wird der Weg von Lorenz-Günther Köst­ner wei­ter­ge­hen? Ich glaube, dass ihr Name lang­sam ver­klingt, wäh­rend der Name Die­ter Hecking in aller Munde ist, und Sie sich zurück­zie­hen wer­den, aus dem Ram­pen­licht, aus der Bun­des­liga, in die zweite Reihe der Wölfe, um dort auf Ihre nächste, die­ses Mal echte Chance zu lau­ern.

Mit sport­li­chen Grü­ßen,

Marc Andruszko





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