Post für Pep Guardiola


veröffentlicht am Donnerstag, 17. Januar 2013 15:22, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. null Kommentare

Sehr geehr­ter Herr Guardiola,

Sie sind heute viel­leicht der größte Trai­ner der Welt. Wäh­rend José Mourinho in Madrid zickt, haben Sie einen Ver­trag beim FC Bay­ern Mün­chen unter­schrie­ben, ent­ge­gen aller Theo­rien aus der bro­deln­den Gerüch­te­kü­che der eng­li­schen Yel­low Press. Noch vor eini­gen Tagen hatte die Sun gemel­det, sie hätte eine Quelle, die zu hun­dert Pro­zent wisse, dass Sie im Som­mer Roberto Man­cini bei Man­ches­ter City ablö­sen würden.

Ihre Ver­trags­un­ter­zeich­nung bei den Bay­ern zeigt uns, dass Sie ein ratio­nal den­ken­der Mensch sind. Und, dass Sie wahr­lich ein gro­ßes Fuß­ball­herz besit­zen. Sie haben sich nicht von Chel­sea Lon­don oder Man­ches­ter City in die Falle locken las­sen. Die Falle, die mit Mil­lio­nen und Aber­mil­lio­nen von Bank­no­ten aus­ge­schmückt ist und in die man meint, sanft hin­ein­fal­len zu kön­nen. Das soll nicht hei­ßen, dass Sie beim FC Bay­ern Mün­chen den Hun­ger­tod ster­ben müs­sen. Das ganz sicher nicht. Sie wer­den der best­be­zahl­teste Trai­ner der Bun­des­liga sein und mit Sicher­heit auch auf dem edlen inter­na­tio­na­len Par­kett der Mourin­hos und Hid­dinks mit­tan­zen kön­nen. Die Bay­ern mögen ihr Geld ordent­lich zusam­men­hal­ten aber lum­pen las­sen sie sich nicht. Uli Hoeneß hat für Men­schen wie Sie sei­nen Laden immer ver­nünf­tig geführt und finan­zi­elle Rück­la­gen gebil­det, die ihres­glei­chen suchen. Sie kön­nen sicher sein, Ihr Gehalt über­pünkt­lich, Monat für Monat, Jahr ein, Jahr aus, auf Ihrem Konto, sei es in Spa­nien oder Deutsch­land, vorzufinden.

Herr Guar­diola, Sie haben die beste Wahl getrof­fen und das sage ich Ihnen nicht, weil ich ein Fan der Bay­ern bin. Bin ich näm­lich nicht. Aber ich freue mich, dass wir in Deutsch­land haut­nah mit­er­le­ben dür­fen, wie Pep Guar­diola seine Zukunft gestal­tet. Wie wer­den Sie zurecht­kom­men? Wie sehr wer­den Sie Bar­ce­lona, La Masia und die Achse Messi-Xavi-Iniesta vermissen?

Post vom Schlenzer für Pep Guardiola

Rolf Handke / pixelio.de

Ich glaube, dass Sie sich für den FC Bay­ern ent­schie­den haben, weil genau wie in Bar­ce­lona gefes­tigte Struk­tu­ren vor­han­den sind, die sich von den destruk­ti­ven Struk­tu­ren der eng­li­schen Oligarchen-Scheich-Vereine mas­siv unter­schei­den. Sie fin­den eine ein­ge­spielte, gefes­tigte Mann­schaft vor, einen inter­es­san­ten und breit auf­ge­stell­ten Kader, eine Jugend­aka­de­mie und ein hervorragendes

Trai­nings­ge­lände. Alles Argu­mente, die ganz oder teil­weise auch auf andere Top­ver­eine zutref­fen. Doch ist der FC Bay­ern für sei­nen jahr­zehn­te­lang kul­ti­vier­ten kon­ser­va­ti­ven Ansatz, solide zu wirt­schaf­ten und kon­ti­nu­ier­lich an der Welt­spitze zu beste­hen, genau das, was Sie für Ihre Spiel­phi­lo­so­phie benö­ti­gen. Denn es nicht zu erwar­ten, dass wir vom ers­ten Arbeits­tag an den FC Bay­ern Mün­chen von Pep Guar­diola sehen wer­den. Eine Ent­wick­lung auf der­art hohem Niveau, wo es nur noch um Nuan­cen geht, braucht Zeit und Ruhe. Den­noch: Sie wer­den vom Ver­mächt­nis von Louis van Gaal und Jupp Heynckes pro­fi­tie­ren, die auf ihre Weise die Bay­ern in den letz­ten Jah­ren spie­le­risch enorm wei­ter­ent­wi­ckelt und zu einer Mann­schaft geformt haben, die sowohl in Sachen Ball­be­sitz und Domi­nanz (Louis van Gaal) als auch Krea­ti­vi­tät und Spiel­freude (Jupp Heynckes) zu der Creme de la Creme des euro­päi­schen Fuß­balls gehört.

Herr Guar­diola, in Bar­ce­lona wer­den Sie wie ein Hei­li­ger ver­ehrt und es wird unfass­bar schwer wer­den, die Bürde des FC Bar­ce­lona abzu­le­gen und zu dem neuen Gesicht von Bay­ern Mün­chen zu wer­den. Schon jetzt gibt es Stim­men, die Ihren Miss­er­folg in Mün­chen pro­gnos­ti­zie­ren, die behaup­ten, ein Kon­zept­trai­ner wie Sie, ver­gleich­bar mit Klins­mann und van Gaal, würde sich schnell abnut­zen oder Ihr Tiki-Taka wäre nicht das All­heil­mit­tel für den FC Bay­ern. Es wird Fans geben, die ihrem Jupp nach­trau­ern, dem Grand­sei­gneur des deut­schen Trai­ner­ge­schäfts, dem wei­sen Mann, der Franck Ribery nach der emo­tio­na­len Eis­zeit von van Gaal wie­der den Spaß am Fuß­ball ein­ge­haucht hat.

Es ist unfass­bar schwer, nicht in Bar­ce­lona, son­dern irgendwo anders auf der Welt Pep Guar­diola zu sein, der Diri­gent der Sei­ten­li­nie, der Fuß­ball­in­tel­lek­tu­elle, der Sie nun ein­mal sind. Immer wer­den wir Fuß­ball­fans bei Ihrem Namen an den FC Bar­ce­lona den­ken, daran wie sehr Sie selbst von Messi und Xavi ver­göt­tert wer­den. Ich wün­sche Ihnen alles Glück die­ser Welt, dass Sie auch in Deutsch­land geliebt wer­den. Als Trai­ner des FC Bay­ern Mün­chen. Wenn es einer kann, dann Sie.

P.S.: Ich weiß nicht, inwie­weit die Deutsch­leh­rer in New York Sie auf die lan­des­ty­pi­sche Spra­che vor­be­rei­tet haben. Die Leute in Mün­chen wer­den Sie auf der Straße mit „Grias Gott, Pep“ anspre­chen. Das muss Ihnen nicht pein­lich sein. Das soll ein­fach nur „guten Tag“ bedeuten.

Fiat di (das heißt so viel wie adiós),

Marc Andruszko

 

 





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