Filme über Schiedsrichter


veröffentlicht am Donnerstag, 10. Januar 2013 16:41, von unserem Autor Marc Andruszko in Auswärts. null Kommentare

Nach­dem sich Michael Luczak ges­tern Gedan­ken über den tolls­ten Job der Welt machte, sol­len heute zwei Filme über Schieds­rich­ter vor­ge­stellt wer­den. Jetzt wird man­cher den­ken: Für was soll ich mir einen Schieds­rich­ter­film anschauen? Ich muss die Pfei­fe­rei oft genug selbst auf dem Platz, im Sta­dion oder vor dem Bild­schirm ertra­gen. Genau hier liegt der Hund begra­ben. Wie oft beschwe­ren wir uns über Schieds­rich­ter und behaup­ten, dass sie immer schlech­ter und arro­gan­ter und bera­tungs­re­sis­ten­ter wür­den? Es tut jedem, der den Fuß­ball liebt, gut, von zu Hause aus in aller Ruhe und ohne Adre­na­lin in der Blut­bahn einen ratio­na­len Blick auf die Arbeit eines Schieds­rich­ters, sei es im Ama­teur­fuß­ball oder Pro­fi­fuß­ball, zu werfen.

PLATZHERR oder PRÜGELKNABE

Der Titel des Films sug­ge­riert es bereits: Das Eis, auf dem sich ein Schieds­rich­ter über den Platz bewegt ist unglaub­lich dünn. Von einem auf den ande­ren Moment kann ein Spiel der­art kip­pen, dass der Schieds­rich­ter die Kon­trolle ver­liert. Ein fal­scher Pfiff im fal­schen Moment und der Schieds­rich­ter ist nicht mehr Platz­herr son­dern Prügelknabe.

Pfeife Schiedsrichter FilmDas Tolle am Film ist, dass die Ama­teur­schieds­rich­ter mit Mikro­fo­nen aus­ge­stat­tet wur­den und man daher so ziem­lich alles mit­be­kommt, was auf dem Platz pas­siert. So ent­steht eine Kako­pho­nie aus Pfif­fen, Lob, Belei­di­gun­gen und hämi­schen Kom­men­ta­ren. Es ist wirk­lich pein­lich, wenn ein Ama­teur­trai­ner selbst unter offen­sicht­li­cher Anwe­sen­heit von Kame­ras beim Ver­las­sen des Plat­zes sagt, es sei wider­wär­tig, abar­tig und das Aller­letzte, was hier rum­laufe. Gemeint war natür­lich das Schieds­rich­ter­ge­spann. Dabei muss man sich als Ama­teur­fuß­bal­ler fra­gen, ob es wirk­lich immer sein muss, den Schieds­rich­ter beein­flus­sen zu wol­len. Immer­hin könnte man einen von ihnen am nächs­ten Mor­gen bei der Spar­kasse hin­ter dem Schal­ter antref­fen, wo er sei­nem ganz nor­ma­len bür­ger­li­chen Job nachgeht.

Hier soll nicht etwa pro­pa­giert wer­den, dass der Schieds­rich­ter in Zukunft nur noch mit Samt­hand­schu­hen anzu­pa­cken ist. Nein, dies ist über­haupt nicht wün­schens­wert und jeder Schieds­rich­ter wird sich wohl bewusst sein, dass er sich bei jedem Spiel der sofor­ti­gen Kri­tik auf dem Platz stel­len muss. Was wäre die Fuß­ball­ge­schichte ohne die Plau­de­rei mit dem Schieds­rich­ter? Man erin­nere sich an die groß­ar­tige Kon­ver­sa­tion nach einer gel­ben Karte zwi­schen Willi „Ente“ Lip­pens und dem Schieds­rich­ter: „Ich ver­warne Ihnen“ … „Herr Schieds­rich­ter, ich danke Sie“. Lip­pens flog mit gelb-rot vom Platz und wurde zur Legende.

An die­ser Stelle soll aber erwähnt wer­den, dass unser Ama­teur­fuß­ball­platz, auf dem wir unsere Frei­zeit ver­brin­gen, nicht zu einem moral– und rechts­freien Raum mutie­ren darf, in wel­chem wir den „Sün­den­bock Schieds­rich­ter“ Belei­di­gun­gen aus­set­zen, die außer­halb des Plat­zes in unse­rem nor­mal­bür­ger­li­chen Leben regel­mä­ßig straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen könnten.

Inter­es­sant ist außer­dem, wie Schieds­rich­ter selbst ihre Rolle sehen und wel­che Kon­zepte sie sich zur erfolg­rei­chen Spiel­lei­tung zurecht­le­gen. Hier schrei­ben die Schieds­rich­ter die geschickte Kom­munka­tion mit den Spie­lern groß. Wie wir alle wis­sen, resul­tie­ren dar­aus gerne wit­zige Dia­loge zwi­schen Spie­lern und Schieds­rich­tern, die gerne ein­mal vom Schieds­rich­ter mit „gehen Sie weg“ been­det wer­den. In hek­ti­schen Situa­tio­nen spricht der Schieds­rich­ter dann auch mal kryp­ti­sche Sätze, die nicht von allen Spie­lern ver­stan­den wer­den: „Sie ver­hin­dern nichts ande­res als eine rela­tiv gute Chance“.

Der Film wirft wei­tere Fra­gen auf: Unter­hält man sich auf dem Platz per Du oder Sie oder vari­iert man je nach Spiel­si­tua­tion? Warum wird man Schieds­rich­ter? Zum Bei­spiel weil man eine rote Karte bekam, die man unge­recht fand und daher selbst für Gerech­tig­keit auf dem Platz sor­gen will. Und wie schafft man es, dass die Spie­ler einen akzep­tie­ren? Man sucht sich Freunde auf dem Platz, baut sich einen Draht zur Mann­schaft auf, fin­det die rich­tige Mischung zwi­schen Tadel und Aufmunterung.

Außer­dem dabei: Schieds­rich­ter­be­ob­ach­ter, die minu­tiös jede Aktion des Schieds­rich­ters ana­ly­sie­ren und dazu anra­ten, die Laut­stärke des Pfiffs je nach Inten­si­tät des Fouls zu vari­ie­ren. Hier muss die Frage erlaubt sein, ob diese Rat­schläge einen Schieds­rich­ter nicht eher von sei­nem eigent­li­chen Job ablen­ken. Bil­det euch eure eigene Mei­nung!

Refe­rees at Work

Refe­rees at work ist fast schon ein alter Hut, aber man kommt nicht drum­herum, diese Doku­men­ta­tion hier noch ein­mal zu emp­feh­len, in der Hoff­nung, dass sie end­lich von allen Fuß­bal­lern und Fans gese­hen wird. Durch die erst­ma­lige Auf­nahme des Schieds­rich­ter­funks und eine auf den Schieds­rich­ter fokus­sierte Kamera bekommt man haut­nah mit, wie sich der Schieds­rich­ter auf dem Platz ver­hält und wie er mit den Spie­lern und Lini­en­rich­tern kom­mu­ni­ziert. Auch blickt die Doku­men­ta­tion in die Schieds­rich­ter­ka­bine und das Leben der Schieds­rich­ter außer­halb des Plat­zes. Wie füh­len sie, wie lei­den sie durch ihre Fehl­ent­schei­dun­gen und warum pfei­fen sie?

Die Doku­men­ta­tion beglei­tet den Schieds­rich­ter Mas­simo Busacca, der ver­zwei­felt nach Kara­gou­nis schreit, dem vier­ten Offi­zi­el­len durch den Funk zu ver­ste­hen gibt, er solle end­lich seine Klappe hal­ten und den Spie­lern nach dem Abpfiff erklärt, er sei nicht Gott, sowie Howard Webb, der jeden Spie­ler per Vor­na­men kennt und in Eng­land zum Rit­ter geschla­gen wurde. Ein­fach hier kli­cken und in vol­ler Länge anschauen.

 





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