Post für José Mourinho


veröffentlicht am Montag, 7. Januar 2013 21:39, von unserem Autor Christian Eck in Post vom Schlenzer.

Sehr geehr­ter José Mourinho,

eines vor­ne­weg. Ich war noch nie ein gro­ßer Bewun­de­rer ihrer Per­son. Ich weiß, die­ser Fakt wird Sie wenig inter­es­sie­ren. Sehen Sie sich doch als etwas ganz Beson­de­res an. „The Spe­cial One“, und seit neu­es­tem sogar „The Only One“ lau­ten ihre beschei­de­nen Spitz­na­men — teils selbst ernannt, teils angedichtet.

Zwei­fel­los, mit dem FC Porto haben sie im Jahr 2004 etwas Ein­ma­li­ges geschafft. Nach­dem Sie im Jahr zuvor bereits das kleine Triple mit dem UEFA-Pokal gewan­nen, setz­ten sich mit dem Sieg der Champions-League die Krone auf. Dar­auf­hin soll­ten Sie beim FC Chel­sea ähn­li­ches wie­der­ho­len. Trotz vie­ler Mil­lio­nen blieb Ihnen der große Erfolg ver­wehrt. 2010 mach­ten Sie es dann lei­der bes­ser und hol­ten sich mit Inter Mai­land gegen den FC Bay­ern erneut die Champions-League. Der Wech­sel zu Real Madrid war die logi­sche Kon­se­quenz. Der selbst­er­nannte beste Ver­ein der Welt braucht auch den selbst­er­nann­ten bes­ten Trai­ner der Welt.

Bis­her steht ein Meis­ter­ti­tel, eine Copa del Rey und ein Super­cup­sieg zu Buche. An sich keine schlechte Aus­beute — aller­dings nicht genü­gend für den Anspruch von Real Madrid. Und letzt­lich auch nicht für Ihren eige­nen Anspruch. Sie wur­den ver­pflich­tet, um den Bann zu bre­chen, der seit 2002 auf Madrid las­tet. Nun­mehr 10 Jahre ohne Sieg oder Final­teil­nahme in der Champions-League kann die König­li­chen nicht zufrie­den stel­len. Die kata­la­ni­sche Vor­herr­schaft konn­ten Sie bis­her, mit Aus­nahme der Meis­ter­schaft im letz­ten Jahr, auch nicht durchbrechen.

Diese Sai­son ist die Meis­ter­schaft bei 16 Punk­ten Rück­stand im Prin­zip schon ent­schie­den. In der Champions-League blieb nur der zweite Platz in der Gruppe hin­ter Borus­sia Dort­mund. Jetzt steht mit Man­ches­ter United bereits im Ach­tel­fi­nale ein schwe­rer Geg­ner an. Dazu kom­men immer wie­der Unzu­frie­den­heits­be­kun­dun­gen aus den eige­nen Rei­hen, die für Unruhe in und um den Ver­ein sor­gen. Herr Mourinho, diese Sai­son läuft bis­her mit Sicher­heit nicht nach Ihren Vorstellungen.

Post vom Schlenzer an Jouse Mourinho

Rolf Handke / pixelio.de

Aus­blei­ben­der Erfolg sehen die Ver­ant­wort­li­chen bei Madrid nie gerne — Trai­ner­na­men spie­len hier­bei keine Rolle. Sie bewe­gen sich zuneh­mend auf dün­nem Eis, das wis­sen Sie. Und wie ein in die Enge getrie­be­ner Tiger rea­gie­ren Sie stark gereizt auf sol­che Situa­tio­nen. Natür­lich lie­ben Sie es, wenn die Fans Sie laut­stark aus­pfei­fen, wenn die Medien Sie kri­ti­sie­ren oder Ver­ant­wort­li­che ande­rer Ver­eine ver­är­gert auf Ihre Auf­tritte und Inter­views rea­gie­ren. Ob Fuß­ball­mann­schaf­ten aller Cou­leur, Schieds­rich­ter oder gar der ganze Fuß­ball­ver­band ­– bis­her war kein Geg­ner groß genug für Sie. „The Only One“ ist grö­ßer und wich­ti­ger als der Rest. Die­ses Bild ver­mit­teln Sie stets in der Öffent­lich­keit — teil­weise gewollt, um Druck und Auf­merk­sam­keit von der Mann­schaft zu neh­men. Viele Ihrer Spie­ler loben Sie auch tat­säch­lich als gro­ßen, ja sogar den bes­ten Trai­ner, den sie je hatten.

Aber Sie sto­ßen mit Ihrer Art auch an Gren­zen. Wer Ihnen nicht blind­lings folgt wird (teil­weise) öffent­lich demon­tiert. Bei Ihren bis­he­ri­gen Sta­tio­nen mag dies auch gedul­det wor­den sein – dort waren Sie häu­fig der Star mit Nar­ren­frei­heit. Madrid ist aber Madrid, eine eitle Diva, deren Ver­ant­wort­li­che sich nicht einem Trai­ner unter­wer­fen. Heißt er José Mourinho oder nicht. Und nun zum eigent­li­chen Kern des Briefs. Was Sie zur Zeit mit einer leben­den Legende Madrids ver­an­stal­ten, kann und wird auf Dauer ihr Ver­häng­nis werden.

Sie wech­seln nicht ein­fach einen Tor­hü­ter aus. Sie rei­ßen dem bereits lei­den­den Ver­ein das Herz­stück her­aus. Ihre Maß­nahme begrün­den Sie ganz sport­lich. Anto­nio Adán, eben­falls aus der eige­nen Jugend, trai­niere ein­fach bes­ser. Auf die Kri­tik der Fans, die Ihre Maß­nahme mit Pfif­fen quit­tier­ten, rea­gie­ren Sie mit Unver­ständ­nis. Warum solle Adán es nicht ver­dient haben zu spie­len, fra­gen Sie. Nun eine Gegen­frage: Womit hat es Iker Casil­las ver­dient, nicht zu spie­len? Iker Casil­las ist kein gewöhn­li­cher Tor­wart. So wie Sie mei­nen, kein gewöhn­li­cher Trai­ner zu sein. Auf­ge­wach­sen in Madrid ist er seit 1989 Teil die­ses Ver­eins. Seit dem Jahr 1999 hütet er nun das Tor für die Pro­fi­mann­schaft. Er ist der letzte ver­blie­bene Spie­ler im Kader, der weiß wie man mit Real Madrid die Champions-League gewinnt. Er ist Mann­schafts­ka­pi­tän und eine Insti­tu­tion im Ver­ein. Mit 31 Jah­ren muss er noch lange nicht dem Alter Tri­but zol­len, wie es einst bei Raul oder Fer­nando Hierro der Fall war. In der Ver­gan­gen­heit hat sich der Spie­ler stets loyal und vor­bild­lich verhalten.

So ver­dient es auch jetzt Respekt, wie Casil­las diese Demü­ti­gung von Ihnen bis­her tadel­los ange­nom­men hat. Dass er nach sei­ner Ein­wechs­lung am ver­gan­gen Spiel­tag die Kapi­täns­binde von Cris­ti­ano Ronaldo nicht anneh­men wollte, ist aller­dings ein klei­nes Anzei­chen. Ein Anzei­chen, was auf Sie zukom­men wird. Die Gründe für Ihre Maß­nahme ken­nen wohl nur Sie allein. Eine sport­li­che Ent­schei­dung kann es nicht sein — schließ­lich ist Iker Casil­las seit Jah­ren einer der bes­ten sei­ner Zunft. Es liegt also nahe zu ver­mu­ten, dass sie ein Exem­pel sta­tu­ie­ren wol­len. So wie Sie es zuletzt auch mit dem Auf­müp­fi­gen Ser­gio Ramos getan haben. Die­ser ist, ähn­lich wie Iker Casil­las, eine Säule des Ver­eins, sein Wort hat in der Mann­schaft und bei den Ver­ant­wort­li­chen Gewicht. Und sein Selbst­ver­ständ­nis ist ähn­lich des Ihren.

Der Erfolg bleibt aus. Die Stim­mung sinkt mit jedem Spiel­tag wei­ter. Sie neh­men zuneh­mend Ihre Spie­ler in die Pflicht, mau­len über fal­sche Ein­stel­lung und man­gelnde Qua­li­tät. Doch waren Sie die letz­ten Jahre für die Zusam­men­stel­lung der Mann­schaft zustän­dig. Jeder Wunsch wurde Ihnen erfüllt. Das große Ziel haben Sie aber bis­her noch nicht erreicht. Mit Maß­nah­men wie der jet­zi­gen ver­su­chen Sie schein­bar, neue Neben­kriegs­schau­plätze zu schaf­fen, um von der sport­li­chen Misere abzu­len­ken. Damit tun Sie weder Iker Casil­las, noch Anto­nio Adán, der sich mit sei­nem Lap­sus und der dar­auf­fol­gen­den roten Karte bereits wie­der dis­qua­li­fi­zierte, kei­nen Gefal­len. Und auch sich selbst nicht. Es sei denn, ihr Ziel ist es, Ihren Raus­wurf zu pro­vo­zie­ren. Denn dann sind Sie genau auf dem rich­ti­gen Weg. Viele Macht­kämpfe konn­ten Sie bis­her für sich ent­schei­den. Die­ser aber könnte zu Ihrem Ver­häng­nis wer­den, Herr Mourinho.

Mit sport­li­chem Gruß,

Chris­tian Eck





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