José Mourinho über Didier Drogba


veröffentlicht am Mittwoch, 23. Oktober 2013 13:44, von unserem Autor Marc Andruszko in Auswärts. null Kommentare

José Mourinho gewann mit sei­nem abge­zock­ten Chel­sea ges­tern gegen Schalke 04. Das über­raschte eher wenig, denn die der­zei­tige Form Schal­kes kann unter nor­ma­len Umstän­den nicht gegen eine erfah­rene Truppe wie Chel­sea, mitt­ler­weile gespickt mit jun­gen Tem­po­fuß­bal­lern wie Schürrle und Hazard, reichen.

Was viel mehr über­rascht, ist, dass das Vor­wort von José Mourinho für Didier Drog­bas Auto­bio­gra­fie, die bereits 2009 erschien und schein­bar nie oder noch nicht ins Deut­sche über­setzt wurde, nun wie­der durch die eng­lisch­spra­chige Netz­welt geis­tert, ohne jedoch dabei für grö­ßere Beach­tung in der deut­schen Fuß­ball­land­schaft zu sor­gen. Viele Fans zei­gen sich berührt von die­sen Zei­len. Des­we­gen hier meine Über­set­zung des eng­li­schen Vor­worts von José Mourinho für Didier Drogba:

Ich bin ein Mensch, der Erin­ne­run­gen wie Schätze bewahrt und durch diese kann ich der Welt vie­les erzäh­len. Ich bin kein Schrift­stel­ler, noch weni­ger ein Dich­ter, aber mein Leben ist reich an Geschich­ten; Geschich­ten von außer­ge­wöhn­li­chen Momen­ten. Wenn ich auf diese zurück­bli­cke, kann ich nur einige wenige beson­dere Men­schen fin­den, die ich für immer in mei­ner Seele und mei­nem Her­zen behal­ten werde.

Didier Drogba trat in der fünf­ten Minute eines Cham­pi­ons Lea­gue Spiels im mythi­schen Vélo­drome in Mar­seille in mein Leben. Ich hatte mich kaum hin­ge­setzt, als die­ser Riese mit der Num­mer 11 auf dem Tri­kot traf. Ich erin­nere mich, dass er das Tor fei­erte, als wenn es sein letz­tes wäre und er ver­än­derte eine sowieso schon feind­li­che Atmo­sphäre in einen Feu­er­ball aus Ben­ga­los, Anfeue­rungs­ge­sän­gen und Emo­tio­nen. Die Fans dreh­ten durch, der Lärm war ohrenbetäubend.

In der Halb­zeit traf ich ihn im Tun­nel und sagte zu ihm: „Ich habe nicht das Geld, dich zu kau­fen, aber hast du irgend­wel­che Cou­sins an der Elfen­bein­küste, die spie­len kön­nen wie du?“ Inmit­ten die­ses ange­spann­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiels lachte er, umarmte mich und sagte: „Eines Tages wirst du Trai­ner bei einem Club sein, der mich kau­fen kann.“

Sechs Monate spä­ter unter­schrieb ich bei Chel­sea. Ich hatte einen enorm mäch­ti­gen Club gefun­den, mit dem jeder ver­han­deln, mit dem jeder ver­bun­den sein wollte – und für den jeder spie­len wollte. Ich hatte einige Mög­lich­kei­ten, aber ich kam dort an und sagte: „Ich will Didier Drogba.“ Zwei­fel wur­den geäu­ßert und Fra­gen von eini­gen Leu­ten gestellt: „Warum die­ser Spie­ler?“, „Warum nicht jener?“, „Bist du dir sicher, dass er sich anpas­sen kann?“, „Ist er wirk­lich so gut?“

„Ich will Drogba“, sagte ich.

Einige Tage ver­gin­gen und ich traf mich mit Didier an einem Pri­vat­flug­ha­fen in Lon­don. Wie­der umarmte er mich, die­ses Mal aber auf eine unver­gess­li­che Art und Weise: eine Umar­mung, die die Dank­bar­keit die­ses Man­nes zeigte, und seine Zunei­gung zu Men­schen, die ihm viel bedeu­ten. Unbe­schreib­lich. Dann sagte er zu mir: „Danke. Ich werde für dich kämp­fen. Du wirst es nicht bereuen. Ich werde dir immer loyal bleiben.“  

Und das ist es, was er getan hat. Für den Trai­ner und die Mann­schaft da zu sein, wenn es auf nichts ande­res ankam (…)

Das FA Cup Finale im neuen Wem­bley Sta­dion 2007, gegen Man­ches­ter United: das letzte Spiel der Sai­son. Viele Leute dach­ten, das würde mein letz­tes Spiel als Trai­ner Chel­seas wer­den. Es war ein groß­ar­ti­ger Kampf. Und dann traf Didier in der Nach­spiel­zeit. Der Schluss­pfiff ertönte und jeder drehte durch – außer zwei ruhi­gen Men­schen. Ich rannte in die Kabine, um meine Frau anzu­ru­fen. Ein Spie­ler blieb den sofort begin­nen­den Fei­er­lich­kei­ten fern und folgte mir durch den Tun­nel. Es war Didier, der mich für eine Umar­mung ver­folgte. Das Spiel war vor­bei aber er konnte nur daran den­ken, mich so schnell wie mög­lich zu umar­men. Dachte er an unser ers­tes Tref­fen zurück? Unsere Sekunde? Oder dachte er, dass dies unsere letzte Umar­mung sein sollte…? Er fand mich, wir umarm­ten uns und weinten (…)

Viel­leicht sollte sich die­ses Vor­wort auf den Fuß­bal­ler Didier kon­zen­trie­ren. Aber der Spie­ler, den jeder kennt – den Lea­der, den Titel­samm­ler, auch den Wohl­tä­ter: All diese Dinge hat er durch sein Kön­nen, sei­nen Ein­satz und seine Demut erreicht. Didier ist einer der bes­ten Spie­ler, die ich in mei­ner Kar­riere trai­niert habe. Aber viel wich­ti­ger: Er ist einer der bes­ten und unver­gess­lichs­ten Freunde in mei­nem Leben. Zusam­men, Seite an Seite, für die selbe Sache kämp­fen? Weit weg? In ver­schie­de­nen Clubs? In ver­schie­de­nen Län­dern? Oder als alte Män­ner, mit Didier im Ruhe­stand und mir als Coach im Roll­stuhl? Es spielt keine Rolle.

Didier. Du wirst immer einen Platz in mei­nem Her­zen haben.“





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