Post für Neven Subotic


veröffentlicht am Montag, 11. November 2013 12:43, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. 1 Kommentar

Sehr geehr­ter Neven Subotic,

Sie müs­sen es gewusst haben, als Sie auf der Trage lagen. Dass Sie dem BVB für den Rest der Sai­son feh­len wür­den. Wenn einer wie Sie auf der Trage liegt, dann muss es etwas ver­dammt Schlim­mes sein.

Kreuz­band­riss lau­tete der Ver­dacht. Kreuz­band­riss lau­tete die Dia­gnose. Lei­der keine posi­tive Über­ra­schung im Kran­ken­haus. Aber ich glaube nicht, dass Sie über­haupt mit einer Über­ra­schung gerech­net haben. Kaum fuhr man Sie aus dem Kern­spin­to­mo­gra­phen her­aus, ver­kün­de­ten Sie schon über die Social-Media-Kanäle: „Ich werde stär­ker zurück kom­men. I’ll come back stronger.“

Wenn ein Spie­ler mit Kreuz­band­riss so eine Erklä­rung abgibt, fragt man sich manch­mal, ob er wirk­lich daran glaubt oder ob er nicht weiß, was er sonst sagen soll. Einem Kreuz­band­riss etwas Posi­ti­ves abzu­ge­win­nen ist ein­fach nicht möglich.

subotic

Foto: wiki­me­dia commons

Was man aber über Sie, Neven Sub­o­tic, wis­sen muss, ist, dass Sie Schlim­me­res erlebt haben. Sie haben den Krieg erlebt. Sie muss­ten mit Ihren Eltern flie­hen, nach Deutsch­land. Hier muss­ten Sie der Abschie­bung zurück ent­ge­hen. Ihr Weg führte Sie in die USA, wo Sie in einem Fuß­ball­ent­wick­lungs­land erneut Fuß fas­sen muss­ten. Ein­mal meinte das Schick­sal es gut mit Ihnen: Sie wur­den vom Co-Trainer der U17 Natio­nal­mann­schaft beim Kicken im Park entdeckt.

Sie spiel­ten College-Soccer und Ihre Grät­schen ent­fal­te­ten ihre Wir­kung bis über den Atlan­tik hin­aus: Mainz 05 ver­pflich­tete Sie. Dort kämpf­ten Sie sich mit Ihrem unbän­di­gen Wil­len über die Ober­li­ga­mann­schaft bis in die Innen­ver­tei­di­gung der Bun­des­li­ga­mann­schaft. Klopp wusste, dass Typen wie Sie sein Pro­jekt Dort­mund cha­rak­te­ri­sie­ren wür­den. Sie folg­ten Ihrem Trai­ner und wur­den zu einem der Lea­der des BVB.

Der Kin­der­rie­gel –Matts Hum­mels und Sie – spielte sich beim BVB in den inter­na­tio­na­len Fokus: Immer wie­der hörte man vom Inter­esse von Ver­ei­nen der Pre­mier Lea­gue an Ihnen. Ich habe mich oft gewun­dert, warum das so ist. Sie sind sicher nicht der Typ „moder­ner Innen­ver­tei­di­ger“. Ihre Stär­ken lie­gen nicht im Spiel­auf­bau und Pass­spiel – wobei Sie sich hier in den letz­ten Mona­ten ver­bes­sert gezeigt haben – aber das spielt über­haupt keine Rolle. Weil der BVB Sie nicht als Innenverteidiger-Spielmacher braucht, son­dern als  Dienstleister.

Sie sind ein Fuß­bal­ler, der genau weiß, was er kann und was er nicht kann. Und Sie schä­men sich nicht, den Ball unter Druck aus dem Sta­dion zu trom­meln. Sie sind ein moder­ner Fußball-Dienstleister. Sie stel­len sich mit allem, was Sie haben, in den Dienst des BVB. So, wie Sie sich in den Zwei­kampf wer­fen, müs­sen Sie hun­dert Kreuz­bän­der haben.

Auch werde ich nie diese Aktion mit Rob­ben ver­ges­sen: Wie Sie sich vor ihm auf­bau­ten und auf ein­mal nicht nur einen Kopf, son­dern hun­dert­mal grö­ßer als er wirk­ten. Sie über­schrit­ten dort sicher eine Grenze und es war gegen­über Rob­ben und den Bay­ern und vie­len Fuß­ball­fans wirk­lich respekt­los. Aber man kommt nicht um den Ein­druck herum, dass Sie sich mit die­ser Aktion auch mit Hun­dert­tau­sen­den Fuß­bal­lern soli­da­ri­sier­ten. Quasi als Ver­tre­ter für die Arbei­ter­klasse des Fuß­balls haben Sie sich gegen ein Super­ta­lent wie Rob­ben auf­ge­lehnt und ihm deut­lich gemacht, dass Sie kämp­fen wer­den bis zum Umfallen.

Herr Sub­o­tic, ich freue mich schon dar­auf, wenn Sie auf den Platz zurück­keh­ren. Die Bun­des­liga braucht Sie und Ihre Sprü­che: „Er muss ja nicht unbe­dingt dahin lau­fen, wo ich hingrätsche.“

Sport­li­che Grüße,

Marc Andruszko





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