Post für Jakub Błaszczykowski


veröffentlicht am Mittwoch, 31. Juli 2013 10:55, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. 1 Kommentar

Sehr geehr­ter Jakub Błaszczykowski,

Sie nann­ten sich selbst „Kuba“. Ein Künst­ler­name? Nein, denn Sie ver­kör­pern kei­nen Künst­ler. Sie sind ein moder­ner Arbei­ter und Hoff­nungs­trä­ger für viele her­an­wach­sende Fuß­bal­ler, die nicht zu den weni­gen Genies eines jeden Jahr­gangs gehören.

Viel­leicht ent­schie­den Sie sich einst für „Kuba“ auf Ihrem Rücken, um jen­seits der pol­ni­schen Grenze an Wie­der­er­ken­nungs­wert zu gewin­nen. Die Fans soll­ten sich an Sie erin­nern. Über Kuba zu spre­chen scheint da ein­fach zu sein als über Błasz­czy­kow­ski. Wobei man hier­zu­lande bereits bei der Schreib­weise Ihres Nach­na­mens meist auf das pol­ni­sche ł ver­zich­tet und sich die Aus­spra­che damit herz­lich ein­fach macht. Kor­rekt spricht man Ihren Nach­na­men „Bwa“-szczykowski aus.

Bei einem Spie­ler wie Gra­fite stritt man sich mona­te­lang dar­über, wie des­sen Nach­name rich­tig aus­zu­spre­chen ist. Gra­fit hier, Gra­fietsch dort, in Bra­si­lien spricht man ihn angeb­lich Gra­fiet­schi aus. Es beschlich einen das Gefühl, der Spie­ler selbst wusste nicht, wie er nun kor­rekt heißt. Jour­na­lis­ten prä­sen­tier­ten stän­dig neue Aus­spra­chen, als ob sie Wet­ten auf die ein­zig rich­tige abge­schlos­sen hät­ten. Ihr Nach­name wird seit Jah­ren nicht rich­tig aus­ge­spro­chen. Sie beschwe­ren sich nicht.

Viel­leicht schu­fen Sie sich mit „Kuba“ auch ein Refu­gium. „Kuba” ist der Mus­ter­profi. „Kuba” ist der Mann mit dem Bart, der vor Kraft strotzt und nie­mals schwach wird. „Kuba“ ist Ihr Arbeits­ti­tel, Ihre pro­fes­sio­nelle Rolle. Jakub Błasz­czy­kow­ski  war ein zwölf­jäh­ri­ger Junge, der mit­er­le­ben musste, wie seine Mut­ter vom Vater ersto­chen wurde.

Jakub Błaszczykowski

Sie kämp­fen auch als Kapi­tän für die pol­ni­sche Natio­nal­mann­schaft. Foto: Roger Gorączniak

Sie setz­ten ein Zei­chen. Nach Jah­ren als „Kuba” auf dem Platz haben Sie sich ent­schlos­sen, wie­der Ihren Fami­li­en­na­men auf dem Rücken zu tra­gen. Sie sind ein ehr­li­cher und treuer Spie­ler. Sie sind mit sich und Ihrem Schick­sal im Rei­nen. Mit Ihnen zu spie­len, muss groß­ar­tig sein. Sie blei­ben nie ste­hen, geben kei­nen Ball ver­lo­ren. Sie sind ein Mann­schafts­spie­ler, wie ihn sich jeder Trai­ner gerne backen würde. Und was noch dazu kommt: Sie sind gna­den­los effek­tiv, berei­ten Tore vor, schie­ßen diese selbst, sind ein Traum für den hin­ter Ihnen spie­len­den Außen­ver­tei­di­ger, ob Pisz­c­zek oder Groß­kreutz, weil Sie den Weg zurück ver­dammt schnell finden.

Man sprach immer über Götze und Reus, die genia­len Freunde, heute sind es Gün­do­gan, Mkhi­ta­ryan und Aub­a­meyang, die den BVB und Fuß­ball­deutsch­land träu­men las­sen. Und Sie? Sie spie­len ein­fach mit gren­zen­lo­ser Demut Fuß­ball. Eine Offerte von Man­ches­ter City lässt Sie kalt. Sie set­zen ein Zei­chen und ver­län­gern Ihren Ver­trag beim BVB bis 2018. Sie erar­bei­ten sich die Aner­ken­nung, die Sie ver­dient haben, hart. Geld sei nicht alles, sagen Sie.  

Herr Błasz­czy­kow­ski, wenn ich Sie mit Ihrem Bart und ver­bis­se­ner Miene die Linie rauf und run­ter ackern sehe, ein Sprint folgt dem nächs­ten, Zwei­kämpfe am Fließ­band, als ob es kein Mor­gen gäbe, als ob Sie uns immer noch etwas bewei­sen müss­ten oder Angst hät­ten, in Ver­ges­sen­heit zu gera­ten, dann muss ich daran den­ken, was Sie als Kind ertra­gen muss­ten.  

Sie haben eine Gabe, die nur wenige Fuß­bal­ler auf die­ser Welt haben: Sie behan­deln jedes Spiel, als wäre es ein Geschenk und Ihr aller­letz­tes. Viele Spie­ler haben das schon von sich behaup­tet, aber Sie tun es ein­fach, sodass ich mir sicher bin, dass Sie eines Tages ver­dient zur Legende wer­den. Spie­ler wie Sie wer­den wir viel­leicht bald schon ver­mis­sen. Ich hoffe und glaube, dass Sie auch eines Tages neben dem Platz, viel­leicht als Trai­ner, daran mit­ar­bei­ten kön­nen, dass Typen wie Sie nicht aus­ster­ben. Typen, die sich ihrer Vor­bild­funk­tion bewusst sind.

Mit sport­li­chen Grüßen,

Marc Andruszko





One thought on “Post für Jakub Błaszczykowski

  1. Oh mein Gott. Das hat mich zum Wei­nen gebracht, weil es dass zusam­men fast, was ich seit Jah­ren denke/sage. Danke!!!! Für mich ist Kuba bereits eine Legende und seit Jah­ren mein Held. Ich bin ein­fach so froh, dass er die Aner­ken­nung bekommt, die er ver­dient. Danke für die­sen tol­len Brief, der alles so gut in Worte fasst! Vie­len, vie­len, vie­len Dank!

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