Brief an Armin Veh: noch bei der Eintracht, bald auf Schalke?


veröffentlicht am Donnerstag, 7. März 2013 18:27, von unserem Autor Marc Andruszko in Post vom Schlenzer. null Kommentare

Sehr geehr­ter Armin Veh,

Sie wur­den die­ser Tage vom Schieds­rich­ter auf die Tri­büne ver­wie­sen und reg­ten sich ziem­lich dar­über auf. Warum ich jetzt noch damit nerve? Das hat einen ein­fa­chen Grund: Sie kom­men aus Augs­burg, der Fug­ger­stadt. Und wenn ich mich rich­tig an Augs­burg erin­nere, dann sehe ich über­all restau­rierte Kir­chen, uralte Gebäude, fla­nie­rende Men­schen, null Stress, Kul­tur pur. Eine wirk­lich gemüt­li­che und fried­li­che Stadt. Jedoch auch jene Stadt, in wel­cher die Fami­lie Fug­ger ihr ein­zig­ar­ti­ges Han­dels­im­pe­rium grün­dete und welt­weit Geschäfte machte. Eine solch große Macht erlangt man nicht mit Gut­men­schen­tum. Dazu gehört mehr. Vor allem viel Wille und Durch­set­zungs­kraft. Die Fug­ger, die spä­ter schlicht im Geld schwam­men, sorg­ten sich sodann um die Gunst Got­tes. Würde die­ser sie in sein Him­mels­reich auf­neh­men nach­dem sie so vie­len Men­schen Geld abge­nom­men hat­ten? Um den Men­schen etwas zurück­zu­ge­ben rie­fen die Fug­ger Stif­tun­gen ins Leben und grün­de­ten die Fug­ge­rei, die älteste Sozi­al­sied­lung der Welt, wo bis heute bedürf­tige Men­schen für nicht ein­mal einen Euro Jah­res­miete plus drei Gebete täg­lich für die Grün­der leben können.

Armin Veh Schalke 04

Armin Veh hat Post vom Schlen­zer. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Soweit dürfte Ihnen das alles bes­tens bekannt sein. Viel­leicht haben Sie aber noch nie die Ver­bin­dung zwi­schen Augs­burg, die­ser fried­lich im bay­ri­schen Bezirk Schwa­ben gele­ge­nen ehe­ma­li­gen Welt­stadt, zu Ihrer Per­son gezo­gen. Zumin­dest nicht bewusst. Denn im ZDF Sport­stu­dio wur­den Sie gefragt, warum Sie mit der Ein­tracht nur einen Ein­jah­res­ver­trag abge­schlos­sen hät­ten, das sei ja nicht gerade üblich, sie müss­ten doch auch an sich den­ken. Sie ent­geg­ne­ten, Ihnen ginge es schon gut. Das hat mich beein­druckt. Sie sind eine Per­sön­lich­keit, die sich zwi­schen Erfolg und Demut hin– und her­ge­ris­sen zeigt. Und genau hier pocht Ihre Augs­bur­ger Ader. Denn Sie wur­den einst mit dem VFB Stutt­gart sen­sa­tio­nell deut­scher Meis­ter. Sie arbei­te­ten für den wirt­schaft­lich pri­vi­le­gier­ten VFL Wolfs­burg und den tra­di­ti­ons­re­chen HSV. Sie haben das große Geschäft ken­nen­ge­lernt und wis­sen sicher­lich wie die Uhren dort ticken. Sie lern­ten rie­si­gen Erfolg aber auch schmerz­hafte Nie­der­la­gen ken­nen. Sie zeig­ten sich demü­tig. Es ver­schlug Sie zu einem Under­dog, der Ein­tracht aus Frank­furt, wel­che Sie zur Sen­sa­ti­ons­truppe der lau­fen­den Sai­son form­ten. Kaum eine andere deut­sche Mann­schaft ist mit solch talen­tier­ten Jung­pro­fis geseg­net wie die Ein­tracht. Doch lang­sam spü­ren Sie, wie die Uhr gegen Sie tickt. Sie bekom­men erste Zwei­fel. Der „Ein­flüs­te­rer“ brachte den Vul­kan Veh zum Ausbruch.

Herr Veh, Sie sind im Gespräch bei Schalke 04. Dort schal­tet und wal­tet ein alter Bekann­ter: Horst Heldt. Sie haben nur einen Ein­jah­res­ver­trag bei Ein­tracht Frank­furt. Und Sie wer­den in den Ver­hand­lun­gen um eine Ver­trags­ver­län­ge­rung vehe­ment Ver­stär­kun­gen für die neue Sai­son von Heri­bert Bruch­ha­gen for­dern, weil Sie erfah­ren genug sind zu erken­nen, dass Frank­furt nicht ewig auf der neuen Erfolgs­welle wei­ter­sur­fen kann, ohne das Surf­brett vor der nächs­ten Bun­des­li­ga­sai­son frisch zu wach­sen. Gleich­zei­tig spü­ren Sie wie­der den Drang, Gro­ßes zu bewe­gen, das Kapi­tel Demut abzu­schlie­ßen und wie­der auf die große Bühne der Bun­des­liga und des inter­na­tio­na­len Fuß­balls zurück­zu­keh­ren. Wenn Sie tat­säch­lich Trai­ner bei Schalke wer­den, denke ich wie­der an Augs­burg  — oder „Aug­sch­burg“, wie Sie es sicher aus­spre­chen wür­den. Ich werde an die Fug­ger den­ken, an deren Macht und Demut. Und ich wün­sche mir, dass Sie Ihre Kar­riere fort­set­zen wie bis­her: nicht als Mario­nette, son­dern selbst mit den Fäden in der Hand, um zu ent­schei­den, wann Ihre Vor­stel­lung been­det ist. Viel­leicht lern­ten Sie auch das in Augs­burg: von der Augs­bur­ger Puppenkiste.





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