Fußballjahr 2012: Eine Hommage an den 11Freunde-Ticker


veröffentlicht am Montag, 31. Dezember 2012 20:51, von unserem Autor Marc Andruszko in Auswärts.

In unse­rer Rubrik Aus­wärts wol­len wir andere Schreib­mann­schaf­ten zu ihren Glanz­leis­tun­gen beglück­wün­schen. Dabei erin­nern wir uns an die Fair-geht-vor-Plakate, die vor Urzei­ten auf den Fuß­ball­plät­zen der Repu­blik ange­bracht wur­den. Wenn jemand etwas ver­dammt Gutes schreibt, dann sind wir so fair, auch unsere Leser dar­auf auf­merk­sam zu machen. Und wel­ches Kunst­werk der Fuß­ball­schrei­be­rei würde sich zum Start­schuss mehr auf­drän­gen als der 11Freunde-Ticker?

Fuß­ball­jahr 2012: der 11Freunde-Ticker bleibt in Erinnerung

2012 war ein Jahr mit berau­schen­den Spie­len. Natür­lich erin­nert man sich sofort an das ver­lo­rene Finale Dahoam. Ebenso wird die EM in Polen und der Ukraine noch ein Weil­chen in Erin­ne­rung blei­ben. Es waren aber auch Spiele dabei, die man ver­ges­sen wird. Weil Sie ent­täu­schend waren oder ein­fach nur so schlecht, dass nichts davon übrig bleibt. Der 11Freunde-Ticker erleich­tert, das Fuß­ball­jahr 2012 zufrie­den zu den Akten zu legen. Er ist an Krea­ti­vi­tät und Humor kaum zu über­tref­fen. Oft habe ich nach einem sen­sa­tio­nel­len Spiel den Ticker gele­sen und Trä­nen gelacht. Wenn das Spiel vor sich hin­plät­scherte, habe ich ihn par­al­lel gele­sen und die 90 Minu­ten so über­stan­den. Ein gutes Spiel wird durch ihn noch schö­ner und ein schlech­tes ver­kraft­bar. Der Ticker ist das Schmuck­stück des 11Freunde-Magazins und ein Kleinod im deut­schen Sport­jour­na­lis­mus. Er ist wun­der­bar spon­tan, sub­jek­tiv, direkt und frech. Damit spricht er dem Fuß­ball­fan aus der Seele und ist ein will­kom­me­nes Kon­trast­pro­gramm zur durch­kom­po­nier­ten Bericht­er­stat­tung mit ihren stän­dig wie­der­keh­ren­den Trans­fer­ge­rüch­ten und glatt gebü­gel­ten Interviews.

Län­der­spiel Deutsch­land gegen Schweden

Unsere Natio­nal­mann­schaft spielt in der ers­ten Halb­zeit Fuß­ball wie aus einem Guss, um dann noch im gemüt­li­chen Schon­gang das Spiel zu Ende zu schau­keln. Und ich könnte wet­ten, dass ich nicht der Ein­zige war, der sich wegen die­ser Über­zeu­gung vor­schnell aus der Kneipe ver­ab­schie­dete, sich die Auf­hol­jagd der Schwe­den nicht live son­dern gezwun­ge­ner­ma­ßen erst in der Spiel­ana­lyse mit Beck­mann anschaute, der in sei­ner bekannt inves­ti­ga­tiv jour­na­lis­ti­schen Art dem Ver­sa­gen unse­rer Natio­nal­mann­schaft ganz tief auf den Grund gehen wollte. Nicht zum ers­ten Mal wünschte ich mir, “Switch reloa­ded” würde sofort die Regie übernehmen.

Dirk Gie­sel­mann und Fabian Jonas tickerten…

kuriose Gedan­ken: Die Sei­ten­wahl. Zla­tan schaut Lahm an wie einen Hund im Tier­heim, den er zwar nicht son­der­lich nied­lich fin­det, aber auch nicht in sei­nem Elend zurück­las­sen will. Na, komm, mein Klei­ner. Gehen wir Gassi.

Tor: Ja, ich will! Mül­ler roman­ti­siert den Ball auf Özil, der schmust ihn rein, und auf der Linie steht Kroos Spa­lier und streut Blu­men für die­ses Tor, das in der Tat so schön war, dass jemand seine Schleppe tra­gen und Rolf Seelmann-Eggebert es kom­men­tie­ren müsste. Eine Adels­hoch­zeit von einem Tref­fer. Und was sagt die­ser Bar­tels? »Ich glaube, das Spiel ist ent­schie­den.« Bis dass der Tod uns schei­det.“ 

Für alle, die das Spiel nicht zu Ende geschaut haben, geht es hier zur Pflichtlektüre.

Finale Dahoam: FC Bay­ern Mün­chen gegen Chel­sea London

Es war das Spiel der Spiele 2012 und lässt sich nie mehr aus der Geschichte des FC Bay­ern Mün­chen hin­weg­den­ken. Man kann es auf einer Stufe mit dem schon gewon­nen geglaub­ten Champions-League-Finale 1999 gegen Man­ches­ter United betrach­ten, nur war es dies­mal nicht ein Baby­face namens Solsk­jær, dem heute nie­mand mehr böse sein kann son­dern der Straf­raum­schreck Didier Drogba him­self, der die Träume der Bay­ern zunichte machte.

Dirk Gie­sel­mann tickerte…

kuriose Gedan­ken:Unor­tho­dox: SAT.1 schal­tet erst nach dem Anstoß zurück nach Mün­chen. Woll­ten uns wohl mit dem 1:0 über­ra­schen, die Schlitz­oh­ren. Haben wir gelacht.

Tor: „Mül­ler! Die­ser Natur­bur­sche! Macht hier das Tor wie bei einem Wie­sen­kick in Hin­ter­tupf­ing: ein­fach rein, egal wie. Dies­jäh­ri­ger Gewin­ner des Wett­be­werbs »Unser Dorf soll schö­ner wer­den« und der Champions-League: Mül­ler, Tho­mas. I hob di liab.“

Wer das ganze Drama noch­mal mit einem Lächeln auf den Lip­pen durch­le­ben will: hier geht es zum Theater.

Das ewige Duell: Deutsch­land gegen Ita­lien bei der EM 2012

Die ein­zi­gen Deut­schen, die kurz nach dem Spiel ihren Spaß hat­ten, dürf­ten die Sta­tis­tik­ver­eh­rer unse­rer geschätz­ten öffentlich-rechtlichen Fern­seh­an­stal­ten mit der Speer­spitze Beckmann/Kerner gewe­sen sein. Die Kar­tei­kar­ten waren mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit schon Wochen zuvor für den Not­fall gedruckt wor­den. Und dann wur­den sie gebets­müh­len­ar­tig bemüht: Die Sta­tis­ti­ken über die Spiele gegen Ita­lien. Dass wir nie­mals bei einem Tur­nier gegen die Azzuri gewon­nen haben. Die­ses Spiel im Som­mer 2012 – ganz Deutsch­land schal­tet den Fern­se­her aus und will nur noch eines: Ruhe.

Dirk Gie­sel­mann und Fabian Jonas tickerten…

kuriose Gedan­ken: Khe­dira jetzt mit dem Power­sprint nach vorn. Sieht aber aus wie einer, der durch eine Italo-Disco ren­nen will, über­all tan­zende, flip­pende, irgend­wie auf­dring­li­che Typen. Aus­ge­hen ist auch nicht mehr das, was es mal war.

Tor:Balo­telli hat drei Jahre Zeit, sich den Ball zurecht­zu­le­gen, mit ihm zu spre­chen, ihm zu erklä­ren, was er gleich mit ihm vor­hat, näm­lich ihn GNADENLOS in die Maschen zu häm­mern. Neuer sieht einen wei­ßen Kon­dens­strei­fen am Him­mel über War­schau. Der sich nun ver­dun­kelt. Kann auch sein, dass es mein Gemüt ist.

Hier kli­cken, Gal­gen­hu­mor bewei­sen und auf die WM 2014 in Bra­si­lien hof­fen. Eigent­lich wie gemacht für Poldi. Ich sehe ihn schon beim Kar­ne­val von Rio de Janeiro mit dem WM-Pokal in den Hän­den Samba durch die Stra­ßen tan­zen. Jeden­falls bin ich jetzt schon gespannt, was der 11Freunde-Ticker vom Zucker­hut berich­ten wird.

 

 

 

 

 

 

 

 





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