Die Bayern München Fans haben Post


veröffentlicht am Donnerstag, 14. März 2013 14:49, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. null Kommentare

Sehr geehrte Bay­ern Mün­chen Fans,

ich habe letzte Nacht durch die Twitter-Timeline gescrollt und eure Ver­är­ge­rung ob des ach so schlech­ten Auf­tre­tens eurer Mann­schaft in der Alli­anz Arena gegen Arse­nal Lon­don bestaunt. Das Erste, was mir in den Kopf schoss, war: Opern­pu­bli­kum. Ich weiß, das hört kein Bayern-Fan gerne, doch ges­tern Abend ent­sprach es der Wahr­heit. Denn als neu­tra­ler Betrach­ter habe ich eine Bayern-Mannschaft gese­hen, wel­che die Zwei­kämpfe ange­nom­men, wenige Feh­ler gemacht, in gewohn­ter Manier das Spiel domi­niert und eine Viel­zahl an Chan­cen kre­iert hat.

Fans Bayern München FCB

Ein Ent­span­nungs­brief an die Bayern-Fans. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Arse­nal hielt die Null mit For­tune und gro­ßem Ver­trauen in die Gunst Fran­zis­kus und des­sen himm­li­schen Vaters. Beide Gegen­tore waren ver­meid­bar, wenn man die Kau­sal­kette weit genug zurück­dreht aber das ist bei jedem Tor so. Zur Ver­deut­li­chung drehe ich sie ganz weit zurück: Hätte sich Podol­ski nicht ver­letzt, hätte Giroud viel­leicht nicht gespielt und hätte den Ball nicht zum 0:1 im Tor von Manuel Neuer unter­ge­bracht. Hätte, hätte — Fahr­rad­kette. Dass Dante den Quer­pass von Wal­cott durch die Beine bekommt, wäre wohl nicht pas­siert, wenn er ein klein wenig anders zum Ball gestan­den wäre. Wenn das Wört­chen „wenn“ nicht wäre.

Im Ernst, liebe Bayern-Fans: Der #Auf­schrei ges­tern Abend war der typi­sche Bayern-Reflex. Der FCB domi­niert die Bun­des­liga nach Belie­ben und mar­schierte bis­her auch mit Sieben-Meilen-Stiefeln durch Europa gen Wem­bley. Ges­tern Abend aller­dings lief der Motor etwas unrund, hier und da griff ein Zahn­räd­chen nicht ins andere. Aber es war keine dra­ma­tisch schlechte Leis­tung. Ein Aus­schei­den gegen diese Mann­schaft Arse­nals hätte an ein Wun­der gegrenzt. Ein Sech­ser im Lotto am Mitt­woch wäre wahr­schein­li­cher gewe­sen als dass Arse­nal ges­tern Abend wei­ter­ge­kom­men wäre. Kon­junk­tive, soweit das Auge reicht. Der FC Bay­ern ist im Vier­tel­fi­nale der Cham­pi­ons League.

In Wirk­lich­keit braucht die­ser FC Bay­ern sol­che Spiele doch. Hoeneß und Heynckes glüh­ten mit roten Köp­fen vor den Kame­ras und gran­tel­ten vor sich hin. End­lich bekom­men sie die Chance, die Mann­schaft kon­struk­tiv zu kri­ti­sie­ren. Das geht schlecht, wenn diese Spiel für Spiel mit traum­wand­le­ri­scher Sicher­heit gewinnt. Und genau die­sen Reflex, der seit Jahr­zehn­ten zum FC Bay­ern dazu­ge­hört wie das Amen in der Kir­che, habt ihr, liebe Bayern-Fans, kul­ti­viert. Des­sen soll­tet ihr euch bewusst sein, wenn ihr nach einem sol­chen Spiel Kri­tik übt. Es ist nichts als ein Reflex. Bewer­tet ihn nicht über und lasst euch nicht durch die Bericht­er­stat­tung irri­tie­ren, denn auch diese ist nichts als eine natür­li­che Reak­tion. In die­sem Zusam­men­hang ist es auch typisch, dass Schwein­stei­ger nun als uner­setz­bar her­aus­ge­stellt wird. Der­selbe Schwein­stei­ger, der vor nicht allzu lan­ger Zeit in der Kri­tik stand und nur ganz lang­sam nach einer hart­nä­cki­gen Sprung­ge­lenks­ver­let­zung wie­der zu alter Stärke zurückfand.

Bleibt das anspruchs­volle Opern­pu­bli­kum, ver­langt von euren Stars nur das Aller­beste, aber ver­gesst nicht, dass selbst die bes­ten der Welt dann und wann einen Tag haben, an wel­chem sie nicht die aller­höchs­ten Töne tref­fen. Behal­tet jedoch die Gewiss­heit, dass ihr das Pri­vi­leg habt, an einem guten Tag Welt­klasse bestau­nen und dabei jubeln zu dürfen.

Sport­lichst,

Marc Andruszko





Diskussionskultur

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>