Post für Patrick Helmes


veröffentlicht am Donnerstag, 19. September 2013 17:26, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. null Kommentare

Sehr geehr­ter Patrick Helmes,

Sie sind ein Stür­mer, von dem man nichts ande­res als Tore erwar­tet. In Ihrem Lebens­lauf sollte beim Punkt Beruf nicht Fuß­bal­ler, son­dern „Knip­ser“ geschrie­ben stehen.

Ihre Kol­le­gen mit Tor­flaute suchen ihr Heil im mann­schafts­dien­li­chen Spiel. Stür­mer sind heute viel unter­wegs auf dem Platz. Auch, weil man es von ihnen erwar­tet. Im „moder­nen“  Fuß­ball sind Lauf­be­reit­schaft und Teil­nahme am Kom­bi­na­ti­ons­spiel ein Erfor­der­nis. Nur ganz wenige Stür­mer trauen sich noch, in den Lau­er­mo­dus zu schalten.

Dass Stür­mer sich am Spiel aktiv betei­li­gen sol­len ist mitt­ler­weile zum gesell­schaft­li­chen Kon­sens gewor­den. Selbst Gele­gen­heits­zu­schauer pro­tes­tie­ren bei EM-Public-Viewings laut­stark, wenn Mario Gomez, ein Knip­ser­kol­lege von Ihnen, sich eine Aus­zeit nimmt und nicht am Spiel partizipiert.

Sie sind ein Spie­ler, der auf mich immer immun gegen fuß­ball­tak­ti­sche Ent­wick­lun­gen gewirkt hat. Sie waren eben Patrick Hel­mes, der Knip­ser. Nur an Toren hat man Sie gemes­sen. Das war Ihre Medi­zin gegen jeg­li­che Kritik.

Was mir an Ihnen gefällt: Sie müs­sen nicht viel spre­chen. Sie las­sen Tore spre­chen. Aber da ist Ihr Kar­rie­re­weg, der kei­nes­wegs linear nach oben ver­lief. Vom 1. FC Köln ver­schlug es Sie zurück zu den Sport­freun­den Sie­gen, angeb­lich waren Sie kör­per­lich zu schwach. Dann schos­sen Sie sich über die Regio­nal­liga zurück zum FC, in die Natio­nal­mann­schaft und zu Bayer Leverkusen.

Warum zieht sich ein Natio­nal­spie­ler beim Frei­zeit­kick mit Freun­den einen Kreuz­band­riss zu?  Warum wech­seln Sie zu Disziplin-Fanatiker Felix Magath nach Wolfs­burg, sit­zen dort auf der Tri­büne, weil Sie angeb­lich nicht fit und viel­leicht über­ge­wich­tig sind? Wie sind Sie damals aus dem Nichts zurück­ge­kom­men und wie haben Sie aus dem Nichts wie­der getrof­fen? Da sind diese offe­nen Fra­gen. Aber Ihr sub­op­ti­ma­ler Kar­rie­re­ver­lauf ist menschlich.

Ich freue mich, Sie wie­der auf dem Fuß­ball­platz für den 1. FC Köln spie­len zu sehen. Sie gehö­ren nicht auf die Tri­büne in Wolfs­burg. Wir dür­fen nicht ver­ges­sen, wie Stür­mer ein­mal sein woll­ten. Typen, die nur auf dem Platz ste­hen, um zu tref­fen. Die aus dem Nichts tref­fen. So einer sind Sie.

Und wenn Sie nicht tref­fen, haben Sie schlecht gespielt. So ein­fach und ehr­lich ist der Fuß­bal­ler Patrick Hel­mes. Ich glaube, Sie den­ken ähn­lich von sich selbst. Sonst wären Sie nie­mals so tor­geil, wie Sie sind.

Ganze zwei Minu­ten haben Sie es gegen Ener­gie Cott­bus aus­ge­hal­ten. Das Tore­schie­ßen haben Sie sicht­lich ver­misst und woll­ten es Ihren Kri­ti­kern in Köln bewei­sen. Sie salu­tie­ren vor Köln. Der Knip­ser hat sei­nen Dienst wie­der ange­tre­ten. Ich hoffe für Sie, dass der Köl­ner Herbst zum zwei­ten (oder drit­ten) Früh­ling Ihrer Kar­riere wird.

Sport­lichst,

Marc Andruszko





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