Post für Horst Heldt


veröffentlicht am Dienstag, 3. September 2013 17:21, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. 1 Kommentar

Sehr geehr­ter Horst Heldt,

was wäre heute nahe­lie­gen­der, als Kevin Prince Boa­t­eng, Mesut Özil oder Gareth Bale zu schrei­ben? Die letz­ten Tage war wahn­sin­nig viel los in der Fuß­ball­welt, das Trans­fer­ka­rus­sell drehte sich noch ein­mal wie wild und kam mit gro­ßem Quiet­schen zum Still­stand. Doch es sind nicht die genann­ten Spie­ler, die mich in Erstau­nen ver­set­zen, son­dern Sie, der Mana­ger des FC Schalke 04.

Heute wis­sen wir, dass der Ex-Schalker Mesut Özil nicht mehr für den, wie er ihn immer so gerne bezeich­nete, „größ­ten Ver­ein der Welt“ spielt, son­dern für das ewig talen­tierte Arse­nal, zusam­men mit Per Mer­te­s­acker und Spaß­ka­none Lukas Podol­ski, den Sie gerne ver­pflich­tet hät­ten, um posi­tive Vibes in die noch kürz­lich ver­zwei­felte Veltins-Arena zu transportieren.

Kein Geschäft ist so schnell­le­big und von so vie­len, teils völ­lig ver­rück­ten Bedin­gun­gen und Kau­sa­li­tä­ten gekenn­zeich­net (kommt der Spie­ler X zum Ver­ein A, geht der Spie­ler Y, weil er zu viel ver­dient; falls der Spie­ler X nicht kommt, bleibt der Spie­ler Y und der Spie­ler Z muss even­tu­ell gehen, weil er die glei­che Posi­tion wie der Spie­ler Y spielt; Spie­ler Z soll also dann zum Ver­ein B, aber nur, wenn der Spie­ler W beim Ver­ein B erfolg­reich von der Gehalts­liste gestri­chen wer­den und der Spie­ler Z so finan­ziert wer­den kann …).

Wie behal­ten Sie den Über­blick in die­sem Irren­haus, in dem Spie­ler neu­er­dings wie „Skla­ven“ (nicht meine Worte, son­dern die der Frank­fur­ter Rund­schau) gehan­delt werden?

Sie waren der Dribb­ler mit dem star­ken lin­ken Fuß vom VfB Stutt­gart. Das ist mir von Ihnen in Erin­ne­rung. Ein Krea­tiv­spie­ler, der den Ball strei­chelt, ein Fußball-Genießer. Heute sind Sie ein Fußball-Arbeiter und haben sich Schalke 04, einen Tra­di­ti­ons­ver­ein mit gro­ßem Anspruch, her­aus­ge­sucht, wo die Ver­ant­wor­tung Ton­nen wiegt.

Sie klot­zen Tag und Nacht ran, bestimmt mit meh­re­ren Han­dys aus­ge­stat­tet, immer erreich­bar. Kaum im Bett, vibriert der nächste poten­ti­elle Trans­fer auf dem Nacht­tisch her­ein. Sie sehen nicht aus, als wür­den Sie viel schla­fen. Genie­ßen Sie Ihre Ziga­rette noch, oder brau­chen Sie die gegen den Stress?

Sehr geehr­ter Herr Heldt, wenn ich Ihre Augen­ringe sehe, dahin­ter Ihre müden Pupil­len, die vor der Kamera im Nir­gendwo umher­wan­dern, die Müdig­keit in Ihren Bewe­gun­gen; wenn ich Ihre pro­fes­sio­nel­len Sätze höre und über Ihren Mut staune, dann frage ich mich: Haben Sie noch ein Pri­vat­le­ben? Leben Sie über­haupt noch oder hat das Geschäft Sie voll­ends verschluckt?

Boateng Schalke

Ihr Königs­trans­fer für die Königs­blauen: Kevin Prince Boa­t­eng, viel­leicht der Sie­ger­typ, den Schalke braucht. Foto: Gior­gio Bada­ini / flickr.com

Sie haben einen Königs­trans­fer abge­wi­ckelt, den einst ver­teu­fel­ten Kevin Prince Boa­t­eng zurück in die Bun­des­liga geholt, zu einem Zeit­punkt, zu dem die Liga nach Typen lechzt. Mit Boa­t­eng haben Sie einen Spie­ler ver­pflich­tet, der den BVB als sei­nen Lieb­lings­ver­ein aus­ge­ge­ben hat. Sie lächeln das gekonnt weg. Und Sie haben erneut das Husa­ren­stück voll­bracht, Ihrem Freund Jens Kel­ler mehr Zeit zu ver­schaf­fen. Er stand schon ein­mal vor dem Aus, doch Sie haben sich als treuer Freund erwie­sen, der zu sei­nen Ent­schei­dun­gen steht.

Nach den letz­ten Wochen muss man zum Schluss kom­men, dass Sie Eier haben. Sie kön­nen die­ses Geschäft und wer­den wohl zu den gro­ßen Mana­gern der Zukunft gehören.

Doch ver­ges­sen Sie nicht, wie wun­der­schön der Fuß­ball ein­mal war! Der Fuß­ball als Dribb­ler! Als Sie noch in Ruhe nach einem Sieg schla­fen konn­ten. Machen Sie Ihr Handy auch ein­mal aus. Bis zur nächs­ten Trans­fer­pe­riode ist es noch ein wenig hin.

Sport­lichst,

Marc Andruszko





One thought on “Post für Horst Heldt

  1. Gro­ßes Kom­pli­ment an die­sen offe­nen und völ­lig wah­ren Brief an Horst Heldt. Auch ich ver­neige mich vor sei­nen Leis­tun­gen und sei­nem Mut sich nicht von dem Kurs abbrin­gen zu lassen.

    Ich war damals Teil­neh­mer des Kabi­nen­ge­sprächs auf Schalke mit Horst Heldt und durfte den Mann per­sön­lich ken­nen­ler­nen. Gestresst kam er zu spät von einem Ter­min aber nahm sich dop­pelt so viel Zeit wie vor­her ver­an­schlagt für uns Zeit.

    Ich werde nie ver­ges­sen wie die Service-Dame ihm Pils und Glas reichte und er sagte: “Wir sind doch unter uns!” und das Glas zurück gab. Er hat keine Zeit sich das Bier ein­zu­schen­ken, aber er hatte Zeit für uns. Es war ein sehr schö­ner und infor­ma­ti­ver Abend mit Horst Heldt.

    Mit lie­ben Grüßen

    Dok­tor Sport, von Sport bei Uns.

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